Lerchenbergtunnel: Ein Schatz, den man heben muss

Heilbronn  Der Verein Erlebnisweg Lerchenberg-Tunnel hat am Samstag bei einem Bürger-Infonachmittag für seine Idee geworben.

Von Ulrike Bauer-Dörr

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Ein Schatz, den man heben muss
So könnte es aussehen: Bei der Powerpoint-Präsentation wurden Beispiele für realisierte Rad- und Fußwege durch Tunnels gezeigt, wie hier in Lyon.Foto: privat

Der erst vor zwei Wochen gegründete Verein "Erlebnisweg Lerchenberg-Tunnel" gibt Gas. Rund hundert Interessierte, darunter viele Anwohner, kamen am Samstag zu einer Info-Veranstaltung ins Arkus-Haus in der Südstadt. Mit tausend in der Süd- und Oststadt verteilten Flyern hatte die kleine Bürgerinitiative dafür geworben. Die vielen Räder vor dem Gebäude ließen darauf schließen, dass Radler das Projekt ganz besonders interessiert. Mehrere Dutzend Besucher signalisierten spontan, in den Verein eintreten zu wollen.

Dessen Ziel ist es, die seit Jahrzehnten nicht mehr genutzte, ein Kilometer lange, zugewucherte Bahntrasse zwischen Gemmingstal und Wannental in einen öffentlichen Weg für Radfahrer, Fußgänger und Skater umzuwandeln und aufzuwerten. Ein Brief an die Deutsche Bahn AG, in dem die Initiative sich und ihr Vorhaben vorstellt, ist bereits abgeschickt, eine Webseite in Aufbau und die Gemeinnützigkeit des Vereins beantragt, um Spenden einwerben zu können.

Ein Euro als symbolischer Preis?

Denn als nächstes möchte der Vorstand um Wolf Theilacker, Heidrun Landwehr und Wolfgang Palm eine Machbarkeitsstudie in Auftrag geben, die rund 100 000 Euro kosten könnte. Noch gehört der DB Netz AG die 116 Jahre alte Trasse. Sie möchte sie aber verkaufen. Der Preis richtet sich nach der künftigen Nutzung. "Die Bahn kann sie gern symbolisch für einen Euro hergeben, dann hat sie keine Probleme mehr damit", witzelte Wolf Theilacker auf der Versammlung.

Wichtig sei, dass nach drei Jahrzehnten des Wartens wieder konstruktive Gespräche zwischen Bahn und Stadt Heilbronn stattfinden, damit "dieser Heilbronner Schatz endlich gehoben wird". "Wir wollen die Lerchenberg-Trasse aus ihrem 30-jährigen Dornröschenschlaf wachküssen", sagte Theilacker. Den visionären Erlebnisweg beschrieb er als naturnahe, autofreie, ebene und deshalb komfortable Verbindung zwischen der südlichen Innenstadt und den Wohngebieten und Grünbereichen im Osten der Stadt, mit Anschluss an wichtige überregionale Radwege.

Vielseitige Verwendung denkbar

Klar ist: Der Tunnel mit Fuß- und Radweg muss gut ausgeleuchtet und aus Sicherheitsgründen mit Videokameras überwacht sein. Denkbar ist, ihn als Ausstellungsfläche (Stadt-, Bahn- und Industriegeschichte), für Kunst- und Lichtinstallationen und als Veranstaltungsraum zu nutzen. In Tübingen, Wuppertal und Lyon gibt es gelungene Beispiele.

Bei der eineinhalbstündigen Versammlung ging es um Kosten und wer diese trägt, aber auch um die Sicherheit im "Angst-Raum" Tunnel. Aus Naturschutzsicht wäre der Lebensraum für Flora und Fauna entlang der Böschungen in Gefahr. Anwohner stehen der Sache durchaus wohlwollend gegenüber: Das Projekt Lerchenbergtunnel würde eine Überbauung der Trasse verhindern.