Das Aus für die Studentenkneipe

Heilbronn  Klubsofa hat nun endgültig geschlossen − Ambiente spricht Hochschüler nicht mehr an

Von unserem Redakteur Tobias Wieland

Das Aus für die Studentenkneipe
Nichts mehr los für Studenten: Das Klubsofa hatte am vergangenen Wochenende zum letzten Mal geöffnet.Foto: Guido Sawatzki

Nach der letzten kam die allerletzte Fete: Vor drei Wochen sollte Schluss sein im Klubsofa. Für immer. Bei einer 90er-Jahre-Party wollten die Gäste Abschied nehmen von der guten Stube. Am vergangenen Wochenende war die einzige Studentenkneipe Heilbronns doch noch einmal geöffnet. Die Band The Punk Poets stellte ihr Album vor. Jetzt ist das Ende endgültig. Das generelle Aus für Studentenkneipen in Heilbronn?

Ansprüche "Für Studierende ist mittlerweile ein gewisser Lifestyle-Aspekt wichtig − das bietet das Ambiente des Klubsofas nicht", sagt Christian Buer. Der Professor der Hochschule Heilbronn hatte einst die Idee zu der Kneipe, die von Studenten geführt wurde. 2006 öffnete das Klubsofa. Ein Merkmal war die Gemütlichkeit − dank vieler gebrauchter Sessel und Sofas.

Neben Buer war Thomas Aurich ein wichtiger Unterstützer. Auch der Gastronom erkennt den Wandel. "Früher gab es eher einen Bedarf an Studentenkneipen. Heute stehen die jungen Leute mehr auf die großen Events."

Die beiden haben neue Ideen. Die Konzeption wird anders sein, bis zur Realisierung dürfte einige Zeit verstreichen. Klar ist: "Am jetzigen Standort geht es nicht mehr weiter", sagt Buer.

Zuletzt feierten an der Ecke Süd-/Urbanstraße immer weniger Studenten. Nur noch handgezählte 16 Gäste waren beim letzten Konzert mit den Punk Poets. Zwar hatten die Betreiber diesen Auftritt nicht mehr groß beworben, aber selbst früher beliebte Partyreihen lockten immer weniger Besucher an. Zu wenig Gäste bedeuten eben zu wenig Umsatz.

"Ich bin überzeugt davon, dass das Klubsofa gelaufen wäre", sagt Timo Patte. "Aber wenn man unter der Woche hin ist, war die Tür häufig zu. Dann hatte es am Wochenende auf, ein anderes Mal aber nicht. Irgendwann fehlte die passende Führung", sagt der Student im Fach Hotel- und Restaurantmanagement.

Einen Vorwurf will Thomas Aurich den studentischen Betreibern nicht machen. "Die Anforderungen im Studium sind höher geworden − da fällt es schwer, das nebenher zu machen." Zudem sei Geschäftsführer Kamil Dogan häufig auf sich alleine gestellt gewesen. Dogan stand mehrere Jahre an der Spitze, nun wollte er sich zurückziehen. Auch ein Grund für das Ende. "Einen Nachfolger kann ich nicht suchen", sagt Aurich.

Ein Problem sieht Student Patte auch im Anspruchsdenken mancher Kommilitonen. "Kaum einer ist bereit, abends mehr als zehn Euro liegenzulassen. Und dann soll das für mindestens vier Bier reichen." Eine Studentenkneipe wirtschaftlich zu betreiben, sei da schwierig.

Angebot nimmt ab Dass es andere Zeiten gab, daran erinnert Daniel Sacher, Student der Verkehrsbetriebswirtschaft. "Als ich 2005 hergekommen bin, gab es drei Studentencafés. Zudem war das Dachpavillon eine Kultkneipe, in der man immer Studenten getroffen hat. Das Angebot hat stetig abgenommen."

Bei aller Wehmut, die teilweise bei den Studenten vorherrscht − Professor Buer blickt nach vorne. "Wenn etwas zugeht, geht auch wieder etwas auf."