Heilbronn
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Hasenmahl-Rede als charmante Abrechnung

Die ehemalige Stadträtin Sibylle Mösse-Hagen (SPD) hielt beim diesjährigen Hasenmahl im Ratskeller eine unterhaltsame Rede. Zu den Gästen beim traditionsreichen Essen gehörten unter anderem Dieter Schwarz und Sibel Kekilli.

Von Jürgen Paul
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Lesezeit  2 Min

Heilbronner Hasenmahl | 20.01. | Heilbronn | 20.01.2017 | 40 Bilder | Fotograf: Andreas Veigel

 

Es ist zweifellos eine Ehre, von Heilbronns Oberbürgermeister zum Redner beim traditionellen Hasenmahl erkoren zu werden. Zugleich ist es aber auch eine große Herausforderung, vor dem erlesenen Kreis von 140 Funktions- und Würdenträgern des Heilbronner Lebens sprechen zu dürfen - oder zu müssen. Schließlich soll die Rede nicht nur die lokalen politischen und gesellschaftlichen Gegebenheiten beleuchten. Nein, sie soll zugleich auch rhetorisch ausgefeilt, bissig und unterhaltsam sein.

Für die Rednerin beim 61. Hasenmahl in der Nachkriegszeit - das Essen, bei dem Freund und Feind gemeinsam am Tisch sitzen, Hasen verspeisen, trinken und sich austauschen, hat seine Wurzeln im Jahr 1492 - war es am Freitagabend im Heilbronner Ratskeller eindeutig eine Freude, ihre An- und Einsichten über das kommunalpolitische Geschehen ihrer Heimatstadt vor diesem erlauchten Kreis ausbreiten zu dürfen. Kein bisschen aufgeregt sei sie vor ihrer Rede gewesen, versicherte Sibylle Mösse-Hagen glaubhaft der Heilbronner Stimme nach ihrem mit viel Applaus und Lob bedachten Auftritt.

Mösse-Hagens Rede war frech, aber nicht bösartig

Die langjährige SPD-Fraktionsvorsitzende im Heilbronner Gemeinderat, die sich im vergangenen Jahr aus der Kommunalpolitik zurückgezogen hat, verteilte in ihrer jederzeit unterhaltsamen Rede etliche Seitenhiebe in Richtung ihrer ehemaligen Gemeinderatskollegen. Charmant und frech, aber nie bösartig gab sie Freund und Feind in diesem Gremium  - und natürlich auch der Verwaltungsspitze einen mit - so wie es die Hasenmahl-Tradition vorsieht. Dabei hielt die Sozialdemokratin stets die Balance, wie ihr von etlichen Gästen, auch direkt betroffenen, attestiert wurde.

Nicht nur Sibylle Mösse-Hagen als exzellente Rednerin trug dazu bei, dass das Hasenmahl 2017 ein ganz besonderes war. Oberbürgermeister Harry Mergel, der mit locker-flockigen Ansprachen immer wieder für Erheiterung im Ratskeller sorgte, hatte bei der Gästeauswahl ein hervorragendes Händchen bewiesen. Neben dem Heilbronner Ehrenbürger Dieter Schwarz folgten auch die in Heilbronn geborenen Schauspielerinnen Angelika Bartsch ("Tatort", "Mord mit Aussicht") und Sibel Kekilli  ("Gegen die Wand", "Tatort") der Einladung Mergels und feierten gut gelaunt mit. So viele Selfies wurden beim Hasenmahl wohl noch nie geschossen. 

 

Mittelalterliche Tradition

Die mittelalterliche Tradition, Freund und Feind zu einem gemeinsamen Essen einzuladen, wurde vor 61 Jahren wieder eingeführt. Paul Meyle hatte als Oberbürgermeister das Hasenmahl 1956 in die Neuzeit geholt. Seither hat der amtierende Oberbürgermeister alljährlich die Qual der Wahl, den Stadträten und den vom OB und den Mitgliedern des Gemeinderats geladenen Gästen einen Redner zu präsentieren, dessen Identität immer bis zuletzt ein gut gehütetes Geheimnis ist. 

Gewürzt mit Witz, Charme und viel Pfeffer darf der Ehrengast das Zeitgeschehen beleuchten und muss zugleich darauf achten, dass das Rhetorische dabei nicht zu kurz kommt.

Bis in die 1970er Jahre fiel die Wahl regelmäßig auf Amtsgerichtsdirektoren und Landgerichtspräsidenten, die teilweise auch mehrfach aufgerufen wurden. Heute sind Wiederholungen verpönt, dafür kommen die Redner aus allen Teilen des gesellschaftlichen Lebens. 

 

Historische Fotodokumentation

61 Jahre Hasenmahl | 03.01.2016 | 14 Bilder

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