Heilbronn
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Gellender Schrei und blutige Schuhe

Nein zu Gewalt gegen Frauen: Mit einer eindrucksvollen Aktion hat der Zonta-Club am Samstag Passanten in Heilbronn aufgerüttelt. Am Dienstag, 25. November, ist der internationale Tag gegen Gewalt an Frauen. In Heilbronn werden dazu 19 Fahnen im Stadtgebiet gehisst. Veranstaltungen sind geplant.

Von unserer Redakteurin Bärbel Kistner
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Lesezeit  2 Min
 Foto: Mario Berger

Alle drei Minuten ertönt in der Fleiner Straße in der Heilbronner Fußgängerzone ein durchdringender Schrei. Passanten bleiben stehen und horchen. Der Schrei ist ein symbolischer und kommt nur vom Band, aber würden in Deutschland an jedem Ort Mikrofone stehen, wäre das Schreien ganz real. Denn alle drei Minuten wird hierzulande eine Frau vergewaltigt. 160 000 Mal passiert es bei uns vor der Haustüre, nicht in Indien oder Afrika. 125 Frauen werden zudem jährlich von ihren Ehemännern oder Partnern ermordet.

Symbolisch

„Das kann ich mir gar nicht vorstellen“, ist eine der häufigsten Reaktionen, die die Zonta-Frauen am Samstag in der Fleiner Straße zu hören bekommen. Mit den Schreien aus dem Lautsprecher und mit symbolisch blutrot gefärbten Schuhen an einer Gitterwand für die zu Tode gekommenen Gewaltopfer will der Heilbronner Service-Club die Passanten in der Fußgängerzone aufrütteln und mit ihnen ins Gespräch kommen. „Zonta says no“ (Zonta sagt nein) heißt die Aktion, die in einigen Städten in Deutschland bereits stattgefunden hat.

Was Zonta-Aktive Gianna Prescher erlebt, könnte Gegensätzlicher nicht sein. Männer wollen oft nichts davon hören, streiten die Zahlen ab, nehmen das Thema zum Anlass, die Rechte von Männern einzufordern, manch einer rechtfertigt die Taten der Geschlechtsgenossen. Für einige Frauen ist die symbolische Aktion die Konfrontation mit dem tatsächlich Erlebten. Sie wisse, wovon die Rede ist, hat eine Passantin Gianna Prescher erklärt: „Ich habe eine große Narbe am Kopf.“ Einer anderen seien die Tränen heruntergelaufen, als sie den Schrei vom Band gehört hat.
Selbstwertgefühl Zonta-Präsidentin Renate Brüggemann legt Wert darauf, dass es nicht bei einer einmaligen Aktion gegen Gewalt bleibt: „Wir müssen aktiv werden, um Frauen in eine Situation zu bringen, dass ihnen keine Gewalt widerfährt. Ein Projekt, das der Heilbronner Zonta-Club unterstützt, ist Lola (Los Ladies!) für Schülerinnen mit Zuwanderungsgeschichte. Selbstwertgefühl, eine Zukunftsperspektive und ein Platz in der Gesellschaft seien der beste Schutz für junge Frauen.

Aktionstag am Dienstag

Mit der Aktion ist der Heilbronner Service-Club Teil der weltweiten Kampagne „16 Tage gegen Gewalt an Frauen“, die bis zum Tag der Menschenrechte am 10. Dezember andauert. Am kommenden Dienstag, 25. November, ist der internationale Tag gegen Gewalt an Frauen. In Heilbronn werden dazu 19 Fahnen im Stadtgebiet gehisst. In den Frauenräumen (Achtungstraße 37) wird abends um 19 Uhr der Film „Zeit der Schmetterlinge“ gezeigt, am Donnerstag, 27. November, geht es um 19 Uhr im Gewerkschaftshaus um Frauen und Gewalt im Märchen.

 

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