Nur zögerlich beginnt die Debatte über mögliche Landratskandidaten

Klaus Czernuskas Verzicht auf eine dritte Amtszeit hat die Kreistagsfraktionen kalt erwischt

Von Iris Baars-Werner

 

Lutz Braun
Dass Klaus Czernuska bei seiner Etatrede nicht ganz bei der Sache war, wer wollte es ihm verdenken? Ganz so einfach, wie er sich das vorgestellt hatte, fiel es dem Heilbronner Landrat dann doch nicht, seinen Verzicht auf eine dritte Amtszeit zu erklären. Doch zu schwer hatte gewogen, dass er im September 2005 nur für gerade mal drei der acht Amtsjahre hätte antreten können. Das Gesetz setzt für Landräte mit dem 65. Geburtstag einen Schlusspunkt.

Detlef Piepenburg
Kaum jemand im Kreistag und im gesellschaftlichen Leben des Stadt- und Landkreises Heilbronn hatten damit gerechnet, dass der 61-Jährige wirklich aufhört. Gehofft zumindest hatten die meisten, zweierlei würde Klaus Czernuska im Amt halten: Die Anerkennung, die er über Partei- und kommunalpolitischen Grenzen hinweg in der Region Heilbronn genießt, und die Herausforderungen der nächsten Jahre, die mit der Verwaltungsreform aus dem Landratsamt eine einflussreichere und zudem um etwa 500 auf fast 1400 Köpfe wachsende Behörde machen.

Rolf Kieser
Keiner hat bisher die Fühler ausgestreckt nach einem Nachfolger. Warum auch? Klaus Czernuska ist schließlich ein Glücksfall für diesen Kreis. Bedauern über seine Entscheidung herrscht vor. Energiegeladen und zielgerichtet ist seine Arbeitsweise, klar strukturiert und unverbogen seine Persönlichkeit. Ehrgeiz und Eitelkeit bestimmen sein Handeln nur in dem Ausmaß, dass beides motivierend wirkt. Problemorientiert, ohne parteipolitische Ranküne hatte Czernuska trotz seiner CDU-Mitgliedschaft stets mit allen Fraktionen nach sachlichen Lösungen gesucht. Ebenso pragmatisch versteht er seine Aufgabe, die Gemeinsamkeiten mit der Stadt Heilbronn auszubauen. Kein Wunder, dass sich viele Heilbronner den Kreischef 1999 als Stadtoberhaupt hätten vorstellen können. Wie damals hat nun Czernuska die Entscheidung mit sich selbst, seiner Frau Hildegard und ein paar wenigen Freunden ausgemacht.

Deutlich verzögert beginnen die Personaldebatten. Wäre erneut ein Kreisrat aus den Reihen der Bürgermeister denkbar? Auch Czernuska hatte 1989 den Sprung vom Bad Wimpfener Rathaus über den Fraktionsvorsitz der Kreis-CDU ins Landratsamt geschafft. Nicht wenige nennen den Hardthausener Bürgermeister und FWV/FDP-Fraktionschef Harry Brunnet (54) als einen, der zumindest ins Kalkül gezogen werden muss. Oder Rüdiger Braun (50), seinen Rathaus-Kollegen aus Abstatt. Beide stehen im Kreisverband des Gemeindetags vorne, beide agieren in Sachen Wirtschaftsförderung. Beide aber schweigen. Keiner will zu früh aus der Deckung. Um die Riege der Gemeindeoberhäupter zu vervollständigen: Mancher hält auch den Brackenheimer Rolf Kieser (52), Vorsitzender der Volkshochschulen im Kreis, für ambitioniert, das Amt anzustreben.

Lange schon als ein möglicher Nachfolger von Klaus Czernuska wird Detlef Piepenburg gehandelt. Der 48-jährige Jurist ist seit 1997 Landrat im benachbarten Neckar-Odenwald-Kreis. Er war davor Erster Landesbeamter beim Landratsamt Heilbronn und damit Stellvertreter Czernuskas. Die Fraktionen schätzten Piepenburgs Arbeit in Heilbronn - und aus Mosbach ist über den zweifachen Familienvater, der noch immer in Bad Rappenau wohnt, Positives zu hören. Es könnte ihn reizen, Landrat im größeren, wirtschaftlich deutlich weiter vorne rangierenden Kreis Heilbronn zu sein. Hinderlich ist: Seine erste Amtszeit läuft einen Monat vor Czernuskas Ausscheiden ab. Seine Wahl in Heilbronn müsste unverrückbar sichergestellt sein, sodass er in Mosbach verzichten könnte. Doch wer wagte dies?

Lutz Mai, der seit mehr als sechs Jahren amtierende zweite Mann im Landratsamt Heilbronn, könnte auf das Personalkarussell aufspringen. Der 40-jährige Jurist gibt als einziger Befragter zu, intensiv darüber nachzudenken, hält er doch den Landratsposten für eine "tolle Herausforderung". Vielleicht bekommt Mai auch Konkurrenz von seinem Ludwigsburger Kollegen Dr. Christoph Schnaudigel. Dass der 41-Jährige gerne den Wechsel auf einen im Falle des Landrates mit rund 9000 Euro besoldeten Chefsessel (plus Honorierung des Kreissparkassen-Engagements) wagen würde, ist seit seiner Kandidatur um den OB-Posten in Bietigheim-Bissingen klar.

Keine Präferenzen lassen bisher die beiden größten Kreistags-Parteien erkennen. Erich Pretz (CDU) und Reinhold Gall (SPD) wissen: Jetzt werden die Telefone klingeln.