Heilbronner Firma MAN Logistics ist jetzt wieder selbstständig

Geschäftsführer Seidl kauft den Hochregallagerbauer von der Münchner Konzern-Mutter

Von Manfred Stockburger

Heilbronner Firma MAN Logistics ist jetzt wieder selbstständig

Dieses Hochregallager bei Würth in Bad Mergentheim zählt zu den Projekten, das die Heilbronner in jüngerer Zeit abgewickelt haben. (Foto: MLOG)

Sie hat Aufträge und Knowhow, sie verdiente - zumindest in den vergangenen Jahren - ganz ordentlich Geld und sie hat im Markt einen guten Namen. Und doch hat der Münchener Maschinen- und Lkw-Bauer MAN vor gut einem Jahr sogar per Pressekonferenz erklärt, dass er an seinen Heilbronner Töchtern kein Interesse mehr habe. Zwölf lange Monate war die Zukunft der Man Logistics GmbH in der Schwebe, seit gestern ist bekannt, dass die 160 Mitarbeiter unter dem neuen Namen MLOG Logistics GmbH gute Aussichten haben.

Im Gegensatz zu manch' anderer Variante, die in den vergangenen Monaten diskutiert wurde, ist der Verkauf an Seidl und seine Mitinvestoren aus der Frankfurter Privatkapital-Szene eine Gleichung mit relativ wenigen Unbekannten: Stefan Seidl gehört der Geschäftsführung des Heilbronner Unternehmens bereits seit 1997 an. Er gilt - auch beim zuständigen IG-Metall-Sekretär Jürgen Ergenzinger als jemand, auf den Verlass ist. Der Finanz- und Controlling-Spezialist Seidl wird das Unternehmen als Alleingeschäftsführer leiten.

"Mit der neu gewonnen Freiheit wollen wir verstärkt wachsen - auch über die deutschen Grenzen hinaus", sagt Seidl. An der grundlegenden Ausrichtung des Unternehmens werde sich nichts ändern. Für 2005 rechnet er mit einem Rekordumsatz von an die 50 Millionen Euro - und auch einem "ordentlichen" Ergebnis. "Die Leute sind voller Tatendrang", freut sich Seidl. "Jetzt sind wir wieder das, was wir früher waren: ein Mittelständler."

Als eifriger Jungmanager war Seidl 1987 vom Konzern nach Heilbronn geschickt worden - um festzustellen, "dass dat hier immer noch der Mehne" ist. Auf diesen Namen hatte das 1922 als Stahlbaufirma gegründete Traditionsunternehmen gehört, bis es 1989 von dem Münchner Technologiekonzern geschluckt wurde.

Während bei der MLOG die Erleichterung groß ist, blicken die Nachbarn von der bisherigen MAN-Schwester Wolffkran immer noch bange in die Zukunft - sie steht ebenfalls zum Verkauf. Aber hier ist noch kein Happy-End in Sicht.