Ein Stück Böckingen ist gegangen

Erwin Fuchs, ehemaliger Heilbronner Kulturbürgermeister, ist 92-jährig gestorben

Von Joachim Friedl

Ein Stück Böckingen ist gegangen
Erwin Fuchs im Heilbronner Stadttheater während einer Ausstellung. Direktor Jürgen Frahm deutet auf ein Foto ihres langjährigen Weggefährten, des Nachkriegs-Intendanten Walter Bison. (Foto: Heidelind Andritsch)

Von Joachim Friedl

Erwin Fuchs, überzeugter Verfechter sozialdemokratischen Gedankenguts, Kommunalpolitiker mit großem Engagement und zeitlebens Repräsentant seines Stadtteils Böckingen, ist tot. Der ehemalige Heilbronner Kultur- und Sozialbürgermeister (1964 bis 1979) starb am Dienstag im Alter von 92 Jahren nach längerer schwerer Krankheit.

Der populäre Sozialdemokrat, der mit Herz und Seele mit seinem Beruf, den er in so hohem Maße als Berufung empfunden hatte, verwachsen war, galt als unerschrockener Streiter für eine kulturell hoch stehende Stadt Heilbronn. Um zu provozieren und zum Nachdenken anzuregen, platzierte Erwin Fuchs immer wieder den Negativbegriff der „Kulturwüste Heilbronn“.

Größter persönlicher Erfolg war für den Kulturdezernenten der Stadttheater-Neubau auf dem Berliner Platz. Allerdings war es Erwin Fuchs nicht mehr vergönnt, in seiner Bürgermeister-Amtszeit die Einweihung zu erleben. Als Vorsitzender des Heilbronner Theatervereins setzte er sich jedoch später über viele Jahre für die Förderung dieses städtischen Hauses ein.

In die 15-jährige Amtszeit von Erwin Fuchs, der als fünftes von acht Kindern der Böckinger Eisenbahner-Familie Anna und Johann Fuchs geboren wurde, fielen zahlreiche Schul- und Turnhallen-Neubauten, wurden Schul-Sportflächen geschaffen, Kindergärten gebaut und mit der Frauenklinik der Krankenhausausbau auf dem Gesundbrunnen fortgeführt. Große Verdienste erwarb sich der streitbare, aber stets faire Kommunalpolitiker, dem eine nicht selten verwirrende Hartnäckigkeit zu eigen war, um die Städtepartnerschaften Béziers und Port Talbot.

Akzente setzte der gelernte Kaufmann auch in der Gewerkschaft. In unmittelbarer Nachkriegszeit war es Erwin Fuchs als Personalratsvorsitzendem bei der Stadt Heilbronn zusammen mit Fritz Sohn gelungen, die „Gewerkschaft Öffentlichen Dienste und Verkehrs“ neu zu gründen. Von 1952 bis 1964 amtierte der Hermann-Hesse-Liebhaber als Geschäftsführer der Heilbronner ÖTV-Kreisverwaltung. In dieser Zeit profilierte sich Erwin Fuchs in der SPD-Gemeinderatfraktion neben Albert Großhans als engagierter Stadtrat, ehe er vom Gemeinderat zum Beigeordneten für Kultur, Soziales und das Krankenhauswesen gewählt wurde.

In seiner Nach-Rathausära konnte Erwin Fuchs, der sich stets dem Gemeinwesen verpflichtet fühlte, vielen Mitmenschen helfen und machte sich, nicht zuletzt durch zahlreiche Publikationen, auch auf diese Weise um seine Stadt verdient.