Das letzte Konzert ohne den Dirigent

Zum Tod von Helmut Läpple - Einer der populärsten Unternehmer der Region Heilbronn

Von Gerd Kempf

Das letzte Konzert ohne den Dirigent
Das letzte Konzert ohne den Dirigent

Noch über seinen Tod hinaus hat der große alte Mann der Heilbronner Arbeitgeber den Taktstock nicht aus der Hand gegeben. Keiner aus der gestern auf dem Weinsberger Friedhof versammelten Trauergemeinde hätte sich gewundert, wenn sich der über und über mit Sonnenblumen geschmückte Sarg geöffnet und Helmut Läpple noch einmal seine Werkskapelle zu den von ihm geliebten Klängen der Alten Kameraden dirigiert hätte. Zum letzten Mal erfüllte sich sein Wunsch und Wille.

Für sein Leben gern hatte er dirigiert - nicht nur in seiner Freizeit und nicht nur Musikanten. Als Dirigent seines Unternehmens hat Helmut Läpple einen Rekord aufgestellt, der für die Ewigkeit Bestand zu haben scheint: 64 Jahre lang war er Geschäftsführer der August Läpple GmbH & Co. KG.

Er war gerade drei Jahre alt, als sein Vater August Läpple in Weinsberg eine Schlosserei und mechanische Werkstätte gründete. Und drei Tage vor seinem 24. Geburtstag wurde er 1940 zusammen mit seinem vier Jahre älteren Bruder Erich zum geschäftsführenden Gesellschafter bestellt. Als er an seinem 85. Geburtstag daran erinnert wurde, dass andere in diesem Alter schon zwei Jahrzehnte in Ruhestand sind, lachte der weltweit erfolgreich agierende Unternehmer nur in seiner unnachahmlich verschmitzten Art: Ich muss weiter schaffen, sonst habe ich nichts zum Nagen und zum Beißen.

Bodenhaftung hat er nie verloren, auch nicht, als der Firmensitz 1950 ins damals noch von Kornfeldern beherrschte Heilbronner Industriegebiet verlegt worden war und der Aufstieg zu einem in aller Welt anerkannten Werkzeuglieferanten für die internationale Automobilindustrie begann.

Aus seinem Mund klang alles fast selbstverständlich. Weil BMW und Mercedes bereits mit einem Werk in Südafrika vertreten waren, gründete Läpple 1971 in ihrer Nachbarschaft ein Werk. Heute sind dort 1400 Mitarbeiter beschäftigt. 1974 wurde die Firma Fibro mit Werken in Weinsberg und Haßmersheim vor dem Konkurs bewahrt und zu einem florierenden Unternehmen mit 800 Mitarbeitern ausgebaut. Weil Fibro in Irland ein Lager hatte, wurde dort ein Werk mit heute 250 Mitarbeitern aufgebaut. 1990 wurde die bekannte Maxhütte im bayrischen Teublitz mit 800 Mitarbeitern vor dem Untergang bewahrt. Weltweit sind 5000 Mitarbeiter für die Läpple-Unternehmensgruppe tätig.

Eisern blieb Chef Helmut an der Spitze. Erst vor einem Jahr wechselte er, der so herrlich gradraus war, ein derbes Wort wie ein deftiges Vesper liebte, vom operativen Chefsessel in den Aufsichtsrat. Bis dahin war er fast täglich in seinem Büro im Heilbronner Stammwerk, danach nur noch gelegentlich.

Helmut Läpple, der ein Leben lang für sein Unternehmen gekämpft hatte, starb letzten Freitag im Alter von 89 Jahren friedlich im Kreis seiner Familie in Weinsberg.