Bush oder Kerry und der Kampf mit der Registrierung im Internet

Beim Einzug ins Weiße Haus mischen auch die in Heilbronn lebenden US-Bürger mit

Von Maria Theresia Heitlinger

<p>Nico Weinmann ist Deutscher und US-Amerikaner zugleich. Damit darf er den nächsten Präsidenten der USA wählen. (Foto: Ulrike Kugler)</p>

Nico Weinmann ist Deutscher und US-Amerikaner zugleich. Damit darf er den nächsten Präsidenten der USA wählen. (Foto: Ulrike Kugler)

Daran ist die Wahlbeteiligung von Thomas Haley gescheitert. Über das Internet hatte der Leiter des Obersulmer Jugendhauses versucht, sich zu registrieren. Doch auf die Wahlunterlagen wartete der 30-Jährige vergebens. "Vielleicht habe ich etwas falsch ausgefüllt, ich weiß nicht, woran es letztendlich gelegen hat", so der gebürtige US-Amerikaner, der seit über 20 Jahren in Deutschland lebt.

Dass er nun nicht mitbestimmen kann, wer die nächsten vier Jahre die Vereinigten Staaten führt, ärgert den in Ellhofen lebenden Mann. "Beim letzten Mal sind die Wahlen ja schon so knapp ausgegangen und dieses Mal ist ein noch knapperer Wahlsieg vorhergesagt. Da wäre jede Stimme entscheidend gewesen." Wer sein Favorit ist, daraus macht Haley keinen Hehl: John Kerry.

Bei dem Demokraten hat auch Nico Weinmann sein Kreuz gemacht. Der Heilbronner Rechtsanwalt, der die deutsche und die us-amerikanische Staatsbürgerschaft besitzt, hat das gleiche Problem wie Arnold Schwarzenegger. Da nicht in den USA geboren, darf er nicht für das Amt des Präsidenten kandidieren. Wählen aber darf er ihn. Über manche Eigenheiten des Wahlsystems der Staaten wundert sich der 31-Jährige. So werden die Präsidentschaftskandidaten der beiden großen Parteien in Vorwahlen ermittelt - ein System, das vom Ende des 19. Jahrhunderts stammt und den Einfluss der Partei bei der Nominierung reduzieren sollte. Wer sich aber für die Vorwahlen registrieren ließ, wurde bereits der Anforderung der Wahlunterlagen gefragt, wen er denn gedenke zu wählen.

Die Wahl zum Präsidenten erfolgt nicht direkt. Die Bürger bestimmen durch ihr Votum so genannte Wahlmänner der Partei. Diese bilden mit dem Electoral College das Gremium, das schließlich den Präsidenten wählt. Dabei gilt das Prinzip "alles oder nichts": Die Wahlmänner, die in ihrem Wahlkreis die meisten Stimmen erhalten, ziehen in das Electoral College ein. Die anderen Parteien gehen - auch wenn der Rückstand noch so knapp sein sollte - leer aus. Die traditionell geringe Wahlbeteiligung in den Staaten, die Schätzungen zufolge bei den im Ausland lebenden Amerikanern noch geringer ausfällt, bedauert der Heilbronner Kommunalpolitiker: "Da stellt sich die Frage nach der Legitimation."

Die stellt sich für Derrick Mitchell schon bei den nominierten Kandidaten. Für den ehemaligen US-Soldaten, der 1991 nach Deutschland kam und jetzt seinen Lebensunterhalt als Musiker verdient, gleicht die Wahl zwischen Bush und Kerry der zwischen Pest und Cholera. "Bush hat dem Land so großen Schaden zugefügt, den Kerry nicht wieder gut machen kann", lautet die Einschätzung des in Heilbronn lebenden Familienvaters. Seine Stimme hat er deshalb nicht abgegeben. Dass das Ansehen der USA durch Bushs Irak-Politik massiv verloren hat, bedauert der gebürtige New Yorker. Patriot ist er trotz Wahlabstinenz: "Amerika ist ein wunderbares Land. Nur wird das durch die Politik komplett verdeckt."