„Regionale Planer bleiben außen vor“

Bund Deutscher Architekten und Architektenkammer üben Kritik an Rathäusern, Investoren, EU-Recht

Von Kilian Krauth

„Regionale Planer bleiben außen vor“
Am Klosterhof ist ein heimischer Architekt zum beschränkten Wettbewerb geladen. Dies sollte zur Regel werden, fordern Branchensprecher. (Foto: Dirks)

 

Im Süden Heilbronns entsteht ein katholisches Bildungszentrum, am Bahnhof ein Haus der Kirche. Auf dem Landerer-Areal wird im Juni der Spaten für die ECE-Stadtgalerie angesetzt. Zeag plant ein neues Verwaltungsgebäude. Doch heimische Planer bleiben außen vor. Die Reihe ließe sich fortsetzen.

Immerhin: Vier Büros zerbrechen sich derzeit den Kopf über das Klosterhof-Kaufhaus. Dass zumindest hier mit Mattes ein Heilbronner im Boot sitzt, habe man laut Matthias Müller vom Bund Deutscher Architekten (BDA) „nur durchs Hintertürchen durchgedrückt“.

Pünktlich zum Antritt des neuen Baudezernenten - Winfried Hajek wird am 3. Juli die Amtsgeschäfte aufnehmen - nimmt Müller das Heilbronner Rathaus in die Pflicht. So sei seine Zunft für kostenlose Entwürfe, Workshops, Führungen, oder etwa als Ideengeber bei der jüngsten Museums-Ausstellung stets „gut genug gewesen“. „Wenn es aber um die Umsetzung ging, waren wir nicht mehr gefragt.“

Am Landerer-Areal wie auch im Klosterhof hätte die Stadt schon bei der Beauftragung des Projektentwicklers stärker auf Regionalität und Qualität pochen können, meint Müller. Ähnlich sieht es Gerd Krummlauf von der Architektenkammer. Er fürchtet austauschbare, vom Preisdiktat geplante Kaufhäuser, die überall stehen könnten. Dass heute eher Investoren als Architekten planen, erlebte Krummlauf am Neckarturm: Dort durfte sein Büro zwar die planrechtliche Grundlage und den Entwurf erarbeiten. Die modifizierte Ausführung übertrug die Firma Hochtief aber ihrem „Hausarchitekten“.

Zumindest in dieser Hinsicht könnte man Heilbronn mit Berlin vergleichen, wo durch global agierende Konzerne und Stararchitekten die Historie des Ortes ignoriert werde - „und die Berliner Architekten ihr Geld als Stadtführer verdienen müssten“, provoziert Müller.

Dass es auch anders geht, zeige das Beispiel Vorarlberg. Das Land habe sich durch das Engagement heimischer Planer zur ersten Adresse für regionaltypische Baukultur gemausert. Oder etwa Basel: Das Büro Herzog de Meuron stieg über öffentliche Aufträge für Trafo-Häuschen in die Champions League auf, siehe: Münchner Allianz-Arena und Stuttgarter Mercedes-Museum.

Unter den 280 Heilbronner Architekten gebe es etliche junge, ambitionierte, „denen man eine Chance geben muss“, betonen die beiden Standesvertreter. Früher habe es dafür eine „fruchtbare Wettbewerbskultur“ gegeben. Inzwischen müssten größere Vorhaben aber europaweit ausgeschrieben werden. Kleine Gemeinden scheuen den Aufwand, so habe sich eine „gewisse Grauzone“ etabliert, über die vor allem Platzhirsche zum Zuge kämen.

Aber auch im Wettbewerbsrecht gebe es legale Hintertürchen: etwa über Gutachterverfahren, beschränkte Ausschreibungen oder Töpfe für junge und heimische Planer. BDA-Chef Müller: „Nur bei uns wird dies nicht ausgeschöpft.“