Ein Leben zwischen den Zeilen: Weinpoet ist 75

Der Weingärtner, Dichter und Geschichtsschreiber Hermann Able aus Heilbronn feiert an Rosenmontag Geburtstag

Von Kilian Krauth

<p>Weinpoet Hermann Able bei einem seiner Kollegs in der Wein-Villa.</p>

Weinpoet Hermann Able bei einem seiner Kollegs in der Wein-Villa.

Er ist in Weinkreisen einer der am meisten zitierten lebenden Dichter deutscher Zunge. Kaum eine Weinprobe zwischen Ahr und Bodensee, in die keiner seiner Reime einfließt. Kaum eine Weinkönigin, die seine klassischen Jahrgangs-Gedichte nicht zitiert. Kaum ein Weinfreund, der nicht mindestens eines seiner fünf Bücher im Regal stehen hat. Die Rede ist von Hermann Able, der am heutigen Rosenmontag seinen 75. Geburtstag feiert.Weit über die Grenzen seiner Heimatstadt Heilbronn hinaus bekannt gemacht haben den so bescheiden wirkenden Herrn aus der Ludwig-Pfau-Straße literarische Weinkollegs. Lange bevor es in kulturbeflissenen Kreisen modern wurde, Wein und die schönen Künste in Verbindung zu bringen, hat Hermann Able diese Kollegs zu seinem Markenzeichen gemacht: in der Besenwirtschaft, im privaten Kreis und zuletzt auch im angemessenen Ambiente der Wein-Villa. Abgerundet hat diese vinophilen Abende oft Moderatorin Helga Drauz-Oertel; die einstige Nachbarstochter avancierte bald zur Deutschen Weinkönigin, Stadträtin und Gutsbesitzerin.Neben eigenen Gedichten lässt Able in seinen Kollegs auch andere Dichter zu Wort kommen. Dabei griff er unterhaltsam und informativ nach intensivem Quellenstudium zwei Dutzend Themen auf. Roter Faden ist stets der Wein. Die Gegenstände sprechen für sich: Liebe, Frauen, Medizin, Essen und Trinken, Geheimrat Goethe, schwäbische Dichter, Wilhelm Busch, schwäbischer Humor, Bacchus hinter Klostermauern, Zeichen der Sterne, große Deutsche, Brot, Musik und natürlich Heilbronner Weingeschichten.Fast überflüssig zu betonen, dass Able aus einer alten Weingärtnerfamilie stammt, die laut der Heuss'schen Doktorarbeit seit 1456 in Heilbronn ansässig ist. "Meine Liebe zur Poesie erwachte sehr früh", berichtet Able, dessen Jahrgangs-Gedichte in der Wein-Stimme Klassiker sind. Als Zehnjähriger trug er sein erstes Gedicht auf die Redaktion des Heilbronner Tagblatt, prompt wurde es auf der Kinderseite abgedruckt. Das motivierte. Doch im und nach dem Krieg war kaum Zeit, zur Feder zu greifen. Aufbau- und Wengertarbeit waren angesagt. 1956 gründete Able mit Ehefrau Margret eine eigene, bald sechsköpfige Familie. Erst als der älteste Sohn Martin in den Betrieb einstieg, hatte der Senior mehr Zeit und Muse zum Schreiben.Lorbeeren blieben nicht aus: Manfred Weinmann hat Able mit der Goldenen Münze der Stadt Heilbronn gewürdigt. Und just zu seinem "offiziell" letzten öffentlichen Weinkolleg im Herbst 2004 hat ihn Weinbaupräsident Hermann Hohl mit dem Ehrenpokal des Weinbauverbandes Württemberg ausgezeichnet.

Weinpoet Hermann Able bei einem seiner Kollegs in der Wein-Villa.