„Wir wissen, woran wir arbeiten müssen”

SLK-Kliniken Susanne Schlichtner erklärt, wie sie den Heilbronner Gesundbrunnen aus den roten Zahlen geführt hat

Von Manfred Stockburger

Gesundbrunnen, Frauenklinik, Familienzimmer
Der Besprechungstisch im Büro der SLK-Chefin hat ein paar kleine Macken. Obwohl sie gelegentlich auf Konfrontationskurs mit ihren Mitarbeitern geht, sind diese Unebenheiten keine Spuren des Umbaus der Heilbronner Krankenhaus-Gesellschaft. Schon so mancher Gesprächspartner wollte sich schon irritiert entschuldigen, erzählt Susanne Schlichtner. Aber die Kratzer waren schon drin, als das gebrauchte Möbelstück in ihr Büro am Heilbronner Gesundbrunnen gezogen ist.

Qualität In der Struktur der SLK-Kliniken hat die Arbeit der promovierten Juristin und Buchautorin („Mein Recht als Patient”) gleichwohl eine Menge Spuren hinterlassen. „Ein Krankenhaus ist im Grunde ein Unternehmen wie jedes andere auch”, sagt die 49-Jährige. „Sie müssen das Produkt Gesundheit in hoher Qualität so günstig wie möglich bringen.” Genau so, wie Audi permanent an den Betriebsabläufen arbeiten müsse, sei das auch in einem Krankenhaus notwendig. „Nur geht es bei uns eben nicht um Güter, sondern um Menschen.” Deswegen ist ihr wichtig, dass sie externe Qualitäts-Audits eingeführt hat. Und ein internes Qualitätsmanagement. „Früher hatte der Arzt seine Halbgöttlichkeit, jetzt gibt es eine hohe Transparenz”, sagt sie. „Wir wissen, was gottgegeben ist. Aber wir wissen auch, woran wir arbeiten müssen.” Dass sie mit solchen Aktionen den Ruf der „Verwaltungshengste” nicht unbedingt mehrte, ist ihr durchaus bewusst.

Sicherlich hat die Qualität der Arbeit auch Auswirkungen auf die Krankenhausfinanzen: „Wird ein Patient nach nur kurzer Zeit erneut mit demselben Problem eingeliefert, dann müssen wir die Kosten für die Behandlung tragen”, sagt Schlichtner. Wie sie die finanzielle Situation des Klinikums am Gesundbrunnen in den vergangenen zwei Jahren grundlegend verbessert hat, erläutert sie an zwei Beispielen.

Weniger  Stationen Mehrere Millionen Euro ­ genaueres sagt sie nicht ­ habe die Neustrukturierung der Stationen gebracht. Statt 22 Stationen gibt es jetzt noch elf, in der Kinderklinik sind aus drei zwei geworden. Nicht in erster Linie dadurch, dass damit die Zahl der Stationsschwestern und der Stellvertreterinnen halbiert worden sei, kommen die Einsparungen zustande, erklärt Pflegedirektorin Irmgard Glockenstein. „Die Funktion der Stationsschwester hat sich völlig verändert”, erklärt die Fachfrau. Die Umstrukturierung sei „ohne Gesichtsverlust” möglich gewesen, weil die Leitungsstellen neu ausgeschrieben wurden, so Schlichtner. „Die Stationsschwester muss sich um ganz neue Themen wie das Entlassmanagement kümmern.” Die neuen Stationen sind nämlich so ausgelegt, dass am Wochenende mit weniger Patienten deutlich weniger Personal benötigt wird als bisher. „Das spart Zuschläge.”

Fünf-Tages-Betrieb Möglich ist das, weil ganze Korridore als Fünf-Tages-Betrieb geführt werden. Sprich: Die Patienten werden so einbestellt, dass sie möglichst freitags nach Hause geschickt werden können. 2004 seien zunächst einige Stationen zur Probe umgestellt worden ­ um zu sehen, ob es funktioniert. Der Betriebsrat, betont Susanne Schlichtner indes, sei immer eingebunden gewesen. Als zweites Beispiel führen Schlichtner und Glockenstein den OP-Bereich an, der durch das Wachstum der Klinik nicht mehr optimal aufgestellt gewesen sei. „Der Gesundbrunnen ist für 400 Betten gebaut worden. Da ist immer noch ein Stück dazugekommen”. Schlichtners Ziel ist ein ganz neuer Zentral-OP mit angegliederter Intensivstation und Aufwachraum. Damit könnte wirtschaftlicher operiert werden als bisher.

Aber auch das OP-Management, das die Managerin durchgesetzt hat, spare jedes Jahr eine halbe Millionen Euro ein. Die Säle sind jetzt nicht mehr den Fachabteilungen zugeordnet, sondern werden zentral belegt. Die Arbeitskraft könne jetzt viel konzentrierter eingesetzt werden. Weniger Leerlauf bedeutet, dass Zeit für mehr Operationen ist. Einen Saal hat die Klinik dadurch freibekommen, der jetzt von freien Ärzten genützt wird, die früher an einer Heilbronner Privatklinik operierten. Jetzt bringen sie Geld in die Kasse der SLK.

HINTERGRUND

Streit um Standorte
Gibt es im Unterland einen Klinikstandort zu viel? Kaum ein Thema wird derzeit heftiger diskutiert, seit SLK-Geschäftsführerin Susanne Schlichtner im Aufsichtsrat der kommunalen Kliniken-GmbH offenbar für die Schließung eines Standorts plädiert haben soll. Am heutigen Montag tagt der Aufsichtsrat der SLK-Kliniken in Heilbronn.

Effizienz in der Klinik
Schon bevor die Standortdiskussion begann, war es im Zusammenhang mit der Vorlage des Geschäftsberichts für 2005 im Heilbronner Gemeinderat zu einem Gespräch mit der promovierten Juristin Schlichtner gekommen, in dem sie auf Nachfrage ihren Ansatz vorstellte, die Kliniken effizienter zu machen. mfd