Wengerter sagen Ja zur WG-Ehe

Mit dem überraschend deutlichen Votum von 98,5 Prozent haben die Mitglieder der Weingärtnergenossenschaft Neckarsulm-Gundelsheim jetzt der Verschmelzung mit der Genossenschaftskellerei Heilbronn-Erlenbach-Weinsberg zugestimmt.

Von Kilian Krauth

Wengerter sagen Ja zur WG-Ehe
Werbeträger „Bienzle“ kann weiter Neckarsulmer Wein bestellen, beteuern Martin Haag (links) und Eberhard Scheuerle. Was wird aus der Verkaufsstelle?Foto: Archiv/Veigel

Heilbronn/Neckarsulm - Mit dem überraschend deutlichen Votum von 98,5 Prozent haben die Mitglieder der Weingärtnergenossenschaft Neckarsulm-Gundelsheim jetzt der Verschmelzung mit der Genossenschaftskellerei Heilbronn-Erlenbach-Weinsberg zugestimmt. Am späteren Mittwochabend sollte die WG-Ehe noch von Heilbronner Seite endgültig abgesegnet werden. Geschäftsführer Karl Seiter und Vorstandschef Martin Haag gingen vor der Generalversammlung an der Binswanger Straße fest davon aus, dass die dafür notwendige 75-Prozent-Quote erreicht wird. Mit einer offensiven Informationspolitik hatte die Führungsspitze den Weg zum „Traualtar“ geebnet. Neckarsulm wurde zuletzt von Eberhard Scheuerle und Richard Pecoroni geführt.

Die kleineren Nachbarn waren wegen des hohen Kostendrucks auf Heilbronn zugegangen. 20 Fusionsgegner - die nur fünf Hektar Rebfläche bewirtschaften - haben inzwischen ihren Austritt erklärt.

Verkaufsstelle Mit den zusätzlich 35 Hektar (ha) deckt die Heilbronner Kellerei künftig 740 ha ab. Damit ist sie in den letzten zehn Jahren um 140 ha gewachsen, zuletzt kamen 2006 rund 15 ha hinzu. Die Zunahme resultiere vor allem aus der Flächenausweitung eigener Vollerwerbs-Mitglieder, sagt Seiter. Die Kapazitätsgrenze sei bei 850 ha erreicht. Weitere Genossenschaften will die größte Württemberger WG aber nicht aufnehmen.

Heilbronn wird die 40 Neckarsulmer Produkte „der Nachfrage entsprechend“ fortführen, das markante Zweiradfahrer-Logo ist seit dieser Woche patentrechtlich geschützt. Die Verkaufsstelle neben dem Zweiradmuseum bleibt aber wohl nur bis Ende 2009 bestehen. Den eigentlich bis 2031 laufenden Mietvertrag für die historische Kelter will die Stadt Neckarsulm kündigen und nimmt damit - so sieht es die WG-Spitze - freiwillig den „Schwarzen Peter“ an sich.

Pflanzpolitik In der Pflanzpolitik warnt Haag, den Anteil an weißen Reben - in Heilbronner liegt er mit 35 Prozent leicht über dem Württemberger-Schnitt - weiter zu senken. Im Jahrgang 2006 sei Riesling vielerorts schon zur Mangelware geworden. Haag und Seiter kritisierten auch die Heilbronn Marketing GmbH und OB Helmut Himmelsbach, weil sie „immer von Deutschlands Rotweinregion Nr.1 sprechen“

Gutes Konsumklima Im Geschäftsjahr 2006 hat die Kellerei mit 5,64 Millionen Litern zwei Prozent weniger Wein verkauft als 2005, entsprechend sank der Umsatz auf 19,2 Millionen Euro. Nachdem man 2005 auch durch den Verkauf von Sektgrundwein mengenmäßig um 10,5 Prozent zugelegt hatte, sind Seiter und Haag mit dem zweitbesten Ergebnis seit 1972 zufrieden.

Das Konsumklima sei gut, sagte Seiter, deutscher Wein habe seit 2002 sechs Prozent Marktanteil zurückerobert und liege nun bei 38 Prozent. Der durchschnittliche Nettoerlös für einen Liter wuchs um vier Cent auf 2,36 Euro. Beim Württemberger liegt das Niveau weit darüber, so wuchs auch Heilbronner Wein auf 2,71 Euro.

Nachdem man an der Binswanger Straße 2006 zwei Traubenabbeermaschinen für 375 000 Euro angeschafft hat, sollen jetzt 800 000 Euro in eine neue Abfüllanlage fließen. Das Spülen von jährlich drei Millionen Mehrweg-Literflaschen wird der WZG-Tochter WSG in Möglingen übertragen.