Wegen 1900 Euro musste das 81-jährige Opfer sterben (12.01.2007)

Im Mordfall Duttiné sucht die Polizei noch immer nach der Tatwaffe und bittet die Bevölkerung um Hinweise. Dass ausgerechnet Spätaussiedler in den Mord an Susanne Duttiné verwickelt sein sollen, verursacht in Bad Rappenau unterschiedliche Reaktionen.

Von Carsten Friese und Adrian Hoffmann

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Erstochen: Opfer Susanne Duttiné.

Der mutmaßliche Täter, der die 81-jährige Susanne Duttiné am zweiten Weihnachtsfeiertag in ihrer Wohnung in Bad Rappenau getötet hat, nahm 1900 Euro Beute mit. Wegen einer solchen Summe musste die Geschäftsfrau offenbar sterben, die in Bad Rappenau und andernorts eine Reihe von Immobilien besaß.

Einzelheiten zur Tat und zu den festgenommen Tatverdächtigen haben Polizei und Staatsanwaltschaft gestern bekannt gegeben. Demnach hat der 21-jährige Hauptverdächtige die Bluttat allein begangen. Mit einem Vorwand war der arbeitslose Russlanddeutsche, der in einer Wohnung der Getöteten zur Miete lebte, zu seiner Vermieterin gegangen. Etwas in seiner Wohnung sei defekt, soll der 21-Jährige gesagt haben. Susanne Duttiné kannte den jungen Mann. Sie ließ ihn ein. Was dann genau geschah, darüber hält sich die Polizei noch bedeckt.

Die Arbeit der Sonderkommission Wasserschloss im Bad Rappenauer Rathaus war erfolgreich. Als aufgeklärt sieht die Polizei den Mordfall an.

Fotos: Adrian Hoffmann

So viel scheint klar: Nicht durch Schüsse mit einer Waffe, wie anfangs angenommen, ist die 81-Jährige gestorben. Mit einem großen Schraubenzieher hat der Täter offenbar auf sein Opfer eingestochen und tödliche Verletzungen im Halsbereich verursacht. Danach nahm er aus einem unverschlossenen Tresor eine Geldkassette mit rund 1900 Euro und floh.

„Die Verletzungen sahen einer Schussverletzung täuschend ähnlich“, sagte Polizeisprecher Rainer Köller auf HSt-Nachfrage. Als die Ermittler am Tatort weder Projektile noch Hülsen fanden, seien Zweifel aufgekommen. Zwei Mal wurde die Leiche der Getöteten obduziert, die zwei Tage nach der Tat von einem Angestellten gefunden worden war. Ein Schusswaffenexperte des Landeskriminalamts half bei der Arbeit.

 Tatwaffe gesucht

Exakt diese Fehleinschätzung über die Tatwaffe hat die Polizei auf die Spur der Festgenommenen geführt. Ein 19-jähriger Freund des Hauptverdächtigen, ebenfalls Spätaussiedler, ebenfalls arbeitslos, aber nicht wie gestern gemeldet der Bruder des 21-Jährigen, hatte einen Teil der Beute für seinen Kumpel aufbewahrt. In einer Kneipe soll er lautstark über die Tat erzählt haben. Das Opfer sei „nicht erschossen worden“, korrigierte er Medienberichte. Ein Zeuge informierte die Polizei. Kurz darauf nahm ein Spezialkommando den 19-Jährigen und einen Tag später seinen 21-jährigen Freund fest. Der Hauptverdächtige hat die Tat nach Polizeiangaben gestanden. Wo er den Schraubenzieher weggeworfen hat, soll er bereits mitgeteilt haben. Bis gestern Nachmittag war die Tatwaffe noch nicht gefunden.

Die Wasserschutzpolizei Heilbronn suchte erfolglos mit Detektoren nach der Tatwaffe im eiskalten Wasser des Mühlbaches.
Haftbefehl wegen Mordes hat der Haftrichter gegen den mutmaßlichen Täter erlassen. Gegen seinen jüngeren Freund wird wegen Begünstigung und Geldwäsche ermittelt. Beide haben keinen Beruf erlernt. Körperverletzung, Diebstahl und Drogendelikte stehen als Vorstrafen in ihren Akten.

Erleichterung

Dass ausgerechnet Spätaussiedler in dem Mordfall festgenommen worden sind, verursacht in Bad Rappenau unterschiedliche Reaktionen. Viele sagen, sie hätten das erwartet. Da sind sich zum Beispiel die Gäste in der Imbissbude, die ein paar Meter von Susanne Duttinés Wohnung entfernt liegt, alle einig. Und endlich seien die mutmaßlichen Täter gefasst, sagt die Wirtin. Man habe sich ja nicht mehr auf die Straße getraut.

Eine Spätaussiedlerin, deren Mutter seit Jahren im Hochhaus nebenan wohnt, bedauert, dass damit das Klischee über Russlanddeutsche bestätigt werde. „Ich kann das einfach nicht glauben“, sagt sie.

Neben dieser Schutzhütte bei der Kläranlage im Fünfmühlental wurden Gegenstände verbrannt, die mit dem Raubmord in Bad Rappenau am 2. Weihnachtsfeiertag in Verbindung gebracht werden.
Soko Wasserschloss sucht Zeugen

Auch nach der Festnahme der dringend Tatverdächtigen gehen die Ermittlungen der "Soko Wasserschloss" weiter.
Immer noch fehlt die Tatwaffe, die der 21-Jährige am Mühlbach weggeworfen haben will. Eine Suchaktion der Wasserschutzpolizei im Bereich der Kläranlage mit einem Metalldetektor blieb erfolglos. Soko-Leiter Frank Huber erklärt: "Wir schließen nicht aus, dass ein Spaziergänger den Schraubendreher gefunden und mitgenommen hat." Hierzu bittet die Polizei die Bevölkerung um Hinweise. Außerdem haben Staatsanwaltschaft und Polizei folgende Fragen:

  • Wer hat in der Zeit zwischen dem 26. Dezember und Silvester 2006 im Fünfmühlental im Bereich der Schutzhütte bei der Kläranlage Personen gesehen, die etwas verbrannten? Aufgrund der bisherigen Ermittlungen wird davon ausgegangen, dass dort tatrelevante Gegenstände verbrannt wurden.
  • Wem ist in dieser Zeit in dem oben genannten Bereich ein Radfahrer aufgefallen, der an der Brücke bei der Kläranlage etwas in oder neben den Mühlbach geworfen hat?
  • Wer ist der auffallend große Mann mit dem Blumenstrauß, der am zweiten Weihnachtsfeiertag kurz vor Mittag an der Türe zum Anwesen der Ermordeten geklingelt hatte? Der Unbekannte wird gebeten, sich als Zeuge zur Verfügung zu stellen.

Hinweise bitte an die Kripo Heilbronn, Telefon 07131/104-2077.