WG-Hochzeit wohl schon im Juni

Weingärtnergenossenschaften wollen früher als geplant fusionieren

Von Kilian Krauth

WG-Hochzeit wohl schon im Juni
Heilbronns Vorstandschef Martin Haag (links) und sein Neckarsulmer Kollege Eberhard Scheuerle freuen sich schon auf die Hochzeit. Werbeträger und Ex-Tatort-Kommissar Dietz-Werner Steck kann weiter Neckarsulmer bestellen.

Foto: Andreas Veigel

Beide Seiten machen keinen Hehl daraus, dass sich die ungleichen Nachbarn nicht immer grün waren. „Die Unterschiede reichten bis zu unterschiedlichen Gesangbüchern“, gibt ein Vorstand vorsichtig zu verstehen. So nimmt es nicht Wunder, dass nach der ersten Tuchfühlung zehn Jahre ins Land ziehen mussten, ehe sich die potente Genossenschaftskellerei Heilbronn-Erlenbach-Weinsberg (705 Hektar) und die schwächelnde Weingärtnergenossenschaft Neckarsulm-Gundelsheim (40 Hektar) so nahe kamen, dass einer Verlobung nichts mehr im Wege stand. Nun kann es den beiden gar nicht schnell genug gehen.

80 von 100 dafür Im September stimmten 80 Prozent der Neckarsulmer Mitglieder für einen Kooperationsvertrag, der die Verschmelzung innerhalb von drei Jahren anstrebte. Inzwischen will man die Fusion schon auf den Generalversammlungen im Juni 2007 perfekt machen. Darüber wurden am Montagabend die Heilbronner Mitglieder informiert. Auf Neckarsulmer Seite hatte sich die vorgezogene Hochzeit bei der Mitgliederversammlung im Januar abgezeichnet. 20 Fusionsgegner - hinter denen aber nur fünf von 40 Hektar Rebfläche stehen - signalisierten dabei, auszutreten.

Der überraschende Vorstoß der Stadt Neckarsulm, die das Ganze nochmal gutachterlich prüfen wollte, habe mit dem beschleunigten Verfahren nichts zu tun, beteuert Eberhard Scheuerle (48). Der ehemalige Aufsichtsratschef gilt als Fusionsmotor und fungiert inzwischen mit Richard Pecoroni (40) als Vorstand. „Nach einigen Turbulenzen“, so Heilbronns Vorstandschef Martin Haag und Geschäftsführer Karl Seiter, wolle man schnell „einen geordneten Geschäftsbetrieb garantieren und möglichst wenig Kosten produzieren“.

Ein gewaltiger Kostendruck, der die Auszahlungsgelder an die Mitglieder auf die Hälfte des sonst Üblichen schmelzen ließ und damit manchen hauptberuflichen Wengerter fast an den Rand des Ruins trieb, „zwang uns, einen Schnitt zu machen“, erklärt Scheuerle. „Wer Tradition bewahren will, muss mitunter neue Wege gehen“, sagt auch Richard Pecoroni mit Blick auf das Gründungsdatum 1855.

Radler-Logo bleibt Die Weine von Deutschlands ältester WG werden mit der Fusion nicht untergehen. Zwar wird bereits der Jahrgang 2006 komplett in Heilbronn ausgebaut, vermarktet werden die 350 000 Liter vom Neckarsulmer Scheuerberg und vom Gundelsheimer Himmelreich aber unter den bekannten Etiketten. Das Logo bleibt ebenso bestehen wie die Verkaufsstelle in der historischen Kelter an der Urbanstraße. Der Erbpachtvertrag mit der Stadt läuft bis 2031. Was mit den freien Räumen wird, ist noch offen.

Am 24. und 25. März findet die traditionelle Kundenweinprobe statt, auch andere Veranstaltungen bleiben bestehen. Und das Personal? Geschäftsführerin Rita Ostholt bleibt bis 31. März, Kellermeister Siegfried Müller führt das familieneigene Weingut in Nordheim weiter, sein Kollege Marco Krapf hat sich für eine Weiterbildung entschlossen, eine Teilzeitkraft hört auf. Drei andere Angestellte werden in Heilbronn weiterarbeiten.