Vielfältiger Stadtteil

Heilbronn  Heilbronn - Ein Stadtteil der Vielfalt soll der Heilbronner Neckarbogen werden. Ein "buntes Quartier" nennt es Stadtplaner Dr. Christoph Böhmer, in jeder Hinsicht: Architektur und Wohnformen, Leben und Arbeiten, Herkunft und sozialer Status.

Von unserer Redakteurin Iris Baars-Werner

Email

Vielfältiger Stadtteil
In Berlin-Friedrichshagen hat das Architekturbüro Kaden-Klingbeil diese Häuser für Baugruppen geplant − Individualität ist dabei Programm.Foto: Bernd Borchardt

Heilbronn - Ein Stadtteil der Vielfalt soll der Heilbronner Neckarbogen werden. Ein "buntes Quartier" nennt es Stadtplaner Dr. Christoph Böhmer, in jeder Hinsicht: Architektur und Wohnformen, Leben und Arbeiten, Herkunft und sozialer Status. Bauen ohne einen renditeorientierten Investor oder Projektentwickler wünschen sich nicht wenige der Heilbronner, die im Neckarbogen wohnen möchten. Private Baugruppen ist ihr Zauberwort.

Bürgerwerkstatt

Tom Kaden ist Fachmann in Sachen Baugruppen: Der Berliner Architekt plant und baut nicht nur für private Bauherrengemeinschaften, sein Büro Kaden Klingbeil logiert in einem dieser Gebäude, bei denen in den Erdgeschossen zumeist eine gewerbliche oder öffentliche Nutzung untergebracht ist. Und er wohnt selbst in einem Baugruppenhaus. In Heilbronn ist Tom Kaden einer der Experten, die die Verwaltung beraten auf dem Weg zum neuen Stadtquartier. Diese Woche stand Kaden den Bürgern am Runden Tisch der Bürgerwerkstatt Rede und Antwort.

Dass die Häuser der Baugruppen elegant und modern aussehen und "gar nicht müslimäßig" wie man vielleicht erwarten könnte, darauf hatte Christoph Böhmer schon hingewiesen. Tom Kaden zeigte dazu die passenden Beispiele aus Berlin, Hamburg oder Flensburg, zumeist in Holzbauweise erstellt. Das Material hat seinen Sinn nicht nur als nachwachsender Rohstoff, Holz ist das Material, das die Bauzeit verkürzt − im Interesse der Bauherren und ihrer Geldbeutel.

"Unsere Erfahrung ist, wir können mit Baugruppen innovativere Projekte verwirklichen", berichtet Kaden. Mit Investoren sähen die Häuser anders aus: weniger individuell, weniger ausgeprägt in der Architekturhandschrift. Das liegt, Kaden gibt es zu, sicher mit daran, dass bei den Bauherren oft "A-Gruppen" vertreten seien: "Ärzte, Architekten, Akademiker". Doch inzwischen hat sein Büro auch Erfahrungen mit anderen Mischungen und Mietern: alleinstehende Krankenschwestern, Busfahrer, Kitas im Erdgeschoss. Und eine weitere Beschreibung Kadens klingt so: "Unser Klientel hat eher das Zweitrad als das Zweitauto." Entsprechend selten muss er sich Gedanken über Autoabstellplätze machen, obwohl es inzwischen auch Baugruppen gibt, die eine Tiefgarage planen (so wie das Projekt im Foto unten).

Bauen und Planen in Modulen gehört zu Kadens Prinzip, denn trotz großer Individualität und Identifikation "heißt Baugruppe nicht, jeder darf alles, die Demokratie in der Gestaltung hat ihre Grenzen" − in der Statik und bei den Versorgungsschächten beispielsweise. Bis zu 25 Prozent billiger seien die Wohnungen, die Haftung beim Ausstieg eines Gruppenteils sei das Risiko. Sichere Verträge, Banken, die den Weg mitgehen, sind ein Erfolgsgarant. Und Architekten, "die die Zügel straff in der Hand halten".


Kommentar hinzufügen