Verletzter Polizist liegt jetzt in der Reha-Klinik

Die Gewerkschaften halten ihre Bedenken gegen Zivil-Einsätze aufrecht

Von Helmut Buchholz

Verletzter Polizist liegt jetzt in der Reha-Klinik
Großeinsatz nach dem Polizistenmord: Der Bund deutscher Kriminalbeamten nimmt die Heilbronner Kollegen vor Gewerkschaftskritik in Schutz.Foto: Dittmar Dirks

Polizistenmord - Der durch einen Kopfschuss schwer verletzte Polizist ist aus dem Ludwigsburger Klinikum mit einem Hubschrauber in eine Reha-Klinik verlegt worden. Das bestätigt die Krankenhausleitung unserer Zeitung. Wohin genau, das geben weder der Kliniksprecher noch der Heilbronner Polizesprecher Peter Lechner bekannt. Aus Rücksicht und auf ausdrückliche Bitte der Angehörigen des 24-Jährigen, dessen Kollegin Michéle Kiesewetter (22) bei dem Anschlag ebenfalls durch einen Kopfschuss vor vier Wochen auf der Heilbronner Theresienwiese getötet wurde.

Besserung Der verletzte Bereitschaftspolizist ist nach Information unserer Zeitung auf dem Weg der Besserung. Zwar könne er immer noch nicht sprechen, sei jetzt aber nicht mehr auf die Betreuung einer Intensivstation angewiesen. „Die Patienten wachen in dieser Phase aus dem Koma auf und wenden den Kopf, wenn man sie anspricht“, erklärt der Chefarzt der Anästhesie an der Klinik am Plattenwald, Dr. Henry Weigt. Die Ärzte versuchen möglichst früh mit der Reha zu beginnen, um damit Gehirnteile zu trainieren, die noch intakt sind, damit diese Bereiche übernehmen, die möglicherweise durch einen Kopfschuss zerstört wurden. Der 24-Jährige ist der einziger Zeuge des Verbrechens, das die Fahnder als „kaltblütige Hinrichtung“ bezeichnen. Sie verlassen sich jedoch nicht darauf, dass er etwas zur Aufklärung beitragen kann, selbst wenn er ansprechbar wäre. Denn beide Bereitschaftspolizisten waren bei den Schüssen völlig arglos.

Unterdessen halten die Deutsche Polizeigewerkschaft und die Gewerkschaft der Polizei im Prinzip an ihrer Kritik fest. Auch nachdem Landespolizeipräsident Erwin Hetger sich bei einer Pressekonferenz vor die Kollegen in Heilbronn gestellt hatte und die zivilen Einsätze von Michéle Kiesewetter in der Drogenszene rechtfertigte. „Wir wollen genau wissen, was wirklich abgelaufen ist“, sagt Wolfgang Speck, Bundesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft. Er sei immer noch der Meinung, dass „man hier wenig empfindsam war“, da die Bereitschaftspolizistin in Zivil zweimal Heroin von einem Dealerpärchen abkaufte und dennoch wieder in der Drogenszene in Uniform auf Streife geschickt wurde. Speck: „Wir wollen nachvollziehen, nach welchen Kriterien dies geschehen ist.“ Auch Specks Kollege von der Gewerkschaft der Polizei, Baden-Württembergs Landesvorsitzender Josef Schneider, glaubt nicht daran, dass mit Hetgers Erklärung „die Sache fertig ist“.

Unterstützung erhält die Heilbronner Polizei vom Bund Deutscher Kriminalbeamter. Dessen Landesvorsitzender Manfred Klumpp ist sich sicher, dass Michéle Kiesewetter keinem erhöhten Risiko ausgesetzt war.