Taxifahren wird deutlich teurer

Region  In Heilbronn könnten die Preise für Taxifahrten um 18 Prozent steigen. Die Branche macht den Mindestlohn für die Erhöhung verantwortlich.

Von unserem Redakteur Jens Dierolf und dpa

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Thomas Laschuk, der Vorsitzende des Taxiverbandes Baden-Württemberg in Deutschland spricht von der einschneidendsten Veränderung für die Branche seit 50 Jahren. Der ab 2015 geltende flächendeckende Mindestlohn wirbele die Branche durcheinander. Kunden müssen sich auf deutlich steigende Preise einstellen.

Foto: Guido Sawatzki

Veränderungen

„Im Bundesdurchschnitt müssen wir Tariferhöhungen von 25 Prozent beantragen“, erklärt der Präsident des Deutschen Taxi- und Mietwagenverbandes (BZP), Michael Müller. In einigen Regionen könnten es sogar 50 oder 60 Prozent sein, etwa in Mecklenburg-Vorpommern. „Wir müssen die 8,50 Euro Mindestlohn realisieren“, begründet Müller. Für etwa 200 000 angestellte Taxifahrer gilt ab Januar der Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde. Derzeit beträgt der Durchschnittslohn der Fahrer nach Verbandsangaben zwischen 6,00 Euro und 6,50 Euro pro Stunde.

Einer Umfrage der „Süddeutschen Zeitung“ zufolge haben Verbände der Taxiunternehmen bereits in Hunderten Städten und Landkreisen Tariferhöhungen von bis zu 30 Prozent beantragt. Einige Kommunen haben bereits Erhöhungen beschlossen: In Hamburg beispielsweise müssen Taxi-Kunden seit 1. Oktober durchschnittlich 1,40 Euro pro Fahrt oder 7,8 Prozent mehr zahlen. Im Landkreis Schwäbisch Hall sollen die Tarife von November an um durchschnittlich elf Prozent angehoben werden. Die von den Taxiverbänden geforderten Preisaufschläge sind meist deutlich höher: In Stuttgart sollen es 20 Prozent sein, in Pforzheim noch mehr.

Lage in der Region

Für Heilbronn nennt Peter Depta, Vorstand der Taxizentrale, eine Größenordnung von 17 bis 18 Prozent. Die Verhandlungen mit der Stadt Heilbronn, die den Antrag bewilligen muss, laufen. Den Mindestlohn, gestiegene Versicherungs- und Investitionskosten nennt Depta als maßgebliche Gründe. Im Landkreis Heilbronn und dem Hohenlohekreis stünden die Verhandlungen über höhere Preise noch bevor, erklärt Thomas Laschuk. Allein der Mindestlohn schlage sich mit einer Erhöhung von etwa zehn Prozent nieder.

Weil viele Taxifahrer bisher nicht als angestellte Mitarbeiter beschäftigt sind, sondern eine Gewinnbeteiligung erhalten, verändere sich das gesamte Geschäftsmodell. Taxiunternehmen müssten viel Geld investieren, um auf ein neues Abrechnungsmodell umzustellen. Die Leistungsorientierung der Fahrer gehe durch den Mindestlohn verloren, beklagt Laschuk. Bis jetzt, so schätzt er, habe es im Land wegen des Mindestlohns in der Branche bereits 2000 Kündigungen gegeben. Ein Teil davon, weil Verträge neu ausgearbeitet werden müssen, ein anderer Teil, weil die Arbeitsplätze unwiderruflich wegfielen.

„Bisher haben Tarifanhebungen nie zu einer Abwanderung von Kunden geführt“, sagt Verbandspräsident Müller. „Das waren aber auch nur Erhöhungen von zwei bis drei Prozent. Was bei 25 Prozent passiert, kann niemand abschätzen.“


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