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Tank leer, Ofen aus, Wohnung kalt

Alles Knausern und Sparen half nichts. Die Strom- und Heizkostenabrechnung war noch höher als im Vorjahr. Steigende Preise treiben Mietern und Hausbesitzern den Angstschweiß auf die Stirn

Von Ulrike Bauer

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Heizöl, Gas, Strom - die Preise steigen schneller, als man einsparen kann. Hohe Rechnungen bringen viele an den Rand ihrer Möglichkeiten.Foto: AP
Energiekosten - Alles Knausern und Sparen half nichts. Die Strom- und Heizkostenabrechnung war noch höher als im Vorjahr. Gestiegene Preise hatten den Einspareffekt zunichte gemacht, die Nachzahlung, die Familie Müller nun in Raten abstottern muss, war saftig. So wie ihnen geht es Tausenden. Beim Thema Energiekosten wird es Mietern wie Hausbesitzern heiß und kalt.

Der Heilbronner Brennstoffhändler Hansjörg Betz zum Beispiel beobachtet bei seinen Heizölkunden, wie sehr sie der Großeinkauf finanziell beutelt. „Viele lassen sich den Tank nicht mehr füllen, sondern bestellen drei bis vier Mal im Jahr kleine Mengen, mal 500, mal 1000 Liter für aktuell 66 Cent. Mehr Geld haben sie einfach nicht.“ Viele fragen nach Ratenzahlung. Die für Herbst erwartete Preissenkung kam noch nicht. Betz hat Kunden, die in der Kalistraße kanisterweise Kleinstmengen für ihren Einzelofen zuhause holen. Zehn Liter reichen für drei Wintertage.

Kalte Zimmer Um Heizkosten zu sparen, werden Zimmertemperaturen gesenkt, einzelne Räume gar nicht mehr geheizt. Alban Hornung, Schornsteinfegermeister und Gebäudeenergieberater in Kirchhausen, kam kürzlich in ein Haus, da war der Öltank völlig leer: Kein Geld. Täglich wird er gefragt, wie man Heizkosten senken kann. Meist läuft es darauf hinaus, dass Hauseigentümer erst viel Geld investieren müssten, um in einem älteren Gebäude effektiver zu heizen: neue Heizanlage, neue Fenster, neues Dach, bessere Wärmedämmung. So viel Geld hat nicht jeder. Der Trend, so Hornung, geht weg von der Zentralheizung hin zu Einzelfeuerstätten wie Kaminöfen, die mit Holz oder Pellets zu heizen sind. Das macht aber nur Sinn, wenn man sein Brennholz nicht teuer zukaufen muss, sondern vom eigenen Garten- oder Waldstück holen kann.

In Scharen treibt es Einkommensschwache in die Beratungsstellen der Sozialverbände und in die Schuldnerberatung. Bei Georg Kappes von der Heilbronner Awo hat jeder dritte Klient Energieschulden, viele leben in Altbauten, wo man sein Geld zum Fenster hinaus heizt. Schlimme Folgen hat das Zuheizen mit Radiatoren - Stromfressern der übelsten Sorte. Bei Angela Weber, Schuldnerberaterin der Landkreis-Arge, sprechen monatlich 30 Hartz-IV-Empfänger vor, bei denen Stromsperre droht. Mit Darlehen (die gibt es aber nur ein Mal) kann sie das manchmal verhindern. Auch beim städtischen Sozialamt werden zunehmend darlehensweise Energieschulden übernommen. Beim Abdrehen sind die Energieversorger hart: Kleinkinder, Pflegefälle, Schwangerschaft oder Krankheit sind kein Hinderungsgrund.



 
 
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