Südbahnhof wird ab 2014 bebaut

Heilbronn  Heilbronn - Die Umwidmung des ehemaligen Heilbronner Südbahnhofs in ein Wohngebiet scheint die entscheidende Hürde genommen zu haben. Der Bebauungsplanentwurf steht. Vorausgegangen waren Proteste von Anwohnern.

Von Kilian Krauth

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Beim Blick von Osten her erkennen Fußgänger und Autofahrer vor dem Kaiser-Otto-Türmchen an der Happelstraße den 2011 geräumten Bereich des Südbahnhofs. Das Wohngebiet wird 2014 bis 2019 abschnittsweise gebaut.Fotos: Guido Sawatzki
Heilbronn - Seit der Heilbronner Südbahnhof 1999 still gelegt wurde, schien er städtebaulich auf dem Abstellgleis zu stehen. Doch zuletzt nahm die Entwicklung Fahrt auf. Im Heilbronner Gemeinderat ist nun die entscheidende Weichenstellung gelungen. Zumindest der neue Bebauungsplanentwurf steht. Vorausgegangen waren Proteste von Anwohnern, die vor einer "Ausmostung" gewarnt hatten. Außerdem wird ein Rewe-Markt ausgespart, weil der private Grundstücksbesitzer einen zu hohen Quadratmeterpreis verlangt hatte.

100 Millionen Euro

Einmütig stellen sich Stadträte hinter die Pläne des Projektentwicklers Aurelis. Die sehen auf dem 620 Meter langen und 140 Meter breiten Areal 374 Wohnungen für 800 Menschen vor. Nach Rückbau und Entrümpelung startet die Erschließung im April. Im Herbst 2013 kommen die Grundstücke auf den Markt. Ende 2014 sollen schon Wohnungen bezogen werden. Insgesamt dürften bis 2019 rund 100 Millionen Euro investiert werden.

"Wir brauchen solche neuen, bezahlbaren Flächen im Geschosswohnungsbau", erklärte Baubürgermeister Wilfried Hajek. Die Nachfrage sei derzeit gerade in der Kernstadt enorm. Selbst wenn langfristig die Bevölkerunsgzahl sinke, so steige doch der Bedarf an Wohnfläche pro Einwohner. Reichten einem Heilbronner vor zehn Jahren noch 38,2 Quadratmeter zum Wohnen, seien es heute schon 40 Quadratmeter bei steigender Tendenz, sagte Projektleiter Klaus Gudzent.

Änderungen

Was sich am Südbahnhof gegenüber den ursprünglichen, umstrittenen Plänen ändert, erläuterte Stadtplaner Christoph Böhmer. Das Bruttobauland wird um 20 Prozent auf 6,8 Hektar reduziert, netto werden nicht mehr 80, sondern nur 70 Prozent bebaut, dafür wächst der Grünanteil von acht auf 18 Prozent. Neu ist neben zwei Grüninseln ein "hochwertiger Spielplatz".

Neuer Wohnraum für 800 Menschen
Östlich der Brücke wurde für 600 000 Euro ein Eidechsen-Reservat gebaut.
Als Schlüssel für die Zahl der Stellplätze gilt: einer pro Wohnung, nicht wie zunächst 1,5. Der Plan weist auch eine Quartiersgarage an der Stuttgarter Straße aus; wer sie baut, ist aber offen. Gemäß einem Energiegutachten wird alles über ein Blockheizkraftwerk mit Erdgas geheizt, es sei ökologisch die beste Lösung. Die Höhe der Wohnblöcke wird auf drei plus Penthouse beschränkt. Am Rathenauplatz sind nicht mehr acht, sondern nur fünf Stockwerke für Gewerbe möglich.

Stimmen

Der Protest der Anwohner und das Nachhaken des Gemeinderates "hat sich gelohnt", stellte Stadtrat Gottfried Friz (FDP) fest. "Die Zahlen sprechen für eine Auflockerung", sagte Gisela Käfer (CDU). Dass die Mittelachse für Fußgänger und Radler autofrei bleibt, freute Gerd Kempf (SPD), wobei er eine Verlängerung nach Osten durch den Lerchenbergtunnel zum Pfühlpark reizvoll fände. Außerdem solle die Stadt beim Rewe-Areal nicht locker lassen.

Neuer Wohnraum für 800 Menschen
"Nahe an der SPD" ist Alexander Habermeier (Grüne), der ökologische Aspekte wie Eidechsen-Reservat und Kleinklima lobte. Gegen den Verbrauch auf der grünen Wiese sei die Stadt von innen neu zu entwickeln: Das ist für Heiner Dörner (FWV) richtig. Er wundert sich allerdings, dass sich "das Ganze noch für den Investor rentiert". Von einem "attraktiven Wohngebiet", dessen Entwicklung "Maßstäbe für die Zukunft setzt", sprachen Heiko Auchter (Pro) und Hasso Ehinger (Linke).

 

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