Steinschlag bleibt wohl für immer ungeklärt

Heilbronn - Auch eine Computersimulation der Stuttgarter Materialexperten hat keine klaren Erkenntnisse gebracht: Der Steinschlag vom Heilbronner Kiliansturm vom 10. April wird wohl für immer ein Rätsel bleiben. Jetzt sollen Edelstahlnetze am Turm angebracht werden.

Von Carsten Friese

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Heilbronn - Auch eine Computersimulation der Stuttgarter Materialexperten hat keine klaren Erkenntnisse gebracht: Der Steinschlag vom Heilbronner Kiliansturm vom 10. April wird womöglich für immer ein Rätsel bleiben.

Der Abschlussbericht der Experten von der Materialprüfungsanstalt der Uni Stuttgart liegt der Gesamtkirchengemeinde vor. „Die besten Experten auf dem Gebiet haben sich mit dem Fall befasst. Es gibt kein fundiertes Ergebnis, damit müssen wir leben“, stellte Kirchenpfleger Rolf Krieg auf Stimme-Anfrage fest.


Am 10. April waren an einem verkaufsoffenen Sonntag bis zu  zwei  Kilogramm schwere Sandsteinbruchstücke einer filigranen Kreuzblume vom Kiliansturm aus rund 33 Meter Höhe auf das Dach der Kilianskirche und auf die Kaiserstraße gestürzt. Zum Glück wurde kein Passant von einem Bruchstück getroffen.

In aufwendiger Arbeit untersuchten Spezialisten vom Landesdenkmalamt und der Materialprüfungsanstalt der Uni Stuttgart den gesamten Turm, die Bruchstücke und die Abbruchstelle. Sogar ein Spezialhubsteiger sowie Fassadenkletterer waren im Einsatz.

Fehlende Spuren

Eine Erklärung für den Steinschlag fanden die Fachleute nicht. Erneut weisen die Spezialisten jetzt auf fehlende Verwitterungsspuren an dem jungen Bildhauerkunstwerk hin, das erst bei der umfangreichen Sanierung der Kilianskirche in den Jahren 2005/2006 am Turm angebracht wurde. Die drei Abbruchflächen waren fest und homogen ausgebildet. Das Werkstück ist nach Ansicht der Experten aus qualitativ sehr gutem Material.

Als mögliche, aber nicht belegbare Einflussfaktoren nennen die Experten Schwingungen von der nahen Stadtbahn oder dem Glockenstuhl.  Eine ungünstige Geometrie der filigranen Kreuzblume sowie äußerlich unsichtbare Vorschädigungen  schließen sie ebenso wenig aus wie das Einwirken eines harten Gegenstandes von oben, den ein Gast auf der nahen Besucherterrasse verloren haben könnte. Ein Gegenstand, der in Frage kommt, wurde jedoch nie gefunden. „Wir bewegen uns an der Grenze unseres Wissens“, hatte Konservator Albert Kieferle bei der intensiven Inspektion der Bruchstelle bereits im Mai gesagt.



Die Kirche wird trotz der unklaren Ursache reagieren. Um auf Nummer sicher zu gehen, werden unterhalb von acht Kreuzblumen im Bereich des Turmvierecks Edelstahlnetze aufgespannt, die mögliche Bruchstücke auffangen sollen. Dies soll an jenen Stellen in etwa 25 bis 30 Meter Höhe erfolgen, von wo Bruchstücke auf die Straße fallen könnten. Auf rund 10.000 Euro bezifferte Rolf Krieg die Kosten. Der Auftrag ist bereits an eine Besigheimer Fassadenklettererfirma vergeben. Zudem sollen in regelmäßigen Abständen die exponierten Zierteile am Turm befahren und beobachtet werden.

Seit dem Steinschlag war der Kiliansturm für Besucher gesperrt. In Zukunft will die Kirche die Plattform des Heilbronner Wahrzeichens wieder öffnen. Im Gegensatz zu früher soll die Turmbesteigung jedoch künftig nur noch in Begleitung eines Führers möglich sein. Auch hier gilt: Sicher ist sicher.

Weitere Untersuchungen

Das Rätsel des Steinschlags vom Kiliansturm ist ungeklärt,  doch so ganz geben sich die Denkmalexperten noch nicht geschlagen. Die Universität Stuttgart wird weitere Untersuchungen veranlassen, um den Einfluss von Schwingungen auf den Stein und die Haltbarkeit des Materials zu überprüfen.



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