Stadtgalerie wächst rasant - Gegner geben nicht auf

Die Stadtgalerie wächst in atemberaubendem Tempo. Die Blickbeziehungen zwischen dem Neckar und der Innenstadt sind im Bereich des ehemaligen Landerer-Areals schon verschwunden - Mit einem Verkehrsgutachten will die Bürgerinitiative ihre Normenkontrollklage untermauern

Von Iris Baars-Werner

Stadtgalerie wächst rasant - Gegner geben nicht auf
„Über dem Abgrund“ heißt die Skulptur auf dem Götzenturm, die zusammen mit den Auslegern der Baukräne ein faszinierendes Bild ergibt.

Foto: Andreas Veigel

HEILBRONN - Die Stadtgalerie wächst in atemberaubendem Tempo. Die Blickbeziehungen zwischen dem Neckar und der Innenstadt sind im Bereich des ehemaligen Landerer-Areals schon verschwunden. Der jonglierende Mann auf dem Götzenturm ist zuweilen fast mit den Arbeitern zu verwechseln, die sich auf der Baustelle des neuen ECE-Einkaufszentrums zwischen Galeria Kaufhof (Horten) und dem Deutschhof bewegen.

Was macht die Bürgerinitiative gegen die Überbauung des Landerer-Areals angesichts der Tatsache, dass das Gelände, das sie schützen wollte, längst überbaut ist? Sie legt ein neues Verkehrsgutachten vor. Das soll die noch immer vor Gericht anhängige Normenkontrollklage untermauern. Mit der Expertise beauftragt wurde Christian Fahrenberg aus Planegg bei München. Fahrenberg war früher Verkehrsplaner der Stadt München und betreibt das „Ingenieurbüro für Verkehrsuntersuchungen im Orts- und Stadtbereich“.

Der Gutachter hat den Streitern gegen das ECE bestätigt, „dass der Heilbronner Gemeinderat von falschen Voraussetzungen ausging als der den ECE-Bebauungsplan beschloss.“ Das Verkehrsgutachten, das diesem Beschluss zugrunde lag, sei „teilweise widersprüchlich“, beruhe „auf fehlerhaften oder unzureichenden Daten“ und enthalte „nicht nachvollziehbare Interpretationen“. Nach Fahrenbergs Berechnungen sei auf der Rosenbergstraße nicht mit 4100, sondern mit 4750 Fahrzeugen pro Tag zu rechnen. „Grob fahrlässig“ sei auch, dass die allgemeine Zunahme des Verkehrs „völlig unberücksichtigt“ geblieben sei. Die Verkehrssituation, stets Dreh- und Angelpunkt der Proteste gegen das Projekt, wird nach Meinung von BI-Mitglied Ute Matthaei-Becker „eine Katastrophe“.

Nicht alle Mitstreiter der Bürgerinitiative hegen nun die gleichen Hoffnungen. Peter Kaspar, der als Anlieger die Normenkontrolle anstrengte, hofft, dass er doch noch vor Gericht gewinnt: „Ein Baustopp würde zeigen, dass die Stadt die Bürger über den Tisch gezogen hat.“ Und Kaspar gibt unverhohlen zu, dass er bei einem Zeitverzug darauf hofft, dass ECE womöglich doch noch „abspringt“. Für Helmut Dautel hingegen ist das eigene Verkehrsgutachten der Bürgerinitiative schlichtweg eine Möglichkeit, „das Gesicht zu wahren“. Denn es zeige, wie gravierend die Verkehrsproblematik sei und „dass wir nicht zu Unrecht Widerstand geleistet haben.“