Spannendes Konzept für reizvolle Inselspitze

Heilbronn  Im Vorfeld gab es teils heiße Debatten um die Nutzung der Inselspitze, nun steht fest: Die ehemalige Galerie wird zu einem Ort der Begegnung und der Kommunikation zum Thema Stadtentwicklung – mit spannenden Ausstellungelementen.

Traumhaft“, sagt Buga-Chef Hanspeter Faas, doch plötzlich macht es „rumms!“. „Die Stadtbahn“, weiß Oberbürgermeister Harry Mergel, „da werden wir von der Akustik her noch was machen müssen“. Mit einem Tross aus Sponsoren, Mitarbeitern und Medienvertretern stehen Faas und Mergel im ausbetonierten Bauch der Friedrich-Ebert-Brücke, 1,50 Meter unter dem Wasserspiegel. Ihr Blick schweift übers Neckarufer, streift Weiden, Götzenturm, Marrahaus, Theaterschiff und konzentriert sich schließlich auf eine Leinwand, wo groß geschrieben steht: „Aufbruch Heilbronn – Knotenpunkt Inselspitze“. Unter diesem Titel präsentierten Faas und Mergel am Donnerstagmittag Mittag vor der Presse das neue Nutzungskonzept für die ehemalige Galerie Rieker. Abends sollten die Pläne dem Gemeinderat vorgestellt werden.

So soll sie künftig aussehen, die Heilbronner Inselspitze. Am Donnerstag wurde das neue Konzept für die ehemalige Galerie unterhalb der Friedrich-Ebert-Brücke der Presse vorgestellt. Foto:  

Misstöne

Im Kern entsteht hier ein multimedialer und interaktiver Dreh- und Angel-, respektive ein Knotenpunkt zur Stadtentwicklung, der die auf diesem weiten Feld aktiven Akteure zusammenführen will. „Wenn das mit Nebengeräuschen verbunden ist“, sei das durchaus gewünscht, „Reibungen bringen alle voran und nutzt der Sache“, sagt Faas. Er meint damit nicht die Stadtbahn, sondern Misstöne auf dem Weg zum Konzept. Wie berichtet galt zunächst ein kreatives Trio um den Kulturmanager Philipp Kionka als Favorit, ehe Faas und Mergel die Insel für sich entdeckten. Doch das Trio wird nicht ausgebootet. Es kann den Ort dreimal pro Saison für 14 Tage bespielen – ohne dass das eigentliche Knoten-Konzept ausgeblendet wird.

Stadtmodell

Im Mittepunkt steht ein 3,50 auf vier Meter großes Stadtmodell, das das Rathaus für 150 000 Euro in Auftrag gegeben hat. Besucher können hier per Tablet zusätzliche Infos abrufen, indem sie den Fokus auf das gewünschte Objekt richten: auf Häuser der Altstadt aber auch auf Experimenta, Buga, Neckarbogen, Zukunftspark oder Bildungscampus. „Über alles sind Fakten, Filme oder andere Hintergründe abrufbar“, erklärt Marc Grimm, der mit „TD Die Agentur“ die Ausgestaltung der Ausstellung übernommen hat.

Entlang der Wände des trapezförmigen Raumes finden sich Stelen zur Stadtentwicklung und wechselnde Ausstellungen – auch von Künstlern, denen ein schlauchartiges Separée vorbehalten ist. Es soll aber nicht bei schönen Modellen, Plänen und Bildern bleiben, auch Veranstaltungen gehören zum Konzept: von Vorträgen über Bürger-Abende, Diskussionen und Workshops bis zu kulturellen Beiträgen. Für die gastronomische Begleitung der Veranstaltungen wird das Insel-Hotel ins Boot geholt. Eine dauerhafte Bewirtung wird es nicht geben, zumindest aber einen Getränkeautomaten.

Derzeit laufen kleinere, auf maximal 100 000 Euro bezifferte Umbau- und Sanierungsarbeiten, bei denen auch ein barrierefreier Zugang vom Insel-Hotel her und eine Heberampe im Innenraum hergestellt werden. Insgesamt dürfte das Projekt rund 550 000 Euro kosten.

Kosten

Für die Ausstellung selbst rechnet man mit 300 000 Euro, wobei neben Stadt und Buga auch andere Protagonisten Geld geben: Experimenta, Stadtsiedlung und Zukunftsfonds Heilbronn.

Die fünf Ar große Freifläche der Inselspitze soll im Prinzip so bleiben wie sie ist, aber durch temporäre Installationen und Möbel einladender werden. Im Sommer 2016 gaben Palmen, Oleander und Sessel einen Vorgeschmack. Die Galerie wird – da die Heizung zu teuer käme – nur von April bis Oktober tagsüber geöffnet sein, erstmals am 17. April 2017, also genau zwei Jahre vor der Buga- Eröffnung. Während der Gartenschau wird das Modell ins Buga-Areal integriert. Nach 2019 soll der Knotenpunkt Inselspitze, so hieß es ohne nähere Angaben, „für ein Kunstprojekt“ genutzt werden.

 

Die Mutter aller Brücken

Die Friedrich-Ebert-Brücke darf als Mutter aller Heilbronner Brücken bezeichnet werden, weil ihr Standort von jeher einen Dreh- und Angelpunkt der Neckarstadt markiert. Das heutige Bauwerk wurde 1996 eingeweiht. Die Kosten hatten sich nach drei Jahren Bauzeit auf 19 Millionen Mark verdoppelt: auch wegen nachträglich aufgenommener Stadtbahngleise und der Inselspitze. Neben der fünf Ar großen Freifläche wurde ein verglaster, 313 Quadratmeter großer Raum eingerichtet.

Die Stadt vermietete ihn bis 2015 an den Galeristen Manfred Rieker. Nun entsteht hier ein Knotenpunkt zur Stadtentwicklung, zwei andere gibt es schon: Die Vergangenheit wird in dem nach Otto Rettenmeier benannten Haus der Stadtgeschichte dokumentiert. Heilbronn vor der Zerstörung, unmittelbar danach und aus der Zeit des Wiederaufbaus zeigen drei Modelle in der Ehrenhalle am Rathaus.

 

 

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Historische Fotostrecke

Seit Monaten ist sie wieder in aller Munde: die Galerie auf der Inselspitze mit der darüberliegenden Friedrich-Ebert-Brücke. Das Bauwerk hatte auch zu früheren Zeiten eine bewegte Geschichte. Viel Wasser ist seitdem den Neckar hinuntergeflossen. Unser Archiv hat eine historische Fotostrecke zusammengestellt.