Siegen und Verlieren wie im richtigen Leben

Heilbronn - Spannende Autorennen und Gespräche mit Rennprofis - beim Jugendwettbewerb "Formel 1 in der Schule" in der Experimenta stand alles im Zeichen des Motorsports.

Von Manfred Stockburger


Heilbronn - Wenn es einen solchen Wettbewerb nur schon früher gegeben hätte! Marc Lieb ist hell begeistert von dem Autorennen im fünften Stock der Heilbronner Experimenta. "Das ist genau wie im richtigen Leben", sagt der 30-Jährige, der das besser beurteilen kann als die meisten anderen Besucher des Motorsporttags im Heilbronner Science-Center: Schließlich steht Lieb bei Porsche als Rennfahrer unter Vertrag. In Le Mans und auf dem Nürburgring ist er regelmäßig unterwegs − wenn er nicht beim Motorsporttag in der Experimenta als Ehrengast bei "Formel 1 in der Schule" dabei ist − wie auch der Audi-DTM-Pilot Martin Tomczyk und Ernst Wöhr vom Leingartener Rennstall Callaway. Alle drei stellten sich am Nachmittag bei einer Talkrunde den Fragen von Stimme-Redakteur Alexander Schnell.

Kleine Modelle

Als Student hat Marc Lieb bei einem ähnlichen Wettbewerb mitgemacht − der Formula Student. Dabei müssen die Teilnehmer aber einen echten Rennwagen bauen, bei Formel 1 in der Schule geht es nur um kleine Modelle. Aber sonst hat der Wettbewerb viel mit dem richtigen Rennsport zu tun: Nicht nur ein schnelles Auto braucht, wer gewinnen möchte. Sondern auch Sponsoren, ein Werbekonzept, ein schickes Design und ein eingespieltes Team.

Das ist kein Zufall, sondern genau das, was Armin Gittinger erreichen will. "Das Rennen ist Fun für die Teams, aber es geht um mehr", sagt er. Der Siemens-Manager hat die Idee von Formel 1 in der Schule vor fünf Jahren aus England nach Deutschland gebracht und führt die gemeinnützige Firma, die den Wettbewerb veranstaltet. "Mir geht es darum, junge Leute für Technik zu faszinieren."

Zeitmanagement

Für die Jungs vom Team Hot Spicy Racing ist der Spaß ziemlich schnell vorbei. Die Tuttlinger Gymnasiasten wissen auch warum: Ihr Auto ist zu schwer − mehr als doppelt so viel wie das Mindestgewicht von 55 Gramm bringt der Balsaholz-Bolide auf die Waage. Nicht die Karosse ist das Problem, sondern die Vollkunststoffräder, weiß Lawrence Natusch: Jedes wiegt 20 Gramm. "Wir hatten technische Probleme, deswegen wurde das Auto erst am Donnerstag fertig." Ihre Lektion haben die Schüler-Forscher dennoch gelernt: "Das Zeitmanagement ist wichtig."

Den schnellsten Renner hat das Team Animus auf die 25 Meter lange Strecke gebracht. Ihr Vorteil: das geringe Gewicht und die Form des Frontspoilers. Aber wer von der Gottlieb-Daimler-Schule in Sindelfingen kommt, muss einen solchen Wettbewerb ja fast gewinnen. Für den Gesamtsieg reichte der erste Platz im K.O.-Rennen allerdings nicht (siehe Hintergrund).

"Heilbronn ist doch auch eine Autoregion", sagt Experimenta-Chef Wolfgang Hansch. "Vielleicht geht nächstes Jahr auch ein Team von hier an den Start", hofft er − denn er ist sicher, dass einige der 125 Teilnehmer des Wettbewerbs einmal Ingenieur werden. "Das ist unser Ziel."

Nicht zuletzt wegen der Experimenta sind die Voraussetzungen dafür gut: "Hier gibt es alles, was die Teams brauchen, um ein gutes Auto zu bauen", ist Gittinger begeistert von den Möglichkeiten des Science-Centers. "Das ist eine traumhafte Umgebung für das Rennen.


 

Audi-Werksfahrer Tomczyk steht auch privat auf Pferdestärken

von Kinderreporter Marius (13)

Den Traum jedes Kindes hat sich der DTM-Fahrer Martin Tomczyk verwirklicht: Als Audi-Werksfahrer ist er erfolgreich in den Deutschen Tourenwagen-Masters (DTM) unterwegs. Angefangen hatte er als Kartfahrer. Am Samstag war er mit seinem Auto aber nicht auf der Rennstrecke, sondern in der Heilbronner Experimenta. "Mein schönstes berufliches Erlebnis war mein erster Sieg im Jahr 2006 beim DTM-Rennen in Barcelona", erinnert sich Martin Tomczyk im Gespräch mit-Kinderreporter Marius Kurz.

Der 29-jährige DTM-Fahrer stammt aus Rosenheim, lebt in Basel und fährt schon seit zehn Jahren in der DTM mit. Von insgesamt 19 Rennfahrern, darunter auch zwei Frauen, beendete Martin Tomczyk die vergangene Saison als Neunter. Der gelernte Bürokaufmann, der durch seinen Vater zum Motorsport gekommen ist, hat sich für die neue Saison viel vorgenommen.

"Motorsport ist die Hauptsache in meinem Leben", erzählt Martin Tomczyk, Schlank und körperlich gut in Form passt er auch mit seiner Körpergröße von 1,88 Meter gerade noch in die Audi-Rennmaschine mit ihren 450 PS.

Diplomatisch

Nicht nur auf der Rennstrecke liebt der sympathische Fahrer Pferdestärken: Sein Privatauto ist ein Geländewagen Audi Q7 Diesel. Wie viel Geld er verdient, will er aber nicht verraten. "Wenn man dafür bezahlt wird, was man am liebsten macht, ist das toll", umgeht der DTM-Pilot diplomatisch die Frage nach seinem Einkommen.

Auch geistige Fitness ist Voraussetzung für seine Arbeit. "Angst habe ich vor den Rennen nicht, Respekt ist jedoch immer angebracht", meint der Liebhaber der italienischen Küche.

"Verglichen mit einem Formel-1-Auto ist der grundlegende äußerliche Unterschied, dass unsere Autos keine freistehenden Räder haben", erklärt Martin Tomczyk. Sein DTM-A4 ist komplett umgebaut, daher nur für die Rennstrecke geeignet. Jeder seiner Teamkollegen hat dasselbe Auto, die Fahrzeuge sehen nur etwas anders aus. Tomczyks Rennwagen, den er in die Experimenta mitgebracht hat, ist dunkelblau, außerdem hat er viele Aufdrucke verschiedener Sponsoren.

Auch einen Tipp für eventuelle Nachfolger hat der Audi-Werksfahrer parat: Das, was sie machen, sollen sie mit Ehrgeiz machen, sagt er. Spaß soll jedoch auch dabei sein.