Senioren zeigen Flagge

Heilbronn - Im Kalender steht nicht etwa der 1. Mai, sondern der 14. März, als sich der Deutsche Gewerkschaftsbund auf dem Heilbronner Kiliansplatz mit einer Demonstration lautstark zu Wort meldet. 2000 Menschen haben sich zur Renten-Demo versammelt - doppelt so viele, wie die Veranstalter vergangene Woche als Ziel angegeben hatten.

Von Manfred Stockburger

Senioren zeigen Flagge
Volles Haus unter freiem Himmel: Auf dem Kiliansplatz versammelten sich am Samstag deutlich mehr Renten-Demonstranten als erwartet. Fotos: Dittmar Dirks

Heilbronn - Im Kalender steht nicht etwa der 1. Mai, sondern der 14. März, als sich der Deutsche Gewerkschaftsbund auf dem Heilbronner Kiliansplatz mit einer Demonstration lautstark zu Wort meldet. 2000 Menschen haben sich zur Renten-Demo versammelt - doppelt so viele, wie die Veranstalter vergangene Woche als Ziel angegeben hatten.

Es ist eine Renten-Demo, aber keine Rentner-Demo, auch wenn die Senioren unter den Teilnehmern in der Mehrzahl sind. „Jung für Alt und Alt für Jung - darauf kommt es an“, sagt Manfred Schott auf der Bühne. Der frühere Audi-Betriebsrat und heutige IG-Metall-Rentner hatte den Anstoß zu der Veranstaltung gegeben. „Wir hätten das auch ohne den DGB gemacht“, sagt er selbstbewusst. Und er will weitermachen: „Wir müssen uns in Zukunft öfter treffen. Nicht in Stuttgart und in Berlin. Sondern hier.“

Keine Kluft

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Auf diesem Transparent tragen Demonstranten in Heilbronn ihre persönlichen Forderungen an die Politik ein. Im April soll es in Berlin gezeigt werden.
Die Demonstration soll ein Zeichen setzen gegen die Kluft zwischen den Generationen, die unter anderem durch die Demografie-Debatte mancherorts entstanden ist. „Wir machen diesen Krieg der Generationen nicht mit“, erklärt der Heilbronner DGB-Regionschef Bernhard Löffler. „Wir kämpfen für soziale Sicherheit im Alter und Zukunftschancen für die Jungen.“

Haupt-Ziel der Kritik der Gewerkschafter ist die Rente mit 67. „Sie löst keine Probleme, aber sie verschärft vorhandene“, sagt Löffler. „Wir werden uns mit diesem Unsinn nicht abfinden.“ Zugleich fordert Löffler „die Weiterentwicklung der Rentenversicherung zu einer Erwerbstätigenversicherung, in der alle beitragspflichtig sind.“

DGB-Landeschef Rainer Bliesener hebt an zum Rundumschlag in Sachen Rentenpolitik. Die Liberalisierungsideen der FDP seien für die „Scheiße an den Kapitalmärkten“ verantwortlich, eine „Sauerei“ ist für Bliesener, dass der Junge-Union-Chef Philipp Mißfelder den Generationenvertrag zum „Generationenverrat“ umgedeutet hat. Alt-Bundespräsidenten Roman Herzog bekommt wegen seiner Aussage zur „Rentnerdemokratie“, in der die Jüngeren ausgeplündert würden, sein Fett weg. „Das ist starker Tobak von einem, der seinen Lebensabend mit dicker Pension genießen kann.“

Dampf machen

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Hauptredner in Heilbronn ist DGB-Landes-Chef Rainer Bliesener.
Dass mit der Rente mit 67 die Altersgrenze nach oben geschraubt werden soll, ist für Bliesener „purer Rentenklau“. Schließlich würden schon jetzt nur 20 Prozent der Älteren den nahtlosen Übergang aus der Arbeit in die Rente schaffen. „Wir wollen den Politikern in Berlin Dampf machen.“

Die Heilbronner Bundestagsabgeordneten forderte Bliesener auf, wenn nächstes Jahr die Überprüfung des Gesetzes ansteht, diese Regelung zu korrigieren. Auch SPD-MdB Josip Juratovic hatte schließlich für die Verlängerung der Lebensarbeitszeit gestimmt. Finanzierbar sei dies angesichts der „schwindelerregenden Beträge, die zur Stützung des Bankensystems ausgegeben werden“.

Für ein versöhnliches Ende der Kundgebung sorgte die Heilbronner Verdi-Chefin Marianne Kugler-Wendt: „Alt sein ist eine ebenso schöne Aufgabe wie jung sein.“