Schnäppchenmarkt macht ohne Vorankündigung auf

Heilbronn - Wochenlang versprachen gelbe Aufkleber die baldige Eröffnung eines Kaufhauses im ehemaligen Modehaus Krauß. Seit gestern herrscht dort tatsächlich Geschäftsbetrieb. Noch am Dienstag hatte der Betreiber, der Offenbacher Kaufmann Sarif Sediq, auf Nachfrage keinen genauen Termin genannt. Dass der Start des Schnäppchenmarktes so nebenher vonstatten geht, verwundert manchen Passanten.

Von Andreas Tschürtz

Im ehemaligen Modehaus Krauß hat gestern Morgen das "Heilbronner Kaufhaus" eröffnet. Foto: Andreas Tschürtz

Heilbronn - Wochenlang versprachen gelbe Aufkleber die baldige Eröffnung eines Kaufhauses im ehemaligen Modehaus Krauß (wir berichteten). Seit gestern herrscht dort tatsächlich Geschäftsbetrieb. Noch am Dienstag hatte der Betreiber, der Offenbacher Kaufmann Sarif Sediq, auf Nachfrage keinen genauen Termin genannt.

Dass der Start des Schnäppchenmarktes so nebenher vonstatten geht, verwundert manchen Passanten. Sabine Sanders ist auf dem Weg zur Arbeit, als sie die offenen Türen bemerkt. „Normalerweise wird so was doch beworben. Da gehören Luftballons hin, ein Stand mit Sekt vor die Tür“, erklärt sie den Mitarbeitern, die noch rasch Neueröffnungsplakate an die Schaufenster hängen.

Tatsächlich lief für Sediq nicht alles nach Plan. Er wollte schon vor zwei Wochen öffnen. „Eigentlich ist es für Weihnachtsartikel schon zu spät“, sagt er. Doch erst lief die Rolltreppe nicht. Dann kam Ware nicht rechtzeitig. Zuletzt habe man „Brandmelder eingebaut, die Beschilderung der Rettungswege neu gemacht und, und, und“. Gestern gab Wilhelm Mattmüller schließlich grünes Licht: „Die Sicherheitseinrichtungen wurden in den Stand versetzt, wie es zu Zeiten des Modehauses Krauß war“, sagt der Abteilungsleiter im Baurechtsamt.

Als eine der ersten inspiziert Susanne Schöneck das neue Geschäft. „Ich bin neugierig, kaufen will ich nichts“, sagt sie, läuft vorbei an Plüschtigern, Bügelbrettern, Buddha-Figuren. „Der findet bestimmt seine Kundschaft.“ Dass in das einst erste Haus am Platz (siehe Hintergrund) ein Schnäppchenmarkt gezogen ist, wundert sie nicht. „Wer sonst will denn hier rein? Man müsste ja alles renovieren.“

Gespalten Vom ersten Stock ihres Geschäfts „Gardinen Rohmann“ beobachtet Ingrid Reber das Treiben im gegenüberliegenden Haus. „Ein Fachgeschäft wäre mir lieber gewesen. Aber besser so als gar niemand.“ Auf Dauer müsse aber eine Lösung für die heruntergekommene Immobilie gefunden werden. „So kann es nicht bleiben“, sagt sie. Alle in der Straße hätten ihre Häuser gerichtet. Dank des „hässlichen Blocks“ und der Klosterhofbaustelle „geht manchmal aber kein Mensch durch die Klarastraße“.

Im Spielzeugladen „Kinderparadies“ nebenan sieht auch Michaela Zachau die Abwertung des Quartiers so weit fortgeschritten, dass sie glücklich über den neuen Nachbarn ist. „Mir ist egal, wer drin ist. Hauptsache, da brennen wieder Lichter.“