Satiriker Oliver Maria Schmitt über Heilbronn

Heilbronn - Er hat das umstrittene Papst-Titelbild der „Titanic“ entworfen, war 1991 Kandidat bei der OB-Wahl in Heilbronn und lässt kein gutes Haar an Politik, Verwaltung und Establishment: Ein Gespräch mit dem Satiriker Oliver Maria Schmitt über Heilbronn, Wein und die Kirche.

Von unserem Redakteur Andreas Gugau

Die Partei-Kandidat für OB-Wahl in Frankfurt/Main

Schmitt als Wahlkämpfer: Die Mauer muss wieder her. Foto: dpa

 

Heilbronn - Die Oberbürgermeisterwahl in Heilbronn 1991 war einer der seltenen Fälle, in denen die Stadt überregional für Aufsehen sorgte. Man machte sich lustig darüber, dass 21 Kandidaten auf dem Wahlzettel standen. Einer davon war Oliver Schmitt, damals 25 Jahre alt, und angetreten, erst einmal "radikal auszumisten". 0,2 Prozent standen bei ihm am Ende zu Buche.

Heute, 21 Jahre später, hat dieser junge Mann den Namen ergänzt und heißt jetzt Oliver Maria Schmitt, ist Mit-Herausgeber des Satiremagazins "Titanic", Erschaffer des Titelbilds, das den Papst mit befleckter Soutane zeigt, und nach wie vor davon überzeugt, dass in Heilbronn "Korruption, Vetternwirtschaft und Planungschaos" ihren festen Platz haben. Aber nicht alles ist schlecht am Neckar. Hin und wieder sieht der Wahl-Frankfurter sogar Licht am Ende des Tunnels.

Der Trappensee-Biergarten, der Hagenbucher-Biergarten, das seien schon lohnende Ziele. Schmitt zieht den Vergleich zu den 1980er-Jahren, als Heilbronn grau in grau gewesen sei und kommt zum Schluss, Heilbronn sei jetzt eine "grüne und lebenswerte Stadt." Kein Lob des Satirikers ohne sofortige Breitseite gegen das Establishment: "Dagegen hat nicht einmal schlechte Baupolitik etwas ausrichten können."

Lachnummer

Den nach einer "Fehlplanung" gerade eben erst sanierten Kiliansplatz verbindet Schmitt mit seiner Geburtsstadt. Und Wein. Ein "nicht vermarktungsfähiges Produkt mit Provinzetiketten" und für vier Euro die Literflasche Riesling oder Muskateller ein "wunderbares und günstiges Getränk". Er liebt es, wie auch das Heilbronner Leibgericht im Ratskeller, eine "kulinarische Lachnummer" − Schwein, Maultasche und Schupfnudeln auf einen Teller zu zwängen. Aber er geht trotzdem sehr gerne dorthin, ist zu Gast im Café Roth und beim Hesser. Dann kommt er heim in eine Stadt, in der er sich immer weniger zurecht findet. Nach wie vor hofft er allerdings auf einen Versorgungsposten am Neckar.

Als Stadt, in der die Provinzialität gelebt werde, hat Heilbronn einen festen Platz, auch in seinen politischen Ambitionen. Denn "wo Unterführungen aufgebaut und wieder zugeschüttet werden", da sei Geld da. Heilbronn müsse mit anpacken, wenn es darum geht, die Mauer wieder aufzubauen. Zwei Deutschland sind einfach besser für einen Satiriker, sagt der Ehrenvorsitzende von "Die Partei" ganz eigennützig.

In St. Peter und Paul getauft und mit 18 Jahren aus der Kirche ausgetreten bezieht Schmitt seinen moralischen Rückhalt nach wie vor aus seinem Glauben, sagt er und bleibt dabei, dass der beschmutzte Papst ein Missverständnis sei − und spart nicht mit Seitenhieben gegen die Katholiken, die sich wünschten, dass "bärtige Männer" religiös motivierte Ausschreitungen anzettelten. Ohnehin komme die Kritik, "ihr traut euch nicht, über Muslime herzuziehen" von Leuten, die die Titanic nicht lesen. Sonst würden sie die "bitterbösen Witze über den Islam" in dem Magazin auch kennen.

Aktionismus

Gegen Ende des Gesprächs kommt dann etwas Milde durch, stellt Schmitt fest, dass die Stadtbahn-Baustelle wie ein großer Radiergummi sei − und Platz schaffe für Neues. Er lässt sich sogar zu einem vorsichtigen Lob hinreißen: "Das bewirkt vielleicht etwas Gutes." Auch wenn es ihm eher wie blinder Aktionismus erscheint. Und überhaupt, die Stadtbahn von James Rizzi ist für ihn eine ähnlich absurde Lachnummer wie das Leibgericht: "Keith Haring für ganz, ganz Arme."