Rettung für Rathenauplatz in Sicht

Dass im mit historischen Bauten wahrlich nicht gesegneten Heilbronn die einst prachtvolle Gründerzeit-Villa am Rathenauplatz zusehends verfällt, erregt den Zorn vieler Bürger - Entstehen im ehemaligen Rotlichtviertel am Südbahnhof bald Wohnungen?

Von Maria Theresia Heitlinger

Rettung für Rathenauplatz in Sicht
Das Innere der Gründerzeit-Villa ist zugemüllt und völlig verwahrlost.

Dass im mit historischen Bauten wahrlich nicht gesegneten Heilbronn die einst prachtvolle Gründerzeit-Villa am Rathenauplatz zusehends verfällt, erregt den Zorn vieler Bürger. Fast alle Fensterscheiben sind eingeschlagen, die Hintertüre steht offen, die Plane auf dem Dach ist verrutscht, das Grundstück zugemüllt. Doch nun ist Rettung in Sicht.

Nach Informationen der Heilbronner Stimme hegt ein namhaftes Heilbronner Unternehmen Interesse daran, den Straßenzug gegenüber der Firma Knorr zu sanieren und dort Wohnraum entstehen zu lassen. Baubeginn soll noch in diesem Jahr sein. Die Kommune stellt Sanierungsmittel in Höhe von über einer Million Euro zur Verfügung, die Einstufung als Sanierungsgebiet, die zum Jahresende ausgelaufen war, wurde bis Ende 2007 verlängert.

Rotlichtmilieu Das Areal an der Sontheimer Straße war jahrzehntelang das Rotlichtviertel von Heilbronn. In dem Gebäude am Rathenauplatz war die Metro-Bar untergebracht, ein weiteres Etablissement in der Nachbarschaft hieß Eden-Bar, daneben standen die Bordelle S 3 bis S 7. Das Rotlichtmilieu verlagerte sich in Richtung Hafenstraße. Nach und nach wurden die Häuser von der Kommune aufgekauft. Das letzte Bordellgebäude, S 7, kam im Jahre 1998 in Besitz der Stadt. Der Erwerb der fünf Gebäude kostete Heilbronn drei Millionen Euro. Der Wiederverkauf erfolgte erst im Sommer 2004.

Rettung für Rathenauplatz in Sicht
Das Gebäude am Rathenauplatz wurde um die vorletzte Jahrhundertwende errichtet. Es steht unter Denkmalschutz.

Fotos: Maria Theresia Heitlinger

Die beiden Investoren Peter Schnatterer aus Bietigheim-Bissingen und Emil Hoffacker aus Bönnigheim wollten in der Südstadt mit der Kölner Firma Senvital ein Altenpflegeheim mit 175 Plätzen eröffnen. Doch daraus wurde nichts. Der Investor sprang ab. Leerstand prägte fortan die städtebaulich markanten Häuser in der Südstadt, die zusehends verwahrlosten. Beschwerden erreichten auch das Heilbronner Rathaus. Wie Bernd Werner, Leiter des Heilbronner Ordnungsamts, betonte, forderte seine Behörde die Besitzer mehrfach dazu auf, Rattenköder zu legen und das Grundstück wieder in Ordnung zu halten. „Den Aufforderungen wurde Folge geleistet“, so Werner. Nach den aktuellen Protesten wendet sich auch jetzt das Heilbronner Ordnungsamt an die Eigentümer.

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Rettung für Rathenauplatz in Sicht
Nur notdürftig ist der Gründerzeitbau am Rathenauplatz mit einer Plane abgedeckt. Vor drei Jahren hatte die Stadt das Areal an private Investoren verkauft. Die Sanierung steht noch aus.

Foto: Ulrike Kugler

üdbahnhof Eine grundlegende Verbesserung bringt indes allein eine Sanierung, wie sie jetzt geplant ist. Die Aufwertung des Rathenauplatzes und der Sontheimer Straße geht Hand in Hand mit den Plänen, die der Heilbronner Gemeinderat für das 5,6 Hektar große Areal zwischen Charlotten-, Stuttgarter, Schmoller- und Happelstraße zu Jahresbeginn abgesegnet hat. Nach den Entwürfen des Stuttgarter Architekturbüros Bott und Hecker werden auf dem Gebiet, das zurzeit allenfalls suboptimal genutzt ist, 370 neue Wohnungen gebaut.

25 Prozent des Quartiers bleiben Grünfläche. Teile der alten Gleisanlagen sollen in die Gestaltung mit einbezogen werden. Das neue Baugebiet wird mit Fußgänger- und Radwegen durchzogen und von der Happelstraße im Norden und der Schmollerstraße erschlossen. Der Rewe-Supermarkt im Zentrum des Viertels hat Bestandschutz und bleibt von den Planungen unberührt.

Was aus einem Gebäude bei liebevoller Sanierung entstehen kann, auch dazu gibt es in der Südstadt ein Beispiel. Der ehemalige Gastronomie-Betrieb Europäischer Hof ist seit kurzem restauriert. Die Sandsteinfassade fällt auf. Das Gebäude trägt zur Aufwertung des verkehrsreichen Platzes bei.