Rechtsstreit um eine verendete Katze

War das Tier schon bei der Abgabe krank? Hartz-IV-Empfänger fordert vom Tierheim Schadensersatz

Von Franziska Feinäugle

Rechtsstreit um eine verendete Katze
Krach mit dem Tierheim: Mit dem Tod seiner Katze habe er „nicht kalkuliert“, sagt der Halter. Foto: Archiv/Kugler
Heilbronn - Die, um die es eigentlich geht, wird bei einer gegebenenfalls angesetzten Gerichtsverhandlung nicht dabei sein: Sie lebt nicht mehr. Eine Katze namens Lissy, Anfang Januar von einem Heilbronner aus dem Tierheim geholt, Ende Mai an einem ganzen Katalog von Krankheiten verendet, ist zum Gegenstand eines Rechtsstreits geworden.

Und „Gegenstand“ ist in diesem Fall durchaus wörtlich zu nehmen. Rein rechtlich gilt ein Tier als Sache. Katze Lissy fällt nun, sie möge uns das harte Wort verzeihen, juristisch gesehen unters „Mängelgewährleistungsrecht“, während der (ehemalige) Katzenbesitzer die Rolle des Käufers einnimmt, der eine - seiner Ansicht nach - mangelhafte Ware erworben hat. Wer eine mangelhafte Ware erwirbt, hat gemeinhin die Möglichkeit, das Geschäft rückgängig zu machen. Im Fall Lissy scheidet das aus, da die Katze nicht mehr lebt.

Tierarztkosten Also hat sich der 37-jährige Heilbronner entschlossen, Schadensersatz zu fordern: 791,20 Euro soll das Tierheim bis Mittwoch, 12. September, aufs Kanzleikonto seiner Anwältin überweisen. „Maßgeblich“ für diese Summe sei „nicht der Kaufpreis der Katze“, so Anwältin Christina Fichter. Sondern die Tierarztkosten.

Dass Lissy „von jetzt auf nachher“ sterben würde, damit habe er „nicht kalkuliert“, sagt der 37-jährige Heilbronner. Auch deshalb nicht, weil im Abgabevertrag zwischen dem Tierheim und ihm nach einer mehrwöchigen Probezeit am 13. März unterzeichnet worden sei, dass keine momentanen Krankheitssymptome oder Erkrankungen vorliegen. Als die Katze Mitte Mai Krämpfe bekam und die Augen verdrehte, brachte der von Hartz IV lebende Heilbronner sie zur Kleintierklinik, wo sie viermal, teils stationär, behandelt wurde.

Privatkredit Als Todesursache nennt der tierärztliche pathologische Befund akutes Herz- und Kreislaufversagen, das aus einer hochgradigen Arterienverkalkung herrührte. Für den Tierarzt wie für den Katzenhalter „steht fest, dass Lissy bereits am 13. März todkrank war“. Deshalb hofft der Heilbronner nun, die Kosten vom Tierheim zurückzubekommen. 1000 Euro Privatkredit habe er aufnehmen müssen, „sonst hätte ich sie einschläfern lassen müssen“. Nun zahle er in Raten seine Schulden zurück, klagt er, „100 Euro pro Monat, von Hartz IV“.

Für Silke Anders vom Tierheim-Vorstand ist die Schadensersatzforderung eine unerfreuliche Premiere. „Bisher ist noch niemand auf diese Idee gekommen.“ Im Fall Lissy ist für sie klar: Das Tierheim wird nicht zahlen. „Als wir die Katze am 3. Januar abgegeben haben, war sie gesund. Seitdem hat sie sich nirgends anders mehr befunden.“ Im Abgabevertrag stehe „fettgedruckt, dass er zu uns kommen kann, wenn etwas ist“, verweist Anders auf die für Abnehmer kostenlose Sprechstunde der Tierheim-Tierärztin dienstags bis freitags um 11 Uhr. „Kosten, die bei einem anderen Tierarzt verursacht werden“, zitiert sie aus dem Vertrag, „können nicht übernommen werden.“