Polizeitaucher suchen Waffe im Rhein

Fahnder überprüften am Tattag Sinti und Roma auf der Theresienwiese

Von Helmut Buchholz

Polizistenmord - Die Soko sammelt im Polizistenmord immer mehr Spuren. Zu den bis jetzt rund 1150 Hinweisen könnte noch eine wichtige dazukommen: Taucher der Bereitschaftspolizei Rheinland-Pfalz suchen im Rhein bei Worms nach einer Waffe, aus der am 5. Mai 2005 bei einem Streit in einem Familienclan von Sinti und Roma geschossen wurde. Ein Sippenmitglied hatte aus dieser Waffe mehrere Schüsse auf seinen älteren Bruder abgefeuert. Bei dem Streit ging es um die Vormachtsstellung innerhalb der in Deutschland weit verzweigten Sippe und die Pflege des Grabes vom Vater.

Der Schütze wurde vom Landgericht Mainz zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt. Er hatte bei seiner Festnahme angegeben, die Waffe an der betreffenden Stelle in den Rhein geworfen zu haben. An einer Patronenhülse fanden die Kriminaltechniker eine DNA-Spur, die mit jener am Streifenwagen identisch ist, in dem am 25. April auf der Heilbronner Theresienwiese zwei Polizisten mit Kopfschüssen niedergestreckt wurden. Der genetische Fingerabdruck fand sich außerdem noch an weiteren 20 Tatorten in Deutschland und Österreich. Er stammt von einer Frau, die die Polizei seit einem Mord 1993 in Idar-Oberstein sucht und von der sie nicht viel mehr hat als die DNA-Spur. Das mysteriöse Phantom hat kein Gesicht. Noch nicht.

Suche abgebrochen Was die Bruderfehde im Sinti-und-Roma-Clan mit dem Heilbronner Polizistenmord zu tun hat, darüber rätselt die Soko „Parkplatz“ noch. Die ominöse Unbekannte muss bei der Schießerei in Worms nicht dabei gewesen sein. DNA-Spuren lassen sich auch durch das Berühren von Gegenständen übertragen. Die Heilbronner Ermittler erhoffen sich durch den Waffenfund die Sicherung weiterer Spuren. Die Suche musste aber am Mittwoch abgebrochen werden, da der Wasserstand des Rheins zu hoch und die Strömung zu stark war.

Die Gesuchte könnte Mitglied der Sinti-und-Roma-Gemeinschaft sein oder mit ihnen durch die Lande ziehen. Das würde die hohe Mobilität erklären, die sich aus den breit gestreuten Tatorte schließen lässt. Diese Gedanken haben sich auch schon die Ermittler gemacht. Tatsächlich war die Heilbronner Theresienwiese in früheren Jahren ein beliebter Treffpunkt und Lagerplatz für Sinti und Roma.

Just am Tag des Polizistenmordes hielten sich allerdings einige mit ihren Wohnwagen auf der Heilbronner Theresienwiese auf. Unsere Zeitung hat die Angaben von zwei Zeugen, die dies belegen. Polizeisprecher Peter Lechner bestätigt, dass die betreffenden Personen am Rande des Geländes überprüft und ihre Personalien aufgenommen worden seien. Später verließen sie den Platz, zogen weiter.

Keine Anhaltspunkte Die Kontrolle habe „keine Anhaltspunkte“ dafür ergeben, dass sie etwas mit dem Polizistenmord zu tun haben, erklärt Lechner. Es könne jedoch nicht ausgeschlossen werden, dass sie zu dem weit verzweigten Wormser Familienclan gehören. Auf die Frage, ob die Polizei nun DNA-Proben von den Sinti und Roma nimmt, um diese mit ihrer „heißen Spur“ im Polizistenmordfall zu vergleichen, antwortet Peter Lechner: „Es wurde und wird alles Notwendige unternommen, um die Täter zu fassen.“

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