Polizei stellt „Sichere City“ nicht in Frage

Sprachlose Kollegen, entsetzte Familie: Streifendienst der Bereitschaftspolizei vorerst ausgesetzt

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Heilbronn/böblingen/oberweißbach - Eigentlich sollten sie mit ihren Streifengang für eine „Sichere City“ in Heilbronn sorgen. So heißt das Einsatzprojekt, mit dem das Heilbronner Innenstadt-Polizeirevier durch mehr Uniform-Präsenz die Straßenkriminalität reduzieren will. Mit großem Erfolg und großer Unterstützung der Bereitschaftspolizei aus Böblingen. Doch jetzt ist eine dieser Bereitschaftspolizisten tot. Die 22-Jährige wurde mit einem Kopfschuss regelrecht hingerichtet. Ihr 24-jährige Kollege wurde auch in den Kopf geschossen. Er schwebt in Lebengefahr.

Die Bereitschaftspolizei (Bepo) Böblingen hat ihre Unterstützung vorerst eingestellt. „Aus Schutz für die Kollegen“, sagt die Bepo-Pressesprecherin Susanne Motz. Die 13 Beamten, die mit den Opfern des Verbrechens am Mittwoch in insgesamt sieben Streifen in Heilbronn unterwegs waren, stehen unter Schock. Ihre Aufgabe war es, „das subjektive Sicherheitsgefühl der Bevölkerung zu erhöhen“, berichtet Heilbronns Revier-Leiter Andreas Mayer. Nun brauchen sie selbst Hilfe, sind vom Dienst freigestellt und werden in Böblingen von Seelsorgern und Konfliktberatern betreut. „Bei uns herrscht Betroffenheit pur, wir sind alle sprachlos“, sagt Bepo-Sprecherin Motz.

Alle Kollegen stellen sich vor allem eine Frage: Warum mussten die Bereitschaftspolizisten sterben? Ihr Einsatz war Routine, den die 22-jährige schon zigmal absolvierte. Die aus Oberweißbach (Thüringen, Landkreis Saalfeld-Rudolstadt) stammende junge Frau kannte das Viertel um die Theresienwiese in- und auswendig. Mit anderthalb Jahren Berufserfahrung war sie die Routiniertere in der der 5er-BMW-Streife. Ihr 24-jähriger Streifenpartner hatte seine Ausbildung dagegen gerade beendet und war zum ersten Mal in Heilbronn. Der gebürtige Bremer wird von der Bepo-Führung als „Leistungsträger“ bezeichnet. Er hatte gute Noten in der Ausbildung, identifizierte sich stark mit seinem Job. Ein fast noch besseres Zeugnis erhält die Tote: Sie habe sich durch starke Leistungen derart qualifiziert, dass sie für einen Dozentenposten bei der Bepo vorgesehen war. Außerdem galt sie als äußert beliebte und sympathische Kollegin und war - obwohl schon seit vier Jahren in Böblingen - noch immer stark ihrer alten Heimatstadt verbunden.

„Die Bestürzung ist hier groß“, berichtet Gerd Eberhardt, Geschäftsführer der Oberweißbacher Marketing GmbH. Die Familie sei in dem Ort sehr bekannt. Die Mutter ist Ortsvorsitzende der Arbeiterwohlfahrt und Mitarbeiterin der Sozialstation. Die Tochter war immer wieder übers Wochenende heim gefahren, wo sie sich - in Tracht - im Kirmesverein engagierte. Marketing-Chef Eberhardt charakterisiert die 22-Jährige als ruhig und hilfsbereit.

Ihr Tod stellt das Konzept der „Sicheren City“ nicht in Frage. „Wir sind damit seit Jahren sehr erfolgreich“, sagt Heilbronns Revierleiter Andreas Mayer. 2006 hätten die hauptsächlich von Bereitschaftspolizisten getragenen Kontrollen 150 Drogendelikte zur Anzeige gebracht. Die Böblinger Bepo-Streifen werden brennpunktorientiert eingesetzt, schwerpunktmäßig gegen die Rauschgiftszene in Heilbronn. Die Theresienwiese ist einer der Treffpunkte dieser Szene.