Polizei distanziert sich von privater Schutz-Aktion

Heilbronn  Gero Meier will die Stadt sicherer machen, mit Unterstützung von vielen Firmen und Privatleuten. Die Heilbronner Polizei betrachtet seine Aktion „Die helfende Hand Heilbronn“ sowie eine neu gegründete Gemeinschaft „Stadtspaziergang Heilbronn“ mit Skepsis.

Von Adrian Hoffmann

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Gero Meier vom Heilbronner Boxclub Thai Bulls sorgt sich um die Sicherheit der Bürger. Foto: Adrian Hoffmann

Gero Meier vom Boxclub Thai Bulls Heilbronn macht seit einigen Tagen mächtig Facebook-Werbung für die von ihm gegründete Aktion „Die helfende Hand Heilbronn“ – es gehe ihm um mehr Sicherheit und Schutz für Menschen, die sich bedroht fühlen, sagt der 49-Jährige im Gespräch mit der Heilbronner Stimme

Meier will Firmen und auch Privatleute in Heilbronn, der Region und darüber hinaus dazu motivieren, jederzeit Menschen Schutz zu bieten, die sich bedroht fühlen – die Firmen sollen dazu das Symbol einer Hand bei sich an den Eingängen oder auf den Autos anbringen, außerdem vertreibt er T-Shirts. Seine Idee hätte innerhalb kürzester Zeit eine riesige Resonanz erfahren. „Da will jeder mitmachen.“

Immer mehr Menschen in Deutschland beschleiche ein Gefühl der Angst, erklärt Gero Meier sein Anliegen – immer mehr Frauen und Kinder würden sich beim Boxtraining anmelden, um sich im Ernstfall verteidigen zu können. „Eine erschreckende Entwicklung“, so Meier. „Viele Frauen sind inzwischen komplett in ihrer Freiheit eingeschränkt, weil sie wissen, es kann ihnen immer und überall etwas passieren.“ Viele Menschen hätten heute Angst davor, was noch alles kommen wird in Zukunft. „Wir können nicht immer nur abwarten und abwarten.“

Ihm sei die Feststellung wichtig, dass keine politische Haltung hinter seiner Aktion stecke. „Keine Farben. Und es geht mir auch nicht um Tätergruppen“, sagt Gero Meier. „Sondern um den Schutz von Menschen, die sich bedroht fühlen. Um Opfer, die so oft vergessen werden.“ Es stehe auch keine Rockergruppierung hinter der „Helfenden Hand“, so Meier, der sehr genau weiß, dass er auf andere wirkt wie ein Rocker. Er sei Freerider, sagt er auf die Frage, ob er einer Gruppierung angehöre.

Polizei: Heilbronn zweitsicherste Großstadt im Land

Die Heilbronner Polizei betrachtet die Aktion mit Skepsis. Mit dem Anmeldemotto „Die helfende Hand Heilbronn “ werde das Motto eines Förderpreises des Bundesinnenministeriums - Helfende Hand - für eigene und vom Förderpreis abweichende Zwecke instrumentalisiert, heißt es in einer Bewertung. „Das ist als fragwürdig zu bezeichnen“, sagt Polizeivizepräsident Hans Becker.

Es werde der Eindruck erweckt, dass die Sicherheit auf den Straßen von Heilbronn nicht mehr gewährleistet sei, so Becker weiter. „Dies lässt sich allerdings mit unseren objektiven Zahlen in keinster Weise belegen.“ Heilbronn sei nach wie vor die zweitsicherste Großstadt in Baden-Württemberg. 

Das Motto „Die helfende Hand“ beeinträchtige das Sicherheitsgefühl des Bürgers, kritisiert der Polizeivize. „Da der Anschein erweckt wird, dass die eigentlich zuständigen Sicherheitsbehörden und auch die Stadt nicht mehr in der Lage wären, ausreichend für Schutz und Sicherheit sorgen zu können.“ Diesem Eindruck müsse entschieden entgegen getreten werden.

Eine ähnliche Motivation wie Gero Meier mit seiner Aktion beansprucht auch die neue Gemeinschaft „Spaziergang Heilbronn“; Meier ist einer der Facebook-Administratoren der Seite.

Mitglieder dieser Gruppe (Facebook-Motto „Gemeinsam sind wir stark“) haben sich am vergangenen Wochenende zum ersten Mal in der Stadt versammelt und sind gemeinsam durch die Innenstadt „spaziert“ – bis zur Götzenturmbrücke, wo es am 24. Juli zu einer größeren Schlägerei gekommen war.

Bezüge zum Rockermilieu

Nach Informationen der Heilbronner Stimme gibt es hier deutliche Bezüge zu Rockermilieu und Türsteher-Szene - die beiden Gründer der Gruppe sind ein Ex-Mitglied der Hells Angels und ein Ex-Mitglied der Osmanen Germania Heilbronn.

„Wir sind keine Art von Bürgerwehr oder rechter Gesinnung noch sonst irgendetwas in dieser Richtung“, schreibt einer der Administratoren auf Facebook. Wer dumme Kommentare poste, fliege sofort raus. „Wir lassen uns diese Aktion – die schon überfällig war – nicht von irgendwelchen Spinnern kaputt machen.“ Man wolle sich diesen Mist, wie er gerade in den Städten ablaufe, nicht mehr gefallen lassen. 

„Wenn jemand in mein Land kommt und Hilfe benötigt bin ich der letzte, der diesen Menschen keine Hilfe anbieten würde.“ Andererseits könne es aber auch nicht sein, dass diese Leute sich hier aufführten wie im Dschungel. „Die Gewalt kam leider mit den Flüchtlingen. Es ist die Minderzahl, die Scheiße baut, und auch nicht richtig, dass der Rest darunter leiden muss.“ Es dürfe aber einfach „nicht sein, dass die Bürger Angst haben, in die Stadt zu gehen“. Das brauche niemand schönreden, heißt es in dem Beitrag.

„Uns ist nicht wohl dabei“, sagt Polizeisprecher Rainer Köller zur nächsten geplanten Versammlung der Spaziergang-Gemeinschaft. „Wir werden das jetzt beobachten.“ Über das Ziel der Gruppe könne man derzeit wenig sagen.


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