„Phallocaust III“ sorgt für Diskussionen

Heilbronn - Bildhauer Franz Gutmann bedauert es, dass sein Kunstwerk nicht mehr im Heilbronner Stadtbild zu sehen ist - und das auch so bleiben soll. Man hätte den Eichenstamm durchaus noch restaurieren können, sagt der 81-jährige Künstler auf Anfrage.


Heilbronn - Bildhauer Franz Gutmann bedauert es, dass sein Kunstwerk „Phallocaust III“ nicht mehr im Heilbronner Stadtbild zu sehen ist – und das auch so bleiben soll (wir berichteten). Man hätte den Eichenstamm durchaus noch restaurieren können, sagt der 81-jährige Künstler aus Münstertal bei Freiburg auf Anfrage der Heilbronner Stimme.

Teure Restaurierungskosten

Nach Angaben von Marc Gundel, Leiter der Städtischen Museen Heilbronn, würde eine Restaurierung des Holzpenis allerdings die Anschaffungskosten von damals 11.000 D-Mark um ein Vielfaches übersteigen. Und das stehe in keinem Verhältnis. „Da habe ich eigentlich gar keine Wahl, ich bitte hier um Verständnis.“

Hintergrund sei nicht, dass man das Objekt habe loswerden wollen. Ein Kunstwerk aus Holz sei nun mal der Vergänglichkeit unterworfen, sagt er. Das sei bei anderen Kunstwerken genauso. Hätte man früher etwas an dem Eichenstamm gemacht, hätte dieser Prozess vielleicht verlangsamt werden können. Aber so, wie der „Phallocaust“ zuletzt aussah, „war er nicht mehr repräsentativ“.

Um das Kunstwerk richtig zu restaurieren, müsste man ihn zudem um anderthalb Meter kürzen. Zu sehr hat der Pilzbefall der Eiche schon geschadet. „Aber wie sieht das dann aus?“, fragt Gundel. „Ich bin souverän genug, dass mir da als Mann kein blöder Vergleich einfällt.“

Trocknung als Heilmittel

Nach Einschätzung des Künstlers Gutmann wäre eine Restaurierung aber auch billiger und mit einfachen Mitteln zu haben. Der hölzerne Riesenpenis, der seit 1995 in Heilbronn zunächst im Deutschhof, dann in der Oberen Neckarstraße beim Götzenturm lag, müsste seiner Ansicht nur getrocknet werden und dann auch im Trockenen bleiben. Die entstandenen Baumpilze könne man einfach abschlagen.

Die Heilbronner Geschichte von Phallocaust III ist lang. Man erblickte ihn hier erstmals 1995, er lag lange Zeit im Deutschhof. Foto: Archiv/Kugler


Auf Perfektion legt der Bildhauer hier keinen Wert. „Es ist ja auch eine Skulptur, die das Kaputtgehen zum Thema hat“, sagt er. Ein Objekt, das auf den Tod hinweise und den Untergang der Welt – deshalb hatte Gutmann den Stamm auch zum Teil angebrannt und angekohlt, als er ihn 1984/1985 geschaffen hatte.

Streitobjekt

Der sechs Meter lange und ein Meter breite Penis sollte „kein erotisches Objekt sein“. Deshalb habe er die Aufregung darum auch nie verstehen können. „Aber so etwas muss man als Künstler akzeptieren“, sagt Gutmann, der vor seiner Zeit als Bildhauer unter anderem zwei Semester Theologie studierte. Natürlich habe die Öffentlichkeit das Werk teilweise als provokativ empfunden. Viele Menschen regten sich eben auf, „weil sie christlich erzogen wurden und aus christlicher Sicht ist das Geschlechtsteil obszön“.

Früher sei der „Phallocaust“ in der Tat ein Streitobjekt gewesen, sagt Museumsleiter Marc Gundel. Das sei aber schon lange nicht mehr so. „Die Menschen haben heute eine andere Wahrnehmung.“

Trotzdem begeistert sich auch heute noch nicht gerade jeder für das Objekt. Manch einer stellt auch durchaus die Frage, zum Beispiel in den Kommentaren zum Thema auf stimme.de, was es denn überhaupt mit Kunst zu tun habe, aus einem Stamm einen Penis zu schnitzen? Darauf lässt sich Franz Gutmann allerdings nicht ein. „Das bin ich ja gewohnt, solches Geschwätz.“ Ein weiterer Leser schreibt in unserem Diskussionsforum: „Mit oder ohne Pilz, der verkohlte Holzpenis gehört zu Heilbronn wie der Neckar und das Käthchen.“

Letzte Ruhestätte

Bildhauer Gutmann ist sich sicher: Wenn man den „Phallocaust III“ von Anfang an überdacht hätte, wäre er 100 Jahre erhalten geblieben. In den vergangenen Jahren hätten ihm Regen und Schnee eben sehr zugesetzt. Museumsleiter Gundel würde gerne eine einvernehmliche Lösung mit dem Künstler finden und möglicherweise einen Ort in Heilbronn finden, der dem „Phallocaust“ als letzte Ruhestätte dienen könnte. Vielleicht am Wartberg. „Wir werden da nochmal in uns gehen“, so Gundel.



Weitere Infos über Franz Gutmann auf wikipedia.de