Oldies wollen weiter in die Stadt

Der Kiliansplatz war am Sonntagmittag voll von Oldtimern. Wohl an die 500 Fahrzeugbesitzer waren in Heilbronn dem Aufruf zum bundesweiten Aktionstag der Oldtimerclubs gegen die Feinstaub-Fahrverbote für ihre automobilen Schätze gefolgt

Von Heiko Fritze

Oldies wollen weiter in die Stadt
Im Konvoi nach Ilsfeld: Die typische Oldtimer-Sonntagsausfahrt einmal anders.

Fotos: Dittmar Dirks

FEINSTAUB - Freunden alter Autos stiegen fast schon die Tränen in die Augen: Der Kiliansplatz war am Sonntagmittag voll von Oldtimern, die Wagen stauten sich bis hoch auf die Allee, weitere mussten auf der ´Theresienwiese warten. Wohl an die 500 Fahrzeugbesitzer waren in Heilbronn dem Aufruf zum bundesweiten Aktionstag der Oldtimerclubs gegen die Feinstaub-Fahrverbote für ihre automobilen Schätze gefolgt. „Das hätten wir in unseren kühnsten Träumen nicht erwartet“, sagte Hans-Walter Benz, Vorsitzender des VW-Käfer-Clubs Heilbronn.

Nicht nur die Volkswagen mit dem typischen Buckel, die jahrzehntelang die deutschen Straßen prägten, waren zahlreich vertreten. Der 2CV-Club hatte seine Enten aus den Garagen geholt, das Trabant-Team Hohenlohe war gekommen, der Fiat Club Heilbronn und viele mehr. In dem Konvoi, der sich gegen 14.15 Uhr langsam in bewegung setzte, fuhren Cadillacs und Plymouths, drei Rolls Royce und ein Messerschmidt Kabinenroller, Autos verschwundener Marken wie DKW, Borgward, NSU Prinz, alte und neuere Renaults, Citroens, BMWs und Mercedes, Jeeps und Militärlaster, VW-Busse und Motorräder von NSU bis zur Horex.

Nur noch rausschieben Abgesehen von den Motorrädern droht allen vom nächsten Jahr an das gleiche Schicksal: Sie dürften in der Stadt Heilbronn nicht mehr fahren, sobald die Feinstaubverordnung in Kraft tritt. Die Besitzer der liebevoll gepflegten Fahrzeuge können das nicht verstehen. Etwa Olaf Engels aus Heilbronn-Biberach, der mit seinem 77 Jahre alten Rolls Royce 2025 gekommen ist. „Ich fahre vielleicht 500 Kilometer im Jahr mit diesem Wagen“, erzählt er. „Das ist doch gar nichts.“ Dabei hat Engels einen automobilen Schatz, von dem es heute noch Unterlagen aus den 30er Jahren gibt. Die Teilnahme ist Ehrensache - „wir müssen Präsenz zeigen“.

Oldies wollen weiter in die Stadt
Schmuckstücke im Sonnenschein: Zum Aktionstag der Oldtimerclubs gegen ein Feinstaub-Fahrverbot versammelten sich mehr als 100 Fahrzeuge auf dem Kiliansplatz - der Rest musste in den Nebenstraßen parken.
Auch Kurt Maier aus Nordhausen besitzt ein Vorkriegsauto, einen Aero Prag, Baujahr 1938. „Das ist mehr oder weniger ein Auto für sonntags“, erzählt er. 1200 Kilometer fährt er vielleicht noch pro Jahr. „Man sollte lieber bei Flugzeugen oder der Industrie eingreifen, statt unsere Oldtimer anzuprangern“, meint er.

Bei manchen hätte das Fahrverbot auch direkte Folgen - etwa bei Margret und Thomas Feeser aus Heilbronn. „Wir müssten unsere Ente dann bis zur Neckartalstraße schieben, um sie fahren zu können“, erzählen sie. Margret Feeser müsste aber dann ihre Sportstunden aufgeben, die sie im Pfühlpark anbietet - „ich käme ja nicht mehr dorthin.“ Es sei keine Frage, dass man etwas tun müsse - „aber hier stimmen die Relationen nicht. Dann soll man doch erstmal den Porsche Cayenne oder den Audi Q 7 einschränken.“

Bevor der Korso sich in Bewegung setzte - alleine die Abfahrt vom Kiliansplatz dauerte eine halbe Stunde - rief Hans-walter benz die Autofreunde zu Widerstand auf. „Wir verlangen Gleichbehandlung aller Verkehrsteilnehmer“, sagte er. Oldtimer von den Straßen fernzuhalten sei so, als dürfe man nicht mehr in Schlössern wohnen, weil sie nicht wärmegedämmt sind. Vereinsmitglied Konrad Ebser rief die Betroffenen auf, Widerspruch gegen die Verordnung einzulegen.

Anschließend fuhren sie noch einmal. Bei bestem Oldtimerwetter.