Neues Probenzentrum für das Theater

Heilbronn  Für das Theater Heilbronn brach am Freitag eine neue Zeit an: Auf einem Grundstück an der Ecke Christophstraße/Hans-Seyfer-Straße wurde der Grundstein für einen Neubau mit drei Probebühnen gelegt.

Von unserem Redakteur Joachim Friedl

Neues Probenzentrum für das Theater

Dieses Modell zeigt den Blick von der Christophstraße auf den Probebühnen-Neubau. Im Sommer des kommenden Jahres soll der kubische Baukörper fertig sein.

Für das Theater Heilbronn brach am Freitag eine neue Zeit an: Auf einem Grundstück an der Ecke Christophstraße/Hans-Seyfer-Straße wurde der Grundstein für einen Neubau mit drei Probebühnen gelegt. Im Sommer 2017 soll das 5,2 Millionen Euro teure Gebäude eingeweiht werden.

Das 1982 am Berliner Platz bezogene Schauspielhaus hat keine Probebühnen, weil es als "Bespieltheater" ohne eigenes Ensemble konzipiert war.

Weitsicht

Seit mehr als drei Jahrzehnten proben die Heilbronner Theaterleute deshalb in Provisorien in der Alten Kelter und in alten Werkstätten an der Paulinenstraße. "Die Bedingungen waren extrem und eines professionellen Theaters unwürdig", bekannte auf der Baustelle Oberbürgermeister Harry Mergel. Beim neuen Probenzentrum gehe es nicht um Luxus, sondern um ein Projekt, das aus Verantwortung für die Schauspieler, Techniker und das gesamte Theaterteam nicht länger hinausgezögert werden könne.

Das Theater bezeichnete Mergel als kulturellen Mittelpunkt der Region, das bestens zu unterhalten verstehe, sich aber nicht scheue, auch schwierige Themen und Stücke aufzugreifen. Neben der Kunsthalle Vogelmann, der Experimenta, dem Otto-Rettenmaier-Haus und dem Deutschhof sei die darstellende Kunst der Garant dafür, dass das Kulturleben in der Stadt weiter stark bleibe: "Heilbronn hat den kulturellen Bereich ausgebaut, als andere Kommunen hier abgebaut haben", lobte Mergel die Weitsicht des Gemeinderats.

Von einem "schönen Tag" sprach am Freitag Axel Vornam. Fünf Jahre lang hat der Heilbronner Theaterintendant mit großer Hartnäckigkeit für das Probenzentrum gekämpft, um dem "Kabinett des Grauens" ein Ende zu bereiten. 15 Immobilien seien in den Jahren erkundet, aber stets wieder verworfen worden.

"Die neuen Probebühnen sind für uns Theaterleute nicht nur eine Frage von deutlich verbesserten Arbeitsbedingungen, sondern von großer Symbolkraft. Es ist eine Wertschätzung unserer künstlerischen Arbeit", freute sich Vornam. Eine Kostprobe lieferte Schauspieler und Kilianspreisträger Gabriel Kemmether, der Texte von John Ruskin und Bertolt Brecht rezitierte.

Neues Probenzentrum für das Theater

Ein historischer Augenblick in der Heilbronner Theatergeschichte: Grundsteinlegung für das Probenzentrum mit OB Mergel und Axel Vornam (rechts).

Foto: Mario Berger

 

Neuer Geist

"Mit den Probebühnen zieht ein neuer Geist in das Quartier", sagte Wolf-Dieter Sprenger von der Stadtsiedlung. Das Heilbronner Wohnbauunternehmen fungiert als Projektentwickler, Generalunternehmer ist die Bilfinger Hochbau GmbH. Sprenger versicherte, dem Theater-Team eine gute Arbeitsstätte zu bauen, "in der sich die Schauspieler wohlfühlen werden".

Als "kreative Produktionsstätte" bezeichnete Gerd Grohe vom Stuttgarter Architekturbüro Kohler Grohe das Probenzentrum, das sich städtebaulich einmal als Riegel mit industriellem Charakter entlang der Christophstraße abzeichnen werde. Das Projekt sei einfach, beinhalte aber alles, damit sich die Akteure ganz auf den Schaffensprozess der Bühnenproduktionen konzentrieren könnten. Auf die benachbarte Wohnbebauung mit den sogenannten Holland-Häusern werde der Neubau Rücksicht nehmen.

Auf dem Areal des Probebühne-Provisoriums an der Paulinenstraße entsteht ein Studentenwohnheim mit 106 Einzelappartements und 30 Tiefgaragenstellplätzen.