Neue Rekordmarke beim Vorlesetag

Kinder genießen die Aktion "Mann liest vor" mit 165 Teilnehmern. Der bundesweite Vorlesetag ist auch in Heilbronn mittlerweile eine Erfolgsgeschichte.

Von unserem Redakteur Carsten Friese

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Der 70-jährige Rentner ist der Star, als er am Freitag auf dem Fußboden im Frankenbacher Seniorenzentrum Leintal umringt von Kindergartenkindern und Heimbewohnern sitzt. Am Aktionstag "Mann liest vor" hat Fred Dausel das Text- und Bilderbuch "Die Uhr meiner Großmutter" mitgebracht. Gebannt hängen die Knirpse vom Kindergarten Friede von Cotta an seinen Lippen, als er von Jahreszeiten, Stunden, Minuten, Sekunden erzählt, die Kinder auch nach Lieblingstieren fragt. Wie lang eine Sekunde ist? "Fasst mal an euer Herz", gibt der frühere Diakonie-Mitarbeiter vor. Immer wenn ein Herz schlage, sei eine Sekunde rum.

Spürsinn

Der bundesweite Vorlesetag ist auch in Heilbronn mittlerweile eine Erfolgsgeschichte. Von anfangs 40 Teilnehmern stieg die Zahl rasch über 70 und 91 auf 138 Männer, die mitmachten. Am Freitag waren es 165 - die bisherige Bestmarke. Organisatorin Gisela Eisert vom Freundeskreis der Stadtbibliothek hat keine Probleme mehr, Vorleser zu vermitteln. 20 Schulen mit 140 Klassen und 50 Kindertageseinrichtungen machten am Freitag mit und kamen in den Genuss von 215 Vorlesestunden, weil einige Männer sogar mehrfach vorlasen.

Ob Handwerkskammer-Hauptgeschäftsführer Ralf Schnörr, DGB-Regionsvorsitzender Bernhard Löffler, Dekan Otto Friedrich, Stimme-Chefredakteur Uwe Ralf Herr oder City-Manager Jörg Plieschke: Auch viele Prominente der Region sind im Vorleserfeld vertreten, engagieren sich für die gute Sache, Lesekompetenz zu fördern. Polizeichef Roland Eisele trug zum Beispiel in der Gerhart-Hauptmann-Schule knifflige kindgerechte Kriminalgeschichten vor. "Die Kinder haben den richtigen Täter jedes Mal erraten, da haben viele kriminalistischen Spürsinn", war er nach dem kurzweiligen Termin erfreut. Stimme-Redakteur Helmut Buchholz war in der Meseno-Kindervilla beeindruckt, wie der anfangs hohe Lärmpegel plötzlich in sich zusammenfiel, als er zu lesen begann. Kein Wunder, hatte er doch Ottfried Preußlers Kultbuch "Das kleine Gespenst" ausgesucht. Angst vor Gespenstern hatte kaum jemand. Viele haben angeblich schon welche gesehen. "Meines hat mir nachts im Zimmer sogar schon mal einen Kuss gegeben", verriet ein Mädchen keck.

Rentner Fred Dausel ist auch sonst als Vorlesepate im Einsatz. "Zu Hause wird Kindern heute nur selten vorgelesen, das ist schade." Die sechsjährige Silvana fand die Geschichte von Großmutters Uhr "sehr schön". Wie oft ihr daheim vorgelesen wird? "Ab und zu."

Das erste Mal

Kindergartenleiterin Angelika Mössner sagte auf Dausels Idee sofort zu, den Vorlesetag einmal im Seniorenzentrum zu gestalten, die Senioren auch mit gemeinsamen Liedern einzubeziehen. Ob Kindern viel oder wenig vorgelesen werde, "spürt man schon: bei der Konzentration und vom Wissenshintergrund", weiß Mössner aus Erfahrung. Es gebe Kinder, "die bekommen bei uns das erste Mal ein Buch in die Hand."