Neue Hafenbahnbrücke geht in Betrieb

Heilbronn - Die neue Hafenbahnbrücke über den Alten Neckar ist fertiggestellt: Der erste Güterzug fuhr jetzt über das 105 Meter lange Bauwerk. Der außergewöhnliche Transport des 800 Tonnen schweren Brückenkörpers erregte zuvor viel Aufsehen.

 

Heilbronn - Die neue Hafenbahnbrücke über den Alten Neckar ist fertiggestellt: Der erste Güterzug fuhr jetzt über das 105 Meter lange Bauwerk. Nach dem spektakulären Einschwimmen des 800 Tonnen schweren Brückenkörpers und den sich anschließenden Montage-, Anschluss und Gleisarbeiten konnte das Eisenbahnbundesamt die Brücke Ende Juni abnehmen und für den Betrieb freigeben.

Damit ist die neue Brücke nach eineinhalbjähriger Bauzeit rechtzeitig zur Einweihung des trimodalen Container-Terminals im Wohlgelegen Ende Juli in Betrieb gegangen. Schon jetzt gehörte die Hafenbahnbrücke zu den meistbefahrensten Streckenabschnitten im 23 Kilometer langen Netz der Heilbronner Industrie- und Hafenbahn.

„Mit dem neuen Terminal wird die Bedeutung für den Wirtschaftsstandort Heilbronn weiter wachsen“, ist sich Erste Bürgermeisterin Margarete Heidler, Aufsichtsratsvorsitzende der Stadtwerke Heilbronn GmbH, sicher. Die Eigentümerin des Netzes hat 8,8 Millionen Euro investiert.

 



Per Hafenbahn wurden im Jahr 2011 rund 21.000 Waggons mit zirka 877.000 Tonnen Ladung transportiert. Davon müssen laut Stadtwerke-Geschäftsführer Manfred Schmidt rund 85 Prozent die Hafenbahnbrücke passieren, die insbesondere das EnBW-Kraftwerk, die Südwestdeutsche Salzwerke AG sowie Betriebe am Alten Neckar, am Osthafen, in der Karl-Wüst-Straße und in der Dieselstraße an das Schienennetz der Deutschen Bahn anbindet.

„Die Erneuerung der von Fußgängern, Radfahrern und der Hafenbahn genutzten Brücke im Industriegebiet war notwendig, weil die alte Brücke aus dem Jahr 1955 starke Korrosionsschäden aufweist, die ihre Standsicherheit auf Dauer gefährdete“, weiß Hafendirektor Wolfgang Feger.

Die neue Brücke wurde zirka 15 Meter östlich der alten Brücke, parallel zur Paul-Metz-Straßenbrücke, gebaut. Baufirmen waren Wolff & Müller (Stuttgart) für die Fundamente und Verkehrsanlagen sowie MCE Stahl- und Maschinenbau (Linz) für die Stahlkonstruktion. Für die Planung zeichnete das Büro Boll und Partner. Beratende Ingenieure VBI (Heilbronn) verantwortlich.

Die alte Brücke wird ab Herbst aufs Land versetzt und dort ohne Beeinträchtigung des Straßen-, Schienen- und Binnenschiffsverkehres zerlegt. Zum Abschluss der Arbeiten wird die Spundwand auf der Nordseite des Neckars zwischen der Salzhafeneinfahrt und der alten Gleisbrücke durchgehend verschlossen.  

Spektakulärer Brückentransport

 

 

Den Anblick gab es nicht alle Tage: im Dezember letzten Jahres wurde die 900 Tonnen schwere neue Heilbronner Hafenbahnbrücke über den Neckar geschoben und gezogen. Auf Rollen und auf einer schwimmenden Plattform war das andere, 80 Meter entfernte Ufer knapp zwei Stunden später erreicht. Den Einbau der neuen Hafenbahnbrücke am Areal Wohlgelegen, neben der Paul-Metz-Brücke verfolgten auch Zaungäste.

„Wir haben, gemeinsam mit erfahrenen Fachfirmen, monatelang auf diesen Tag hingearbeitet“, so der Brückenexperte Bernhard Neumann vom Amt für Straßenwesen.

Zuvor war der Stahlkoloss auf einem Montageplatz etwa 200 Meter vom Ufer entfernt zusammengeschweißt worden. Am Anfang wurde die vordere Spitze des Bauwerks vorsichtig auf einen Schwimmponton aufgesetzt und mit Hilfe der sich noch an Land befindlichen hinteren Plattformwagen über den rund 80 Meter breiten Neckar-Altarm geschoben. Anschließend setzten die Fachfirmen die Brücke auf die beiden Widerlager nördlich und südlich des Neckars ab.

Für den Transport der Brücke werden vier Modultransporter-Kombinationen der Ulmer Herstellerfirma Kamag eingesetzt. Der gesamte Fahrzeugverbund umfasst 160 Räder, die zusammen eine Nutzlast von mehr als 1250 Tonnen tragen können. Kamag ist genauso wie die Pfedelbacher Fahrzeugfabrik Scheuerle Teil der TII Group - Weltmarktführer in der Entwicklung und Herstellung von Schwerlastfahrzeugen - des Heilbronner Multiunternehmers Otto Rettenmaier. Eigentümer der Modultransporter ist der belgische Logistikspezialist Sarens, eines der größten Schwer- und Spezialtransportunternehmen der Welt, das den Brückentransport verantwortet. red