Näher heranrücken an die Patienten

Klinikum am Weissenhof eröffnet zwei Tageskliniken für Allgemein- und Gerontopsychiatrie

Von Thomas Dorn

Näher heranrücken an die Patienten
Kleine Dienstbesprechung: Chef- und Oberärzte, Psychologen und Stationsleiter der beiden Tageskliniken stimmen sich ab.Fotos: Dittmar Dirks

Heilbronn - Rund drei Millionen Euro hat das Weinsberger Klinikum am Weissenhof in den neuen Standort Heilbronn investiert: In der ehemaligen Privatklinik Dr. Reinhard in der Gutenbergstraße werden am Freitag die beiden Tageskliniken für Allgemeine Psychiatrie und für Gerontopsychiatrie offiziell eröffnet. Der Betrieb läuft bereits seit Anfang des Monats.

„Die Tagesklinik ist jetzt da, wo sie hingehört.“ Professor Hans-Jürgen Luderer, Chefarzt der Allgemeinpsychiatrie in Weinsberg, ist überzeugt, dass der Umzug in die Großstadt Heilbronn richtig war - obwohl die tagesklinische Station auf dem Weissenhof erst im Januar 2006 in Betrieb gegangen ist. Die neue Klinik sei mit öffentlichen Verkehrsmitteln einfach besser zu erreichen und rücke damit näher an den Patienten heran.

Soziale Kontakte Die Tagesklinik beschreibt Luderer als „richtige Station, nur ohne Betten“. Die Patienten halten sich hier nur tagsüber auf, wohnen und schlafen aber zu Hause. Sie halten also engeren Kontakt zur Familie und zum sozialen Umfeld als bei einem stationären Klinikaufenthalt. Diese ständige „Prüfung an der Realität“ sieht Luderer als wichtigen Aspekt. Andererseits setzt die tagesklinische Behandlung eine gewisse „Selbstständigkeit und Absprachefähigkeit“ voraus, so Stationsleiter Rüdiger Knorr. Bei schwereren Erkrankungen ist nach wie vor eine vollstationäre Aufnahme sinnvoll, die den Patienten - und auch die Angehörigen - stärker entlastet.

Näher heranrücken an die Patienten
Im vergangenen Jahr hat das Klinikum am Weissenhof das Gebäude der ehemaligen Privatklinik Dr. Reinhard gekauft. Hier ist die neue Tagesklinik untergebracht.
Für Dr. Rainer Schaub, den Chefarzt der Gerontopsychiatrie, macht es die Tagesklinik möglich, den Übergang von der vollstationären zur ambulanten Versorgung optimal zu gestalten. Zumal im Heilbronner Haus auch der soziale Dienst vor Ort ist. Er ist Ansprechpartner für finanzielle und berufliche Fragen, hilft aber auch, wenn es zum Beispiel darum geht, für einen Patienten eine seniorengerechte Wohnung zu finden. „Die Menschen sollen ja nicht in der sozialen Isolation landen“, so Schaub.

Viele Therapieangebote Während in der Tagesklinik für Allgemeinpsychiatrie sämtliche Diagnosen behandelt werden, setzt die gerontopsychiatrische Station ihren Schwerpunkt auf Depressionen und Angsterkrankungen. In beiden Tageskliniken sind die Patienten in der Regel zwischen 8.30 und etwa 16 Uhr im Haus. Nach der gemeinsamen Begrüßungsrunde, in der Empfindungen, Erwartungen und Erlebnisse geschildert werden, gehen sie in die Therapiegruppen. Die Angebote sind vielfältig. Es gibt Kunst-, Ergo- und Tanztherapie, Gedächtnisübungen und soziales Kompetenztraining. In der psychoedukativen Gruppe bekommen die Patienten viele krankheitsbezogene Informationen, in der Körperwahrnehmungsgruppe lernen sie, auf körperliche Signale zu achten.

Neben Einzelgesprächen mit Ärzten und Psychologen ist auch „das Einbeziehen der Familie ganz, ganz wichtig“, so Gerlinde Meyle, Stationspsychologin in der Allgemeinpsychiatrie. Angehörige sind übrigens auch beim Kaffeetrinken willkommen, wenn die Ergebnisse der Backtherapie auf den Tisch gestellt werden. Die Küche ist aber tatsächlich nur „Therapieküche“. Mittagessen wird hier nicht gekocht. Das können die Patienten im benachbarten Seniorenzentrum einnehmen.

Hintergrund

Tageskliniken

Die Tagesklinik für Allgemeine Psychotherapie und Psychiatrie mit 20 Plätzen ist von Weinsberg nach Heilbronn umgezogen. In der Region ist sie eine von drei Tageskliniken für Patienten im jüngeren und mittleren Lebensalter. Auch am Klinikum Ludwigsburg und am Diakonissenkrankenhaus in Schwäbisch Hall gibt es solche Angebote. Bei der Tagesklinik für Gerontopsychiatrie und Psychotherapie handelt es sich dagegen um ein vollständig neues Angebot in der Region. 15 Plätze stehen für die Behandlung älterer Menschen zur Verfügung. Ob sie langfristig ausreichen, ist fraglich, denn die Zahl der über 65-Jährigen wird allein in Stadt und Landkreis Heilbronn in den nächsten 20 Jahren von derzeit etwa 85 000 auf 120 000 steigen. dor