Mehr Hinweise auf den Bäcker

Der Siegelsbacher Bäckermeister Alfred B. geriet nicht nur wegen des unaufgeklärten Mordes an Manuela Kreis, der nun zwölf Jahre zurückliegt, ins Visier der Fahnder. Sie hatten ihn auch wegen eines weiteren Mordes und zweiten Banküberfalls im Auge

Von Helmut Buchholz

Mehr Hinweise auf den Bäcker
Das Grab von Manuela Kreis in Siegelsbach: Zwölf Jahre nach dem Mord an der 16-Jährigen gibt es „vage und unkonkrete“ Hinweise, dass der Bäckermeister aus ihrem Heimatdorf etwas mit dem Verbrechen zu tun haben könnte.Foto: Adrian Hoffmann
Siegelsbach/Bad Rappenau - Der Siegelsbacher Bäckermeister Alfred B. geriet nicht nur wegen des unaufgeklärten Mordes an Manuela Kreis, der nun zwölf Jahre zurückliegt, ins Visier der Fahnder. Sie hatten ihn auch wegen eines weiteren Mordes und zweiten Banküberfalls im Auge.

Der 49-Jährige, der wegen eines brutalen Banküberfalls auf die Siegelsbacher Sparkassenfiliale 2004 in U-Haft sitzt, „war auch eine Spur im Mordfall Duttiné“, bestätigt die Heilbronner Staatsanwältin Michaela Molnar Informationen unserer Zeitung. Als die 81-jährige Geschäftsfrau Ende 2006 in ihrer Bad Rappenauer Wohnung ermordet wurde, war Alfred B. nach dem erstinstanzlichen Freispruch im Banküberfall zeitweilig auf freiem Fuß.

Zunächst war angenommen worden, dass Duttiné mit einem Schuss in den Hals getötet wurde. Einem Kunden war beim Banküberfall 2004 in Siegelsbach ebenfalls in den Nacken geschossen worden. Als sich herausstellte, dass Duttiné in Wirklichkeit erstochen wurde, sei auch schnell klar gewesen, dass die Spur „Alfred B.“ nicht weiterführt, so Molnar. Der Verdacht erwies sich tatsächlich als abwegig: Heute wird ein 22-jähriger Russlanddeutscher vom Heilbronner Landgericht für den Mord verurteilt.

Die Staatsanwaltschaft überprüfte Alfred B. auch wegen eines unaufgeklärten Banküberfalls 2003 auf dieselbe Sparkassenfiliale in Siegelsbach. Es wurden keine Anhaltspunkte gefunden, dass er der Täter war.

Unterdessen räumt die Heidelberger Polizei Ermittlungen gegen Alfred B. ein. Es habe gleich nach dem Banküberfall 2004 mehrere Hinweise gegeben, die den Bäckermeister auch in Verbindung mit dem Mordfall Kreis bringen, berichtet deren Sprecher Norbert Schätzle. „Die Verdachtsmomente sind aber noch so vage und unkonkret, dass man Alfred B. nicht als Tatverdächtigen bezeichnen kann.“

Die Ermittlungen seien in einem zu frühen Stadium, um mehr zu sagen, so Schätzle. Die Spurensuche wird sich zwölf Jahre nach dem Verbrechen sicherlich schwierig gestalten. Und das Erinnerungsvermögen der Zeugen lässt mit der Zeit nach.

Der Bäckermeister und seine Rechtsvertreter sehen „das Ganze mit großer Gelassenheit“, wie Anwältin Esther Kunz berichtet. Dass zwölf Jahre nach dem Mord Hinweise gegen ihren Mandanten auftauchen, „scheint mir relativ absurd zu sein“, sagt sie und fügt an: „Man kann Alfred B. ja jetzt mit allen unaufgeklärten Mordfällen im Umkreis in Verbindung bringen. Wenn es nicht so traurig wäre, müsste man drüber lachen.“

„Das hat man schon lange gemunkelt”

Schon früh am Morgen haben viele Menschen in Siegelsbach die Nachricht vernommen: Der Bäckermeister Alfred B. soll möglicherweise in den Mordfall Manuela Kreis verwickelt sein. Diese Neuigkeit ist gestern zum dominanten Gesprächsthema geworden. Manche Menschen zeigten sich voller Skepsis angesichts dieser Meldung, andere sagten unverblümt: Wirklich erstaunt habe sie diese Veröffentlichung nicht. „Das hat man schon lange gemunkelt”, so der Kommentar einer Frau im Ort.

Gerüchte Die Bäckerei B. in der Hauptstraße sieht aus wie immer in den vergangenen Monaten, die Rollläden sind heruntergelassen, kein Mensch hält sich vorm Haus auf. Ein Anwohner will gesehen haben, wie die Kripo vergangene Woche den alten Mercedes von Alfred B. abgeholt hat. Es wird viel erzählt in Siegelsbach, seit drei Jahren ist das so. Es gibt Gerüchte, und alle paar Monate kommen neue dazu. „Manchmal dauert es lange, bis alles ans Tageslicht kommt”, sagt eine Frau.

Erinnerungen an 1995 Auch auf dem Siegelsbacher Friedhof wird über die angebliche Verbindung vom Bäcker Alfred B. zum Mordfall Manuela Kreis gesprochen. Dort liegt das Mädchen begraben, das im Alter von 16 Jahren ermordet worden war. Ein Mann, der drei Reihen weiter ein Grab pflegt, erinnert sich noch an die Tage und Wochen nach diesem Mord. Er habe mit seinen Feuerwehrkameraden die umliegenden Wälder durchkämmt. Immer und immer wieder, ohne fündig zu werden. Für ihn klingt die neue Nachricht verwirrend. Es gibt so einige Fragen, die sich ihm stellen, zum Beispiel: Woher kommen diese plötzlichen Hinweise? Und daraus folgernd: Hätte ­ falls diese ganzen Mutmaßungen mit der Wahrheit zu tun haben sollten ­ der Sparkassen-Raubmord im Oktober 2004 etwa verhindert werden können? 

Hintergrund: Der Fall Manuela Kreis

Spaziergänger fanden im April 1996 einen skelettierten Schädel in der Nähe eines Waldweges bei Sinsheim. Es war der Kopf der seit dem 13. September 1995 vermissten Manuela Kreis (16) aus Siegelsbach. Der Kopf wurde zuerst beerdigt, da sich der Körper trotz Suche erst zehn Monate später fand. Der Mord wurde nie aufgeklärt.