Lokführer aus Leidenschaft

Zwei Seelen schlagen in seiner Brust. „Wenn ich in der Lok sitze, geht mein Herz auf“, gesteht Heinz Benkner. Aber als Chef der GDL-Ortsgruppe Heilbronn sieht er seinen Beruf und sein Unternehmen auch sehr kritisch. Heinz Benkner fährt seit 25 Jahren Züge rund um Heilbronn - Von einem Streik im Güterverkehr der Bahn wären vor allem Firmen entlang der Neckarschiene betroffen

Von Heiko Fritze

Lokführer aus Leidenschaft
Im Führerhaus der Lok fühlt sich Heinz Benkner richtig wohl. Sein Beruf hat sich in den vergangenen Jahren allerdings gewaltig gewandelt.Foto: Guido Sawatzki
Zwei Seelen schlagen in seiner Brust. „Wenn ich in der Lok sitze, geht mein Herz auf“, gesteht Heinz Benkner. Aber als Chef der GDL-Ortsgruppe Heilbronn sieht er seinen Beruf und sein Unternehmen auch sehr kritisch. „Früher“, sagt er dann oft. Früher, da seien die Arbeitsbedingungen zwar auch nicht rosig gewesen - aber besser als heute allemal.

Als Benkner vor 25 Jahren seine Ausbildung zum Lokführer begann, war er bereits gelernter Maschinenschlosser. „Das war damals Voraussetzung“, erzählt er. Schließlich habe sich ein Lokführer bei Defekten selbst helfen sollen - „ein Abkoppeln der Lok wegen eines Schadens war undenkbar“. 15 Monate dauerte seine Ausbildung auf einer E-Lok, beim Rangieren im Hauptbahnhof übte er das Verhalten von Maschine und Waggons, anschließend durfte er zunächst nur mit einem erfahrenen Lokführer auf die Strecke. Für jedes Fahrzeug war eine Zusatzausbildung erforderlich - heute darf Benkner 14 verschiedene Loks fahren, darunter auch die Stadtbahn.

Dennoch ist er mit vielem unzufrieden, was sich seit der Bahnprivatisierung 1992 ergeben hat. Personal sei eingespart worden: Ein Lokführer muss heute rangieren und kuppeln, und einen Zugführer, der für den nichttechnischen Betrieb der Fahrt zuständig ist, gebe es auch nicht mehr. Auch das feste Reservepersonal, das bei Krankheit oder Urlaub einspringt, ist weggefallen, statt dessen hat jeder Lokführer im Schichtplan solche Reservewochen stehen.

Eine Wissenschaft für sich sind die Einsatzpläne. Auf 55 Fahrtstunden müssen 36 Ruhestunden folgen. Die Tendenz sei jedoch unverkennbar, erzählt der Lokführer aus Leidenschaft: „Die Sonntagsdienste haben massiv zugenommen.“ Anfangs sei jeder alle fünf Wochen dran gewesen, nun ist es bereits jede zweite Woche. Manchmal müsse er drei Wochen nacheinander morgens um 3 losfahren. Immerhin seien Fahrten mit Übernachtungen seltener geworden - aber seit die Bahn ihr Personal auf Fern- und Nahverkehr sowie Güterzüge aufgeteilt hat, kommen Benkner und seine 92 Heilbronner Kollegen kaum noch über die Landesgrenze hinaus. „Wir fahren nur noch um den Kirchturm herum“, klagt er. Nichts ist es mehr mit Fahrten, die ihn bis nach München, Saarbrücken oder Köln führten. „Viele ältere Lokführer sind darüber sehr frustriert“, hat er festgestellt.

Im ersten Jahr gibt es 1933,34 Euro Gehalt, die Endstufe von 2102,53 Euro ist nach vier Jahren erreicht. Beamtete Lokführer wie Benkner arbeiten 41 Wochenstunden, bekommen kein Urlaubs- und nur noch 30 Prozent Weihnachtsgeld. Angestellte haben eine 40-Stunden-Woche mit Urlaubs- und Weihnachtsgeld; beide Gruppen bekommen aber Fahrt- und Nachtzuschläge. Daher wollen sie auch weiter streiken - „wir ziehen das durch“.

Hintergrund: Betroffene Firmen

Von einem Streik im Güterverkehr der Bahn wären vor allem Firmen entlang der Neckarschiene betroffen. „Wir liefern per Bahn just in time Salz in das bayrische Chemiedreieck um Burghausen”, berichtet Salzwerke-Vorstand Eckehard Schneider. „Wir müssten dann auf Schiff und Lastwagen ausweichen.” Bei Audi seien die Betriebsabläufe immerhin mit einem gewissen Puffer kalkuliert, so dass ein kürzerer Streik sich noch nicht auswirken würde, sagt Unternehmenssprecher Uwe-Hans Werner. Bei Solvay in Bad Wimpfen müsste umgestellt werden: Von den knapp 500.000 Tonnen, die pro Jahr umgeschlagen werden, werden etwa 20 Prozent per Bahn transportiert.