Letzter Bauzeuge der Prachtmeile hat es in sich

Die Allee entwickelte sich Ende des 19. Jahrhunderts zur Prachtmeile der aufstrebenden Handels- und Industriemetropole. Wie so vieles in Heilbronn wurden die prachtvollen Gebäude entlang des Boulevards beim Bombenangriff am 4. Dezember 1944 größtenteils zerstört. Allein das Haus an der Allee Nummer 18 vermittelt heute noch eine Ahnung vom Glanz früherer Tage. Jetzt hat die Volksbank Heilbronn die Immobilie gekauft, deren Bedeutung weit über die Architektur hinaus ragt - Historische Bildergalerie

Von Kilian Krauth

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Heilbronn - Die Allee entwickelte sich Ende des 19. Jahrhunderts zur Prachtmeile der aufstrebenden Handels- und Industriemetropole. Wie so vieles in Heilbronn wurden die prachtvollen Gebäude entlang des Boulevards beim Bombenangriff am 4. Dezember 1944 größtenteils zerstört. Allein das Haus an der Allee Nummer 18 vermittelt heute noch eine Ahnung vom Glanz früherer Tage. Bauherr Ludwig Hauck (1870-1939) und Architekt Adolf Braunwald (1875-1951) zählten einst zu den herausragenden Köpfen dieser Stadt. Drohen auch hier die Abbruchbirnen?

Kürzlich hat die Volksbank Heilbronn die Immobilie zusammen mit dem Nachbargebäude, einem ehemaligen Kinocenter gekauft. In direkter Nachbarschaft zum Stammsitz wolle man „Entwicklungsmöglichkeiten sicherstellen“, erklärte Vorstandssprecher Thomas Hinderberger. Bei einem für die nächsten Jahre ins Auge gefassten Erweiterungsbau werde man um einen Abriss wohl kaum herumkommen, meinte Hinderberger im Januar.

An der Allee ist der Lack ab. Allein das Haus mit der Nummer 18 vermittelt heute noch eine Ahnung vom Glanz früherer Tage. Bauherr Ludwig Hauck und Architekt Adolf Braunwald zählten zu den herausragenden Köpfen dieser Stadt.Foto: Ulrike Kugler
Der Bankchef rief damit nicht nur Leserbriefschreiber auf den Plan, sondern auch die Bürgerbewegung Lokale Agenda 21. Sie warnt vor einer neuen Bausünde und ruft alte wach: wie etwa die Sprengung von Fischers Jugendstiltheater und des Stadtbades am Wollhaus. Auch der geschichtsbewusste Architekt Claus Kohout fürchtet den Verlust „des letzten Zeugen der alten Allee“.

„Wir wissen um die besondere Situation Heilbronns und werden nicht einfach alles platt machen“, gab Bankchef Hinderberger jetzt der Heilbronner Stimme zu verstehen. Momentan gebe es keinerlei Pläne für die beiden Nachbargrundstücke. Vor einer Überbauung wolle die Bank ihre Nutzungsmöglichkeiten ausloten und „überprüfen, was erhaltenswert ist“. Die beste Lösung soll über einen Architektenwettbewerb gefunden werden. Nicht zuletzt werde man städtebauliche Aspekte berücksichtigen und diese mit dem Rathaus absprechen.

Ludwig XVI. Unter Denkmalschutz steht das 1910 gebaute Haus nicht. Wie Zeichnungen, Fotos und alte Bauakten im Stadtarchiv zeigen, wurde es 1944 fast bis auf die Grundmauern zerstört, danach aber nach dem alten Vorbild leicht abgewandelt aufgebaut. Eine Bauakte von 1909 spricht von einem „späten Barockstil“ im Stile des französischen Sonnenkönigs Ludwig XVI. Der Nachkriegsbau nimmt die Kubatur auf, trägt aber klassizistische Züge.

Untypisch für Heilbronn: geschichtsbewusste Restaurierung nach 1945.

Doch nicht nur das Gebäude hat es in sich. Auch seine Erbauer schrieben Geschichte. Architekt Adolf Braunwald plante unter anderem die erste Heilbronner Hütte in Südtirol, den schmucken Pavillon im Seniorengarten am Wartberg, die Villa Amann in Bönnigheim und die verwunschene Villa Fuchs an der Jägerhausstraße gebaut.

Bauherr Ludwig Hauck leitete einst die Zigarrenfabrik Johann-Ludwig Reiner an der Badstraße 54-60. Hauck war zudem ab 1929 bis zur Entmachtung durch die Nazis 1933 Vorsitzender der Handelskammer Heilbronn, außerdem führte er den Reichsverband Deutscher Zigarrenhersteller. Der weit gereiste Rotarier-Präsident und parteilose Gemeinderat war auch ein Kulturfreund. Mit einer stattlichen Summe hat sich der Mäzen in die Reihe der Förderer des städtischen Theaters eingereiht, also des Jugendstilbaus, der 1970 gesprengt wurde.