Schnäppchenmarkt im ehemaligen Modehaus Krauß (05.11.2008)

Heilbronn - Seit gestern läuft die Rolltreppe im ehemaligen Modehaus Krauß zwischen der Allee und dem Kiliansplatz wieder wie in guten alten Zeiten. Noch sind die Scheiben von innen zugeklebt. Bis Mitte des Monats, hofft Sarif Sediq, sind die Schaufenster dekoriert, die Ware in den Regalen und die Wühltische gefüllt. Dann eröffnet der Offenbacher Geschäftsmann sein „Heilbronner Kaufhaus“ auf 2500 Quadratmetern und zwei Stockwerken. Sediq spricht von einem „Glücksgriff“. Als Glücksgriff empfinden nicht alle Heilbronner das künftige Schnäppchenhaus in guter 1b-Lage

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Von Andreas Tschürtz

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Heilbronn - Seit gestern läuft die Rolltreppe im ehemaligen Modehaus Krauß zwischen der Allee und dem Kiliansplatz wieder wie in guten alten Zeiten. Noch sind die Scheiben von innen zugeklebt. Bis Mitte des Monats, hofft Sarif Sediq, sind die Schaufenster dekoriert, die Ware in den Regalen und die Wühltische gefüllt. Dann eröffnet der Offenbacher Geschäftsmann sein „Heilbronner Kaufhaus“ auf 2500 Quadratmetern und zwei Stockwerken.

Sediq spricht von einem „Glücksgriff“. Im Raum Frankfurt betreibt er bereits mehrere Geschäfte. Ein so zentrumsnaher Standort sei schwer zu bekommen.

Als Glücksgriff empfinden nicht alle Heilbronner das künftige Schnäppchenhaus in guter 1b-Lage. „Wenn es zur Überbrückung dient, damit die Immobilie schnell hochwertig verwertet wird, kann man das als Vermieter ja mal machen“, sagt Galeria Kaufhof-Chef und Stadtinitiative-Vorsitzender Karl Pommée. „Wenn so was zur Dauerlösung wird, ist das aber eine Katastrophe. Der Standort sollte einem hochwertigen Anbieter vorbehalten sein.“

Schlimmes befürchtet City-Manager Jörg Plieschke. „Da investiert man viel Geld, um etwas wie den Klosterhof hochzuziehen, und nebenan ist eines der eklatantesten Beispiele, wie man Immobilien verkommen lassen kann.“ Sollte der Eigentümer, Hans-Jürgen Barthel, nicht in seine Immobilie investieren und sie für den hochwertigen Einzelhandel interessant machen, schwant Plieschke Böses: „Das kann dazu führen, dass das ganze Quartier heruntergezogen wird.“

Sediq kann die Vorbehalte nicht nachvollziehen. „Ich denke, die Kaufleute sollten froh sein. Wir werden mehr Leute in die Stadt ziehen. Und was wir anbieten, haben die anderen nicht. Wir verkaufen Ware für den kleinen Geldbeutel.“

Porzellan, Haushaltswaren, Autozubehör, Bilder, Brillen, Elektroartikel und vieles mehr verspricht Geschäfts-Inhaber Sarif Sediq. Noch im November will er mit dem Verkauf von Importware zu Schnäppchenpreisen beginnen.Fotos: Andreas Tschürtz
Er hat die Räume für zunächst sechs Monate gemietet. Sollte er langfristig bleiben, wird die Stadt mitreden. Denn die Barthel-Immobilie gehört zum Sanierungsgebiet Klosterhof. Damit hat die Stadt besondere Rechte, um die gewünschte Neugestaltung des Quartiers durchzusetzen. So müssen Rechtsgeschäfte wie Mietverträge von mehr als einem Jahr Dauer genehmigt werden. „Wird mehrfach unter einem Jahr vermietet, werden die Zeiten addiert“, erklärt Stadtsprecher Christian Britzke.

Dass die Stadt dann ihre Zustimmung verweigert, ist aber nicht sicher. „Das Sanierungsziel ist nicht, dass hochwertiger Einzelhandel angesiedelt wird“, erklärt Liegenschaftsamtsleiter Helmut Semenass. Es gehe darum, größere Flächen für Einzelhandel und Dienstleister zu schaffen. „Ich kann eine Genehmigung nicht versagen, weil der Einzelhändler ein schlechteres Image hat als andere oder weil seine Waren anders strukturiert sind.“

Sediq glaubt, dass sich die Aufregung ohnehin bald gelegt haben wird: „Das wird ein schönes Kaufhaus“, ist er überzeugt. „Und wie schaut das denn jetzt hier aus mit dem Leerstand? Die werden begeistert sein.“