Klingenberger gründen Bürgerinitiative gegen Mobilfunkantennen

In ihrem Ort steht seit Kurzem eine getarnte Mobilfunkantenne des Betreibers O2 - versteckt im 4,5 Meter hohen Kamin eines Anwohners. Deshalb gründeten 13 wütende Klingenberger am Freitagabend eine Bürgerinitiative.

Von Helmut Buchholz

Bürgerprotest gegen Mobilfunkanlage
"Wehret den Anfängen", schwört Horst Häring die Klingenberger auf den Protest gegen Mobilfunkanlagen in der Raiffeisenstraße ein. Für Unmut sorgt die in einer 4,50 Meter hohen Kaminattrappe auf dem Dach versteckte Antenne. Foto: Dittmar Dirks

Am Freitagabend ging es in der Weinstube Wieder in Heilbronn-Klingenberg hoch her. 13 wütende Einwohner gründeten eine Bürgerinitiative gegen Mobilfunkantennen in ihrem Ort.

Was die Klingenberger noch mehr an diesem Abend auf die Palme brachte, war eine Person, die mit am Tisch saß: Walter Rothmund. Er war derjenige, der dem Mobilfunkanbieter Vodafone erlaubte, auf dem Dach seines Hauses eine Antenne zu installieren und damit seine Nachbarn in der Raiffeisenstraße auf die Barrikaden trieb. Mutig stellte er sich der Diskussion. Einer gegen alle: Die unversöhnlichen Positionen prallten frontal zusammen.

Gewissensfrage

„Wie kannst Du das mit Deinem Gewissen vereinbaren?“, fragte Horst Hering seinen Nachbarn Walter Rothmund. „Die Antenne strahlt auf unsere Kinder.“ Noch größer ein weiterer Vorwurf aus der Runde: „Er hat sein Gewissen für Geld verkauft.“ Die Bürger verärgerte besonders, dass Vodafone die Nachbarschaft nicht über die Installation der Mobilfunkantenne informiert habe – weder vorher noch nachher.

„Die hätten wenigstens eine Infobroschüre in die Briefkästen werfen können“, sagte Marina Schuchmann. Stattdessen sei in einer „verschwiegenen Aktion“ die Antenne auf das Dach von Walter Rothmund installiert worden, die von außen als Kamin verkleidet wurde. „Die Autos der Firma, die den Mast aufbauten hatten, hatten kein Firmenlogo“, sagte Sibylle Gerhardy. Als Nachbarn Walter Rothmund fragten, was da vor sich gehe, habe er nicht die Wahrheit gesagt.

Buhmann


Doch der Buhmann wollte solche Vorwürfe „nicht so stehen lassen“. Er habe sehr wohl seinen Nachbarn gesagt, dass O2 einen Mast auf seinem Haus installiere. „Hast du nicht, dafür gibt es Zeugen“, schallt es aus dem Saal zurück. Tumultartige Szenen folgten. Die ganze Kontroverse drohte zu eskalieren. Hedwig Feil fragte: „Warum ist es denn verboten, die Antenne auf Kindergärten und Schulen aufzubauen?“

Walter Rothmunds Antwort: „Aus ethischen Gründen.“ Auch diese Antwort entfachte einen Sturm der Entrüstung. Doch Rothmund verteidigte tapfer seine Meinung. „Ich habe kein Internet, kein Handy und auch keinen Computer. Aber ihr. Wegen euch werden die Antennen aufgestellt.“ Ohne den technischen Fortschritt gehe es nicht. Jeder wolle eine Auto haben, sei aber gegen die Straße.

Einseitige Information?

Weiterer Streitpunkt: die Gesundheitsgefahren. Walter Rothmund hatte schon vor der Gründungsversammlung Marina Schuchmann eine Broschüre überreicht, in der behauptet wird, die Strahlung, die von dem Masten ausgehe, sei nicht gesundheitsschädlich. „Hinter der Broschüre steckt eine Lobby, die nicht an Aufklärung interessiert ist“, kritisierte Marina Schuchmann die „einseitige Information“. Sie zitierte aus dem „Freiburger Appell“, in dem mehr als 100 Ärzte vor den gesundheitlichen Gefahren der Strahlung und Elektrosmog warnen. Außerdem fragte sie: „Was war mit Asbest, bis er verboten wurde?“

Walter Rothmund habe zwar rein rechtlich „nichts falsch“ gemacht, sagte Sibylle Gerhardy. Das beflügelt jedoch noch den Zorn und die Empörung der Bürger: dass die Gesetze der Bundesregierung so etwas zulassen. „Die haben uns entmündigt“, sagte Marina Schuchmann. Dagegen will sich die Bürgerinitiative nun zur Wehr setzen.



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