Kinder pflanzen einen Wald

Heilbronn - Der alte Schießstand im Heilbronner Schweinsbergwald gehört bald der Vergangenheit an. Seit Montag pflanzen 700 Schüler auf der über 60 Jahre alten Anlage einen Kinderwald.

Von unserer Redakteurin Franziska Feinäugle

Email

 

Heilbronn - Wo früher Soldaten für den Krieg übten, setzen jetzt Schüler junge Eichen und Buchen in die Erde

Wie pflanzt man einen Wald? Indem man ungefähr zweitausendmal immer wieder das Gleiche macht, Baum für Baum für Baum. Nämlich das, was die zehnjährige Besjana gerade macht.

Mit einer Hacke, die in der Försterfachsprache „Wiedehopfhaue“ heißt, hat die Dammrealschülerin ein Loch in die feuchte Erde gegraben. „Ist das in Ordnung, das Loch?“, erkundigt sie sich bei Förster Heinz Steiner. Der reicht ihr statt Antwort einen jungen Baum, der noch gar nicht nach Baum aussieht, eher nach einem Stecken mit Wurzelgeflecht. „Das siehst du gleich: Passt er rein oder passt er nicht rein?“ Er passt. Jetzt noch Erde auf die Wurzeln schaufeln und um den dünnen Stamm herum festtreten: Besjana hat einen Baum gepflanzt.

Besjanas Baum gehört zu einem Wald, der in den nächsten Jahrzehnten heranwachsen und im Heilbronner Schweinsbergwald eine Lücke schließen wird: eine Lücke, die jahrzehntelang als Schießanlage genutzt wurde.

 

 

Wo früher Soldaten mit Waffen für den Krieg geübt haben, pflanzen seit gestern Kinder den Heilbronner Kinderwald. Womit ein einzelner Mensch ewig beschäftigt wäre, geht schnell, wenn sich Amelie und Oktay und Conrad und Fabian zusammentun, wenn sich rund 700 Fünft- und Sechstklässler aus zehn Heilbronner Schulen die Arbeit teilen: Da braucht jeder bloß zwei oder drei Bäume zu pflanzen, und der Wald ist – nein, fertig ist er noch lange nicht.

Er muss erst wachsen. Das dauert. „Bäume sind etwas, bei dem man langfristig denken muss“, erklärt Heilbronns Erster Bürgermeister Martin Diepgen den Kindern bei seinem Besuch gestern. „In hunderten von Jahren wird man sagen: Was für ein Glück, dass jemand diese Bäume gepflanzt hat!“

 

 

Wenn die Fünftklässler von heute in 30 Jahren ihren eigenen Kindern den Wald zeigen, den sie mitgepflanzt haben, dann sind die Bäume vielleicht sechs Meter hoch. Erst. „Wie kann man denn später erkennen, wo sein Baum ist?“, fragt ein Mädchen aus der 5a des Robert-Mayer-Gymnasiums. Da muss Forstwirt Dietmar Romagna sie leider enttäuschen: „Das kann keiner mehr erkennen.“

Aber der Wald bleibt, und die Erfahrung, wie es ist, einen Baum zu pflanzen, auch. Das freut nicht nur die Kinder und die Förster um Revierleiterin Dr. Gunda Rosenauer. Sondern auch Steffen Ueltzhöfer: Der Heilbronner Kaufmann, der jährlich ein soziales Projekt finanziert, hat sich dieses Jahr gewünscht, dass Kinder Bäume pflanzen. CDU-Stadträtin Helga Drauz-Oertel vermittelte – und die Idee Kinderwald war geboren.

So ein Bäumchen kostet übrigens ungefähr 1,50 Euro. Manche Kinder haben ihrem einen Namen gegeben.

 

 


Kinder pflanzen Bäume auf Schießstand auf einer größeren Karte anzeigen