Kunden stürmen Kachel (30.10.2008)

Heilbronn - Im Haushaltswarengeschäft Kachel in der Kaiserstraße in Heilbronn hat am Donnerstag der Räumungsverkauf begonnen. 20 Prozent Rabatt haben einen Kundenansturm ausgelöst. Viele Stammkunden sind gekommen, die sich in den vergangenen Tagen Ware reserviert haben und diese jetzt zum vergünstigten Preis abholen. Aber auch viele Schnäppchenjäger sind da – immerhin lockt ein satter Rabatt.

Von Andreas Tschürtz

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Heilbronn - Im Haushaltswarengeschäft Kachel in der Kaiserstraße in Heilbronn hat am Donnerstag der Räumungsverkauf begonnen. 20 Prozent Rabatt haben einen Kundenansturm ausgelöst. Viele Stammkunden sind gekommen, die sich in den vergangenen Tagen Ware reserviert haben und diese jetzt zum vergünstigten Preis abholen. Aber auch viele Schnäppchenjäger sind da – immerhin lockt ein kräftiger Rabatt.

Enttäuschung

Bei aller Freude über die günstige Kaufgelegenheit überwiegt bei vielen die Trauer, dass Heilbronn mit Kachel sein letztes großes Haushaltswarengeschäft verliert. Stammkundin Kornelia Karthäuser, 50, aus Beilstein sagt: „Mir blutet das Herz. Wenn all die Leute, die jetzt die Schnäppchen holen, immer hier gekauft hätten, wäre es nicht soweit gekommen.“ Enttäuscht ist auch Rolf Merwerth aus Obereisesheim: „Heilbronn wird immer mehr ein Dorf. Qualität wie hier findet man jetzt nicht mehr in der Stadt. Nirgends. Wenn ich jetzt was brauche, fahre ich nach Karlsruhe oder Stuttgart“, sagt der 67-Jährige.
 
Claus Griesser ist derartige Reaktionen gewohnt. Der Unternehmensberater aus Backnang ist spezialisiert auf Sonderverkäufe und unterstützt jetzt Kachel beim Ausverkauf. „Jedes Mal ist ein Schuss Wehmut dabei“, sagt der 47-Jährige. Auf maximal 20 große Haushaltsfachgeschäfte schätzt er die Branche in Deutschland. „Sieben davon habe ich abgewickelt. Kachel ist die Nummer acht.“ Er ist sich sicher, mit dem Ende „eines der letzten großen Glas- und Porzellan-Fachgeschäfte Deutschlands“  wird auch die Stadt Heilbronn einen großen Verlust erleiden: „Es geht ein Stück städtische Tradition verloren.“

Unklarheit

Wer nachfolgt, wenn die Massen verschwunden sind und Kachel am 13. Dezember schließt, weiß Inhaber Michael Feuerstein nicht. „Unser Vermieter, Familie Kachel, führt Gespräche. Ich kann mir vorstellen, dass es etwas Wertiges wird. Kein Ein-Euro-Laden.“ Der 38-Jährige hatte 2003 das Geschäft mit der Erwartung übernommen, „das Haus mit gutem Ruf weiter nach vorne bringen“ zu können. Was den Laden selbst betrifft, sei das auch gelungen. „Der steht gut da. Aber die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind viel schlechter geworden.“

Neuanfang

Für die 18 Angestellten konnte das Aus inmitten der Finanzkrise nicht ungünstiger kommen. Zwar gibt es Anfragen und Kontakte zur Arbeitsagentur, aber eine neue Stelle hat noch niemand. Wie Elke Busch sind viele älter als 50. „Es ist ein sehr schlechtes Gefühl“, sagt sie. Wie es weitergeht? „Im Bereich Glas und Porzellan ist es im Raum Heilbronn ja jetzt sehr schlecht.“

Überrascht wurde Jana Hesse aus Lauffen, als ihr Chef vor zwei Wochen die traurige Mitteilung machte. „Ich habe hier ja erst vor zwei Monaten angefangen“, sagt die 16-jährige Auszubildende. Doch sie hat Glück: Sie kann ohne Pause beim Bürobedarf-Fachhändler Seel anfangen. Die zweite Auszubildende wechselt zu Nachbar Saemann.

Auch Michael Feuerstein wird sich „ganz neu orientieren“. Doch jetzt stehe eine „ordentliche Abwicklung“ im Vordergrund. Und: „Die Mitarbeiter müssen möglichst alle untergebracht werden. Dann sehen wir weiter.“


Hintergrund: Schon dritte Schließung

Mit Kachel macht am 13. Dezember bereits das dritte Haushaltswarengeschäft innerhalb von nur zwei Jahren zu. Ende 2006 schloss das Rosenthal-Studio am Kiliansplatz. Mitte Juni dieses Jahres hat das WMF-Geschäft in der Kilianstraße seine Geschäftstätigkeit aufgegeben. at