„In der Südstadt ist echt was passiert“

Metzgermeister Thomas Klumpp liegt sein Viertel am Herzen - Entwicklung muss weitergehen

Von Bärbel Kistner

„In der Südstadt ist echt was passiert“
Thomas Klumpp führt die Metzgerei in der vierten Generation.Foto:Bärbel Kistner

Heilbronn - Wenn Thomas Klumpp über sein Viertel redet, dann ist er dabei. Mit Herz und Verstand. Er hängt an der Südstadt, in der er aufgewachsen ist und sich als 43-Jähriger noch an die Samstagnachmittage erinnert, als kaum ein Auto durch die Südstraße fuhr. Und er weiß gleichzeitig, wie sehr sich Viertel wie diese in Heilbronn verändert haben. Wo Hausbesitzer nichts in ihre Häuser investieren wollten, und die Mieterstruktur sich stets verschlechtert hat. Wo junge Familien nach wie vor wegziehen, weil sie ihre Kinder nicht auf die Rosenauschule schicken wollen. Wo die Alten wegsterben, die seine Kunden waren. Wo neue Bewohner herziehen, die entweder nicht bei deutschen Metzgern oder nicht in kleinen Fachgeschäften einkaufen.

Seit 100 Jahren gibt es den Familienbetrieb in der Südstadt, und wenn er nicht so gut wäre, dann hätte er längst zumachen müssen. Von dem Kunden im Viertel könne die Metzgerei nicht mehr leben, schon gar nicht an einer der meist befahrenen Kreuzungen Heilbronns, der Ecke Süd- und Wilhelmstraße. Seine Schinkenwurst ist stadtbekannt, und auch in der Stadtverwaltung ist er kein Unbekannter, seit er vor acht Jahren mit einem Fleischkäsweck in der ersten Sprechstunde des damals neu gewählten Oberbürgermeisters auftauchte. „Rebell der Südstadt“, diesen Spitznamen hat er seither weg. Und in den acht Jahren „ist echt was passiert“.

Sanierungsgelder von Stadt, Bund und Land sind geflossen, seit 2003 gehört das Viertel zum Förderprojekt „Soziale Stadt“. Kurzzeitparkplätze wurden auf der Wilhelmstraße geschaffen, Bäume gepflanzt. Seit zwei Jahren sorgen engagierte Geschäftsleute für Weihnachtsbeleuchtung. Das City-Süd-Center hat den Einzelhandel aufgewertet, selbst wenn Klumpp eine geringeren Kundenfrequenz feststellt als zu Bauhaus-Zeiten. Das multikulturelle Gefüge bringt auch Leben, einige neue ausländische Hausbesitzer möbeln zurzeit die alten Häuser auf. Dennoch müsse man aufpassen, dass der Süden nicht wieder fünftes Rad am Wagen werde. Noch seien einige kritische Stellen nicht beseitigt wie Rotlichtviertel und Rathenau-Platz. Das Südviertel sei an einem Punkt, wo es viel besser werden kann. Klumpp: „Aber es wird dauern.“

Das sechste Südstadtfest wird am Sonntag, 8. Juli, 11 Uhr, im Innenhof des City-Süd-Centers eröffnet. Es gibt multikulturelles Programm.