Heilbronner Schlachthof wird Privatschule (13.02.2010)

Heilbronn - Der 1880 gebaute Heilbronner Schlachthof wurde bereits 1993 stillgelegt. Nun beginnt hier ein völlig neues Kapitel. Er wird zur Privatschule.

Von Kilian Krauth

Die Schlachthalle wurde schon 1993 stillgelegt. Im rechten Gebäude residierte zuletzt das Veterinäramt. Andere Bauten wurden 2002 abgebrochen. Foto: Dittmar Dirks


Heilbronn - Anno 1880 wurden hier die ersten Kühe zur Schlachtbank geführt, 1993 die letzten. Danach ist es um den alten Schlachthof von Heilbronn ziemlich ruhig geworden. Unterbrochen wurde die Stille bestenfalls durch Metzgerschüler, ab und zu durch Parties, durch Flohmärkte und durch regionale Bauernmärkte. Vor acht Jahren ließ die Stadt dann den Großteil abreißen, auch der 48 Meter hohe Schornstein fiel. Drei architektonische Filetstücke an der Frankfurter Straße 83 und 85 blieben allerdings stehen, sie sind als Kulturdenkmal ausgewiesen: die Gaststätte, die Großviehschlachthalle sowie ein Büro- und Wohngebäude. Zuletzt residierte hier das Veterinäramt.

Neues Kapitel

Nun beginnt hier ein völlig neues Kapitel. „Die Schlachtbank wird zur Schulbank“, weiß ein zu Späßen aufgelegter Passant. Eine provisorisch aufgesprühte Internetadresse an einem hell getünchten Anbau gibt einen kleinen Vorgeschmack auf die Nutzer: junge Kreative der Akademie für Kommunikation (AfK). Die Privatschule ist seit zehn Jahren in der Innovationsfabrik Heilbronn (IFH) an der Weipertstraße angesiedelt und will ihr neues Domizil zwischen Theresienwiese und Hauptbahnhof im August 2011 beziehen. Die benachbarte Schlachthof-Gaststätte bleibt allerdings außen vor, betont Wirt Oliver Altmannshofer, dessen Familie das Lokal in dritter Generation führt.

Altlasten

Wenn demnächst die Bagger anrollen, machen sie sich nur an einem wenig ansehnlichen Anbau zu schaffen. Diesen März soll es endlich soweit sein, erklärt AfK-Sprecherin Ute Heß, „sofern uns Eis und Schnee keinen Strich durch die Rechnung machen“. Wegen der aufwendigen Altlastenerkundung und Umplanungen hatte sich der Baustart schon einmal verzögert. Zu den Projektkosten kann sie sich nicht äußern.

Die AfK kaufte der Stadt das 5550 Quadratmeter große Gelände bereits vor zwei Jahren ab: vor allem wegen der verkehrsgünstigen Lage und wegen des reizvollen Ambientes, so Geschäftsführer Jochen Wolff. Liegenschaftsamtsleiter Helmut Semenass spricht von einem „schönen Schlüsselprojekt, das die weitere Aufwertung der Bahnhofsvorstadt voranbringt“. Zudem passe die Akademie gut zu den benachbarten Berufsschulen. In direkter Nachbarschaft hatte die Stadt bereits 2002 dem Landkreis eine rund 10 000 Quadratmeter große Fläche abgetreten; hier steht heute die Peter-Bruckmann-Schule.


Der Plan des Architekturbüros Rommel (Winnenden) zeigt rechts die restaurierte Schlachthalle und nördlich davon den Neubau. dazwischen entsteht ein Campus.


Auflagen

Die neue Privatschule wird in dem ehemaligen Büro- und Wohngebäude, in der Schlachthalle und in einen langgezogenen dreigeschossigen Neubau einziehen, der durch einen fünfgeschossigen Eckturm ergänzt wird. Die Nutzfläche liegt bei 21 000 Quadratmeter. Die Sanierung ist mit dem Denkmalamt abgesprochen, erklärt Joachim Hennze. Vor allem die historischen Fenster und der Hallencharakter müssten erhalten bleiben. „Die reizvolle Verbindung zwischen Alt und Neu“ will Architekt Dieter Rommel (Winnenden) durch eine Ziegelfassade mit Glasbändern unterstreichen, aber auch durch eine Art Campus mit Sitzstufen, die sich von außen ins neue Schulgebäude ziehen.

575 Schüler

Am bisherigen Standort in der IFH an der Weipertstraße hat die Akademie derzeit 330 Schüler, die entweder eine Berufsfachschule für Wirtschaft sowie Farbe und Gestaltung besuchen oder ein Berufskolleg für Grafik- und Modedesign. Bei voller Belegung hätten am neuen Standort 23 Klassen mit 575 Schülern Platz.


Hintergrund: Seltenes Baudokument

Der Schlachthof wurde in mehreren Abschnitten ab 1880 nach Entwürfen des städtischen Hochbauamtes errichtet. Schon während der Bauzeit sorgte er durch Fachblättern überregional für Aufsehen. Laut Denkmalamt stellt er ein „selten gewordenes Dokument einer kommunalen Fleischverarbeitungseinrichtung des späten 19. Jahrhunderts dar“. kra