Heilbronner Holzpenis ist weg

Heilbronn - Wahrscheinlich hat den Abtransport kaum einer mitbekommen, weil er sowieso nie sonderlich beliebt war: Der hölzerne Riesenpenis, der zwischen der Baumreihe in der Oberen Neckarstraße platziert war, hat Pilzbefall.

Von Adrian Hoffmann


Heilbronn - Wahrscheinlich hat den Abtransport kaum einer mitbekommen, weil er sowieso nie sonderlich beliebt war: Der hölzerne Riesenpenis, der zwischen der Baumreihe in der Oberen Neckarstraße platziert war, ist weg. Und zwar schon seit Ende April. „Er war dort keine Zierde mehr“, sagt Heilbronns Pressesprecher Anton Knittel.

Pilzbefall

Es war regelrecht auffällig, wie das große Ding aus einem Eichenstamm dort zuletzt vor sich hin moderte. Er wurde sozusagen krank. „Das Kunstwerk hat Pilzbefall“, wie Knittel diagnostiziert. Deshalb liegt er nun auch im Außenbereich des Milchhofs, und nicht drinnen. Der Phallocaust III – so der Name, den der Stamm von seinem Erschaffer bekommen hatte – bleibt dort nun auf unbestimmte Zeit. Er soll weder restauriert noch zersägt werden. Eine Restaurierung hätte nach Angaben der Stadt mehrere 10.000 Euro gekostet.

Die Heilbronner CDU-Fraktion hatte zum Haushalt 2010/2011 den Antrag gestellt, den Abbau des „Kunstobjekts aus Holz“ zu prüfen. Und dies tat die Verwaltung dann, die das Werk 1996 für 10.700 Euro vom Bildhauer Franz Gutmann aus Obermünstertal bei Freiburg erworben hatte. Zum Abtransport ins Magazin des Milchhofs, der vorerst letzten Station des Eichenstamms, waren vier Männer samt Kranwagen im Einsatz.

Geschichte

Die Heilbronner Geschichte von Phallocaust III ist lang. Man erblickte ihn hier erstmals 1995, er lag lange Zeit im Deutschhof. Und er löste bei vielen Passanten die Reaktion aus, die er auch an anderen Ausstellungsorten vor seiner Zeit in Heilbronn ausgelöst hatte. Je nach Standort und Toleranzschwelle: Empörung, Neugier. Kreisdekan Wolfgang Westenfeld und Hausherr des Deutschordensmünster, schrieb gleich zu Beginn des Ausstellungszyklus einen erbosten Brief an den damaligen Oberbürgermeister Manfred Weinmann und sprach von  der „Geschmacklosigkeit unmittelbar vor dem Pfarrhaus“.

Der Phallocaust III war einer von vielen Beiträgen zu einem Projekt „Kunst und Kirche“. Er lag zuvor bereits im Kurpark Bad Krozingen, in Saarbrücken und in Heidelberg. Bildhauer Franz Gutmann sagte damals zu seinem Werk: „Aus einer riesigen Eiche habe ich einen riesigen Phallus geschnitzt und mit Feuer angebrannt. Ich nenne ihn Phallocaust – der verbrannte Phallus.“ Gutmann wollte 1984/1985 bewusst ein provokantes Objekt schaffen. Der sechs Meter lange und ein Meter breite Eichenstamm „ist nicht vital aufgestellt, wie ihn die meisten gerne haben möchte“, so Gutmann damals. „Sondern er liegt hingeworfen, erigiert zwar, aber doch kaputt und verbrannt.“

Während eines Diskussionsabends in Heilbronn im Rahmen des Kulturtreffs der Städtischen Museen plauderte Gutmann in den 90ern über den Umgang mit Sexualität und zeigte sich höchst erstaunt ob etwaiger Irritationen. Er wisse, dass sich vor allem ältere Männer über den Phallocaust aufregen, Frauen dagegen nicht.

Die Kulturredaktion der Heilbronner Stimme schrieb im Juli 1995: „Während andere Kulturen förmlich einen Phalluskult betreiben, sind nicht wenige Menschen noch immer von der westlichen Verlogenheit eingeschüchtert: „Ein Penis ist etwas Scheußliches.“ Gutmanns gefallener Phallus aber will die Präsenz des Todes im Zustand höchster Anspannung und Erregung manifest machen. Also nichts als die Ambivalenz der menschlichen Existenz.“

Weitere Infos über Franz Gutmann auf wikipedia.de