Heilbronner Gaststätte Schlachthof schließt Pforten

Heilbronn - In der Traditions-Gaststätte Schlachthof an der Frankfurter Straße bleibt für immer die Küche kalt. Dort, wo mehr als vier Jahrzehnte lang die Gastronomie-Familie Altmannshofer ihre Gäste bedient hat, werden voraussichtlich ab Herbst 2012 junge Menschen die Schulbank drücken.

Von Joachim Friedl

Heilbronn - Aus und vorbei. In der Heilbronner Traditions-Gaststätte Schlachthof bleibt es für immer dunkel. Oliver Altmannshofer, der in dritter Generation dieses Lokal führte, verkaufte das Gebäude an die Akademie für Kommunikation (AfK) Baden-Württemberg. Im Besitz dieser Privatschule, die derzeit noch ihren Sitz in der Innovationsfabrik (IFH) an der Weipertstraße hat, befinden sich bereits die 1993 stillgelegte Schlachthalle und die bislang dort vorhandenen städtischen Parkplätze. Wenn in knapp zwei Jahren die Bauarbeiten auf dem ehemaligen Schlachthof-Areal abgeschlossen sind, wird die Akademie von der IFH an diesen neuen Standort umziehen.

Geschichte

Schlachthof-Gaststätte gibt es nicht mehr
Die Rollläden sind unten, die Gaststätte ist geschlossen. Die Anbauten werden abgerissen, so dass das Gebäude im künftigen AfK-Schulensemble als Solitär zum Ausdruck kommt. Die Backsteinfassade soll gerichtet werden.Foto: Dittmar Dirks
Mit dem Verkauf dieses 1898/99 erstellten Gebäudes endet auch ein bemerkenswertes Stück Heilbronner Gaststätten-Geschichte, die in der Nachkriegszeit von der Familie Altmannshofer mitgeschrieben wurde. Gertrud "Rikkele" Altmannshofer hatte 1950 das legendäre Lokal Zur Theresienwiese neben dem General-Wever-Turm eröffnet. 1965 pachtete sie die benachbarte städtische Traditions-Gaststätte Schlachthof, die von 1945 bis 1959 von Christian Schaich und von 1960 bis 1965 von Luise und Karl Schaich geführt wurde. 1971 erwarben Max und Gertrud Altmannshofer das heute zum Teil unter Denkmalschutz stehende Haus.

Keine Zukunft

Die Palette der Gäste, überwiegend Stammpublikum, war über all die Jahre groß. Vereine, Verbände, Stammtische, angefangen von den VfR-Altenkameraden, den Horten-Pensionären, der Bundesbahn, dem Fischereiverein, den Pommern bis hin zum Schnauzerclub. All dies hat Oliver Altmannshofer mit dem Verkauf der Schlachthof-Gaststätte "schweren Herzens" zurückgelassen. Nach der Entscheidung im Jahr 2007, in dem Kulturdenkmal Alter Schlachthof eine Privatschule zu integrieren, sah Oliver Altmannshofer auf dem neuen Schulensemble keine Zukunft mehr. "Man sieht das Lokal dann doch gar nicht mehr", klagte er oft.

Für das Gebäude hatte jedoch nicht nur die Akademie für Kommunikation Kaufinteresse angemeldet. "Es waren auch Hotel- und Gastronomiebetriebe mit im Rennen", sagt Thomas Bucher von der Immobilien-Treuhand GmbH Müller, Bucher und Partner. Nach einem "langen Verhandlungsmarathon" ging der Zuschlag an die AfK.

Probleme

"Wir freuen uns sehr, dass es geklappt hat", gibt Jochen Wolff offen zu. Jetzt könne das Gelände nach den Vorstellungen von Architekt Dieter Rommel (Winnenden) arrondiert werden, sagt der AfK-Geschäftsführer. In der Gaststätte, die ihre Ursprungsfassade wieder erhalten wird, werden Schulungsräume eingerichtet.

Der Umzug der AfK von der IFH an den neuen Schulstandort an der Frankfurter Straße sollte eigentlich schon vollzogen sein. Anvisiert war ein Termin im Herbst 2009. "Es gab Probleme mit den damaligen Architekten", erklärt Wolff. Der neue Mann am Reißbrett, Dieter Rommel, musste neu planen. Und so erwartet Wolff, dass Anfang 2011 der Rohbau für den Neubau auf den bisherigen Parkplätzen steht und im Herbst 2012 die Privatschule eröffnen kann.

 

Der Plan des Architekturbüros Rommel (Winnenden) zeigt rechts die restaurierte Schlachthalle und nördlich davon den Neubau. dazwischen entsteht ein Campus.