Heilbronn im Jahr 2731 nur ein Vorort von Stuttgart?

Jubiläum der Stadterhebung Heilbronns ­ OB Helmut Himmelsbach wagt einen spekulativen Blick auf die nächsten 725 Jahre

Oberbürgermeister Helmut Himmelsbach hofft, dass der Neckar auch in 725 Jahren noch durch Heilbronn fließt. Er stellt sich die Frage, ob es dann noch Industrie geben wird. (Foto: Andreas Gugau)
Herr Himmelsbach, wo wird Heilbronn in 725 Jahren stehen?

Himmelsbach: Der Physiker Niels Bohr hat einmal gesagt: „Vorhersagen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen.” Wie wir uns Heilbronn in 725 Jahren vorzustellen haben, fällt locker unter die letztere Rubrik. Denn wenn die Kommunalpolitik den Blick nach vorne richtet, dann sind die Zeiträume überschaubarer: Ein Heilbronner Haushaltsplan wird für zwei Jahre gemacht, die mittelfristige Finanzplanung auf fünf Jahre. Genauso lange dauert die Wahlperiode des Gemeinderates, auf acht Jahre wird ein OB gewählt.

Gut, dann versuchen wir es mit einem Blick in die nähere Zukunft.

Himmelsbach: Da wird es ja bei zweistelligen Jahreszahlen schon dünn: Noch ganz weit weg scheint die Bundesgartenschau im Jahr 2019 mit der Entwicklung der Neckarvorstadt. Unser Zukunfts-Strategiepapier „Heilbronn 2020” beschreibt die Ziele der nächsten 14 Jahre. Bundesgartenschau und „Heilbronn 2020” stellen sicherlich auch noch für die Jahrzehnte danach einige Weichen ­ doch dann liegt immer noch eine fast 700-jährige Durststrecke bis zum Stadtrechtsjubiläum 2731 vor uns.

Versuchen Sie, sich die Siedlungsentwicklung vorzustellen.

Himmelsbach: Da gibt es verschiedene Varianten. Heilbronn kann angesichts der Bevölkerungsentwicklung zu einer Kleinstadt geschrumpft sein. Oder die Orte zwischen Flein und Friedrichshall sind längst in Groß-Heilbronn eingemeindet. Oder die Metropolregion Stuttgart ist zu einer einzigen gigantischen Mega-City zusammengewachsen mit dem Stadtteil Heilbronn ganz im Norden.

Welche Richtung werden die heimischen Unternehmen einschlagen?

Himmelsbach: Ich antworte mit Fragen. Wird es auch noch produzierendes Gewerbe, eine vom Mittelstand getragene Wirtschaftsstruktur geben oder nur noch „Zukunftstechnologien”, die nur wenig, dafür aber hochqualifiziertes Personal benötigen? Werden wir weiterhin mit Auto, Stadtbahn und Fahrrad unterwegs sein ­ oder auch mit Seilbahnen und U-Bahnen durch die 700 Kilometer langen, ehemaligen Salzstollen? Oder wird es völlig neue Verkehrsadern geben, hochtechnisiert, individuell nutzbar, schadstofffrei?

Und die Stadt als architektonisches Gebilde? Wie wird sie aussehen?

Himmelsbach: Auch hier mehr Fragen als Antworten: Wird es weiterhin ein Stadtzentrum mit Rathaus und Kilianskirche, Geschäften und Cafés geben - oder wird der virtuelle Raum mit seinen interaktiven Angeboten die gewachsenen Strukturen überflüssig gemacht haben? Wird uns weiterhin Kultur „live” im Theater, von Orchestern, in den Museen und Bibliotheken geboten ­ oder verschiebt sich der Kulturgenuss ganz ins Internet ­ falls es dieses dann überhaupt noch gibt?

Was wünschen Sie Heilbronn für die nächsten 725 Jahre?

Himmelsbach: Dass die Grundlinien Heilbronner Lebens, die unsere Stadt in den vergangenen 700 Jahre prägten, auch die nächsten Jahrhunderte weiterführen.

Konkret?

Himmelsbach: Konkret habe ich drei Wünsche: Erstens, dass auch in ferner Zukunft noch der Neckar als Fluss unsere Stadt durchqueren wird. Zweitens, dass an den Hängen Heilbronns weiterhin Wein angebaut wird ­ und nicht etwa durch Klimaveränderungen Sanddünen oder Eisberge entstanden sein werden. Drittens, dass wir in der Stadt friedlich, ohne Not und sozial gerecht, auf Basis gesunder natürlicher Lebensgrundlagen und nach demokratisch vereinbarten Spielregeln miteinander leben und es weiterhin heißt: „In Heilbronn kann man nicht nur gut arbeiten, sondern auch gut leben.”